Cannabis © dpa
Cannabis kann Schwerkranken Linderung verschaffen.
Cannabis kann Schwerkranken Linderung verschaffen.
Hanf aus der Apotheke
Was ändert sich in Deutschland?
Seit März 2017 gibt es auch in Deutschland Cannabis auf Rezept. Eine neue Cannabisagentur überwacht den Anbau von Hanfpflanzen zu medizinischen Zwecken.
Das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stellten die Cannabisagentur am 3. März 2017 offiziell vor. Ein Überblick:

Was regelt das neue Gesetz?
Für schwerkranke Menschen, denen nicht anders geholfen werden kann, übernehmen die Krankenkassen die Kosten für Cannabisarzneimittel. Davor hatten die Kassen nur in Einzelfällen für die teure Therapie bezahlt. Im Gesetzentwurf wurden die durchschnittlichen monatlichen Behandlungskosten auf 540 Euro, in besonderen Fällen bis zu 1800 Euro pro Patient beziffert.

Eine Ausnahmeerlaubnis vom BfArM zum Erwerb von Cannabisblüten oder -extrakten "im Rahmen einer medizinisch betreuten und begleiteten Selbsttherapie", die bisher nötig war, brauchen Patienten nicht mehr. Die Betroffenen können nach der Verordnung durch den Arzt ihren Medizinalhanf in der Apotheke bekommen.

Welche Aufgabe hat die Cannabisagentur?
Ganz wichtig: Der Eigenanbau von Cannabis durch Patienten bleibt auch weiterhin verboten. Vielmehr soll die beim BfArM angesiedelte Agentur den Cannabisanbau in Deutschland staatlich kontrollieren. Sie vergibt die Aufträge an Cannabisanbauer und kassiert dann auch die Ernte. Die Cannabisagentur verkauft den Medizinalhanf anschließend an Arzneihersteller, Großhändler oder Apotheken weiter und sorgt dafür, dass nur Hanf "in pharmazeutischer Qualität" zu den Patienten gelangt. Gewinne darf sie dabei nicht machen.

Geht es gleich los mit dem Cannabisanbau?
Nein, nach dem Inkrafttreten des Gesetzes hat es zunächst ein Ausschreibungsverfahren für den Anbau von Cannabis gegeben. Bis der staatlich kontrollierte Anbau in Deutschland beginnen kann, wird die Versorgung mit Cannabis über Importe gedeckt. 2015 wurden dem Bundesgesundheitsministerium zufolge insgesamt 94 Kilogramm importiert. Nach der Gesetzesnovelle Anfang März 2017 hat es bereits Engpässe gegeben: "Es liegen derzeit Meldungen vor, dass einige Sorten an Medizinal-Cannabisblüten im Einzelfall nicht lieferbar sind", hieß es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion im September 2017.

Welche Wirkung hat die Droge?
Die beiden wichtigsten Inhaltsstoffe sind Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Ihnen wird unter anderem eine schmerzlindernde, entzündungshemmende, appetitanregende und krampflösende Wirkung zugeschrieben. Nicht immer ist der medizinische Nutzen eindeutig belegt. Es gibt viele positive Beobachtungen, allerdings noch zu wenige aussagekräftige Studien. Die Regierung will daher weiter forschen lassen.

Bei welchen Krankheiten wird Cannabis eingesetzt?
Cannabis wird unter anderem zur Behandlung von chronischen Schmerzen, Nervenschmerzen, bei grünem Star (Glaukom) zur Reduzierung des Augeninnendrucks, bei ADHS und dem Tourettesyndrom eingesetzt. Verwendet werden Cannabisextrakte, Cannabisblüten oder einzelne Cannabinoide - das sind Mittel auf Cannabisbasis. Angewandt wird Cannabis auch gegen Übelkeit und zur Appetitsteigerung bei Krebs- und Aidspatienten, bei Rheuma sowie bei spastischen Schmerzen bei Multipler Sklerose.

Die Situation in Österreich und der Schweiz
In Österreich gibt es Cannabis nicht auf Rezept. Verschrieben werden können aber zwei Wirkstoffe auf Cannabis-Basis: Delta-9-THC und CBD-Cannabinol. Das Präparat "Sativex" enthält beide Wirkstoffe und kann nur bei Multipler Sklerose verschrieben werden. Andere, vom Apotheker selbst gemischte Präparate können in Ausnahmefällen auch verschrieben werden, etwa auch bei Schmerzpatienten


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