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Kunststoff Video
Weichmacher wie Phthalate finden sich in zahlreichen Alltagsgegenständen
Weichmacher begegnen uns fast überall
Umweltmediziner warnen vor riskanten Phthalaten
Phthalatbelastungen aus dem Weg zu gehen, sei heute schwer, so Dr. Andreas Gies vom Umweltbundesamt (UBA).
Gewisse Lebensweisen seien besonders riskant, zum Beispiel, zu viele fetthaltige Fertig-Lebensmittel zu essen. Fett nimmt die Weichmacher besonders gut auf. Zwar sind seit 2007 einige Phthalate wie etwa Di(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) in der Europäischen Union verboten. Dennoch liegt die Belastung mit den giftigen Stoffen oft über den "tolerablen täglichen Aufnahmemengen", so Dr. Holger M. Koch von der Uni Bochum. Bei den Erwachsenen liege dies bei ein bis zwei Prozent. "Bei den Kindern, die grundsätzlich höher belastet sind, sind es auch mal drei oder vier Prozent. Wenn wir die Gesamtbelastung der Phthalate in Betracht ziehen, also alle Phthalate zusammen genommen, gibt es Studien, die sagen, dass sogar 20 bis 30 Prozent der Kinder über tolerablen täglichen Aufnahmemengen liegen."

Es sei nicht sinnvoll Stoffe einzeln zu bewerten, sagt Gies. "Wir wissen, diese Stoffe wirken zusammen auf den Körper. Sie wirken zusammen, gleichzeitig und additiv." Man müsse diese Stoffe gemeinsam bewerten und für ganze Stoffgruppen Regularien festlegen.

Dänemark hat Phtalate 2012 verboten
Dänemark hat Phthalate 2012 als Weichmacher in Kunststoffen verboten - ein Alleingang, für den der dänischen Regierung Sanktionen durch die EU drohten. Doch auch in Deutschland sei der Gesetzgeber gefordert, sagt der Kieler Toxikologe Hermann Kruse. "Wir werden eine deutliche Absenkung der Phthalat-Konzentrationen in der Nahrung, in den Bedarfsgegenständen und in den Hausstäuben nur dann haben, wenn die Phthalate als Weichmacher verboten werden."

Prof. Andreas Gies vom deutschen Umweltbundesamt weiß: "Wir finden heute Weichmacher im Blut von uns allen, auch dem unserer Kinder. Diese Stoffe können problematisch für die Gesundheit sein - für die Spermienqualität, aber auch bei Brust- und Hodenkrebs."

Hormonell aktive Stoffe gefährden Gesundheit
Trotz vieler Hinweise auf schädliche Wirkungen stecken die Phthalate auch hochkonzentriert in Medizinprodukten und Medikamenten. "Phthalate können durch Kontakt mit Blut oder Infusionslösungen leicht aus dem Kunststoff herausgelöst werden, da sie nicht fest an diesen gebunden sind", sagt der Toxikologe Holger Koch von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Bekommen etwa Frühgeborene viele Infusionen, können sie den Stoff DEHP in bedenklichen Konzentrationen aufnehmen.

Magensaft-resistente Kapselüberzüge oder Nahrungsergänzungsmittel enthalten dagegen oft die Substanz DBP. Nehmen Schwangere solche Präparate ein, kann dies im Mutterleib bei männlichen Nachkommen zu Störungen der sexuellen Entwicklung führen. Phthalate stören die Bildung des männlichen Sexualhormons Testosteron, was im späteren Leben zu Fruchtbarkeitsproblemen führen kann. Hormonell aktive Phthalate wurden schon oft im Urin der Allgemeinbevölkerung nachgewiesen. "Die aufgenommenen Mengen übersteigen zum Teil die empfohlene Obergrenze", betont Koch. Zudem zeigen Studien, dass sich unterschiedliche Phthalate in jeweils geringer Konzentration in ihrer schädigenden Wirkung summieren.

Die Spermienqualität in Europa ist gesunken
Mediziner Video
Leipziger Ärzte haben sich Spermien betrachtet und sind erschrocken
Dänemark halte den Weltrekord in schlechter Spermienqualität, so die Kopenhagener Reproduktionsmedizinerin Katharina Maria Main. Daran seien Phthalate schuld. Die Spermienqualität deutscher Männer ist die zweitschlechteste in Europa, so der Leipziger Androloge Uwe Paasch. "Bei einem Drittel der Männer ist sie so eingeschränkt, dass es länger dauerte, bis die Paare schwanger werden", schildert er. "Gerade unsere gut ausgebildeten Akademikerinnen verpassen dann möglicherweise das Zeitfenster, in dem sie Kinder bekommen können." Die Hälfte der 1000 Testpersonen bringt es nur auf 40 Milllionen Spermien pro Milliliter Samenflüssigkeit, ein Fünftel gar nur auf 20 Millionen. Junge Finnen haben 90 Millionen Spermien pro Milliliter. Schlusslicht der Untersuchung waren die Dänen.

Neben Weichmachern können noch weitere Stoffe die Spermien beinträchtigen: "Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft hat einen schädlichen Einfluss auf die Hoden", sagt Paasch. "In der Natur vorkommende Stoffe, die wie Östrogen wirken oder männliche Hormone blockieren, können einen Einfluss haben." Auch Bauchfett der Männer setze Hormone frei.

Glossar
Phthalate
Die Weichmacher Phthalate sollen Kunststoffe geschmeidig machen. Die weit verbreiteten Stoffe wirken ähnlich wie weibliche Sexualhormone.
Mediathek
VideoDänemark verbietet Phtalate
Dänemark hat Phthalate als Weichmacher in Kunststoffen verboten - ein Alleingang, für den der dänischen Regierung Sanktionen durch die EU drohen. (nano Beitrag vom 11. Dezember 2012)
Wie jetzt?!
Um die Männer muss Andy sich nicht sorgen
"Neue Männer braucht das Land", meint nano-Reporterin Andy Losleben: "Laut einer Studie ist die Konzentration der deutschen Spermien in vier Jahrzehnten um bis zu 70 Prozent zurückgegangen."
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