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Cannabis © dpa Video
Das grüne Kraut soll bald die Krankenkasse zahlen. (Beitrag vom 4. Mai 2016)
Schmerzmittel Cannabis
Therapiealternative für Schwerkranke
Schwerkranke Patienten sollen künftig Cannabis auf Kassenrezept bekommen. Das Kabinett beschloss einen entsprechenden Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Gröhe.
Mit der Neuregelung, die im Frühjahr 2017 in Kraft treten soll, wird es schwer erkrankten Patienten ohne Therapiealternative ermöglicht, getrocknete Cannabisblüten und Cannabisextrakte auf ärztliche Verschreibung in Apotheken zu erhalten. "Wir wollen, dass für Schwerkranke die Kosten für Cannabis als Medizin von ihrer Krankenkasse übernommen werden, wenn ihnen nicht anders geholfen werden kann", so Hermann Gröhe (CDU).

Geplant ist staatlich kontrollierter Anbau in Deutschland durch eine Cannabisagentur. Diese Aufgabe soll das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte übernehmen. Bis dieses gewährleistet ist, soll die Versorgung mit Medizinalhanf durch Importe gewährleistet werden. "Der Einsatz von Cannabis als Medizin in engen Grenzen ist sinnvoll und muss gleichzeitig noch näher erforscht werden", erklärt Marlene Mortler, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Sie betont: "Cannabis ist keine harmlose Substanz, daher darf es auch keine Legalisierung zum reinen Privatvergnügen geben."

Gericht erlaubte bereits 2014 Anbau von Cannabis
Die Zulassung von Cannabis, etwa als Schmerzmittel, wird seit längerem verlangt. Bereits 2014 hatte das Kölner Verwaltungsgericht entschieden, dass chronisch kranke Patienten ausnahmsweise privat Cannabis züchten dürfen. Es erlaubte den Anbau zu Therapiezwecken, wenn den Kranken sonst nichts gegen ihre Schmerzen hilft. Die Richter gaben damit den Klagen von Schwerkranken gegen ein behördliches Anbauverbot recht. Der Cannabis-Eigenanbau bleibe im Grundsatz verboten, könne aber unter bestimmten Bedingungen als "Notlösung" erlaubt werden, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Fleischfresser.

Zu den Voraussetzungen gehöre, dass der schwer kranke Patient austherapiert sei, es für ihn keine andere Behandlungsalternative zu Cannabis gebe und Apotheken-Cannabis unerschwinglich sei. Zwei Klagen hatte das Kölner Gericht abgewiesen, drei waren erfolgreich.

In Deutschland gelten strenge rechtliche Regeln
Seit Mai 2011 dürfen zugelassene Fertigarzneimittel auf Cannabis-Basis auch in Deutschland hergestellt und von Ärzten auf Betäubungsmittel-Rezept verschrieben werden. Bisher ist lediglich ein Extrakt aus Cannabis sativa - so der lateinische Name für die Hanfpflanze - unter dem Namen "Sativex" zugelassen, und zwar für Patienten, die an Multipler Sklerose erkrankt sind und an schweren spastischen Lähmungen und Krämpfen leiden. Bereits seit längerem können Patienten die im Ausland zugelassenen Wirkstoffe Dronabinol und Nabilon verschrieben werden. Für die Kosten müssen sie in der Regel aber selbst aufkommen.

Besonders Schmerzpatienten sollen profitieren
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Dem einen eine Droge, dem anderen Medizin: Cannabis gilt auch als Arznei
In Kalifornien ist es erlaubt, Cannabis in der Schmerztherapie einzusetzen. Etwa bei Krebspatienten oder Epileptikern kommt es zum Einsatz. Auch der US-Bundesstaat New York will seine strikten Marihuana-Gesetze lockern, um schwer Kranken eine medizinische Behandlung mit der Droge zu erlauben. Frankreich wiederum hat im Januar 2014 nach anderen europäischen Ländern dem Cannabis-haltigen Medikament Sativex, das gegen spastische Schmerzen bei Multipler Sklerose eingesetzt wird, die Marktzulassung erteilt.

THC und CBD sind die Wirkstoffe in Cannabis
Die beiden wichtigsten Inhaltsstoffe sind Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Ihnen wird unter anderem eine schmerzlindernde, entzündungshemmende, appetitanregende und krampflösende Wirkung zugeschrieben. Cannabis wird unter anderem zur Behandlung von chronischen Schmerzen und Nervenschmerzen, bei grünem Star (Glaukom) zur Reduzierung des Augeninnendrucks, gegen Übelkeit und zur Appetitsteigerung bei Krebs- und Aidspatienten und eben bei spastischen Schmerzen bei Multipler Sklerose eingesetzt.

Mediathek
VideoJoint auf Rezept
Die deutsche Bundesregierung will für schwer kranke Schmerzpatienten den Konsum der Droge Cannabis erleichtern. (Beitrag vom 26. Februar 2015)
Wissenschaftsdoku
Cannabis gegen Krebs
Cannabisöl soll Krebs heilen, doch für die Herstellung des Öls werden Mengen von Cannabis benötigt, die in Deutschland illegal sind.
Glossar
Cannabis sativa
Cannabis sativa gehört zur Gattung der Hanfgewächse. Botaniker unterscheiden zwischen gewöhnlichem Hanf (C. sativa) und dem indischen (C. sativa var. indica).
LSD
Drogen für die Psychotherapie
Der Schweizer Psychotherapeut Peter Gasser hat mit zwölf unheilbar an Krebs erkrankten Patienten einen LSD-Versuch durchgeführt.
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