Mann greift ins Regal Video
Forscher bestreiten den Nutzen spezieller - und teurer - Nahrung für Diabetiker
Ende eines Geschäfts
Forscher: kein Gewinn in "Diabetiker-Lebensmitteln"
Der Ausschuss Verbraucherschutz des deutschen Bundesrats hat sich dafür ausgesprochen, "Diabetiker-Lebensmittel" vom Markt zu nehmen.
Thomas Danne, Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, setzt sich seit Jahren für die Abschaffung spezieller Diabetiker-Lebensmittel ein. "Lange Zeit ohne Erfolg, da die Lebensmittellobby sich sehr erfolgreich gewehrt hat", sagt er. "Das Geschäft mit den Diabetiker-Lebensmitteln ist außerordentlich lukrativ." Schließlich machen sie bisher rund eine halbe Milliarde Euro Umsatz im Jahr mit solchen Produkten.

Spezielle Marmeladen oder Kekse entsprächen in ihrer Zusammensetzung nicht mehr den Ernährungsempfehlungen, sagt die Regierung. Nicht selten enthielten Diabetikerprodukte mehr Fett und Kalorien als die normale Variante. Zudem haben Menschen mit Diabetes nicht nur einen gestörten Zuckerhaushalt, auch der Fett- und Eiweißstoffwechsel sei beeinträchtigt.

Die in Paragraf 12 der Diätverordnung genannten Anforderungen an diätetische Lebensmittel für Diabetiker werden dem Gesetzentwurf zufolge ersatzlos gestrichen. Da geht es unter anderem um Fruktose als Zuckerersatz oder dass ein Diabetiker-Brot nur einen Brennwert von höchstens 840 Kilojoule pro 100 Gramm haben darf.

Unternehmen müssten nicht nur ihre Hinweise auf den Verpackungen ändern, sondern bei bestimmten Produkten auch die Rezepturen. "Die größte Änderung gibt es für Patienten, die ihre Insulinmengen auf diese Produkte abgestimmt haben", sagt Norbert Pahne, dessen Bundesverband der Hersteller von Lebensmitteln die Interessen von 60 Herstellern diätetischer Lebensmittel vertritt.

Bis 2012 dürfen Unternehmen noch Diabetiker-Lebensmittel produzieren - und Konserven, Marmeladen und Schokoladen müssen auch danach nicht aus dem Regal geräumt werden. Erst wenn alles raus ist, ist es endgültig vorbei mit speziellen Diabetiker-Produkten. Einer der größten Hersteller solcher Produkte ist Schneekoppe. Nach den Änderungen könne man nach Anpassung der Produktdeklaration und der Rezepturen immerhin noch bis zu 60 Prozent des "prodieta"-Sortimentes weiterführen, heißt es.

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft betont, in der Änderung läge eine große Chance - für mehr Transparenz im Sinne der Patienten, die dies sicher honorieren würden. "Dazu gehört es vor allem auch, die Nährwerte auf einem Lebensmittel nachvollziehbar zu kennzeichnen", sagt Präsident Danne. Auf vielen Lebensmitteln fehlten nach wie vor genaue Angaben über den Gehalt an Eiweiß, Zucker, Fetten, Salzen und Ballaststoffen, zum Brennwert oder zur Gesamtmenge an Kohlenhydraten pro 100 Gramm. "Nur damit ist es für Menschen mit Diabetes möglich, ihr Insulin korrekt zu dosieren und ihre Ernährung zuverlässig zu planen." Darauf sollten sich die Hersteller konzentrieren, denen das Wohl von Diabetikern wirklich am Herzen liege.

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