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Besorgte User suchen Informationen im Netz - und werden nicht immer fündig
Nicht immer guter Rat
"Frag den Professor" will Patienten online beraten
"Der Patient wird nicht eingezogen und nicht informiert", sagt der Kölner Gesundheitsökonom Prof. Peter Sawicke über die Internetseite "Frag den Professor".
Man solle den Experten schlicht vertrauen. "Es ist die persönliche Meinung des Experten, der lange auf Jahre auf diesem Feld gearbeitet hat", betont dagegen Herausgeber Prof. Werner Scheerbaum. "Wichtig ist, dass klar ersichtlich ist, wer hinter der Information steht."

Gesundheitsportale im Internet birgen Risiken
Ärzte Lupe
Forscher im Selbstversuch: Medikation aus dem Internet hat Nebenwirkungen
Man wisse nie, ob eine Information seriös sei oder von Pharmafirmen gesteuert, warnt Daniela Hubloher grundsätzlich vor Gesundheitsportalen im Internet. "Vorsicht ist auch bei Selbsttests im Internet geboten", meint Hubloher. Die Gefahr bestehe, dass man entweder Krankheiten vorgegaukelt bekomme, die es gar nicht gebe, oder sich in falscher Sicherheit wähne und darum auf einen Arztbesuch verzichte.

"Meine Kollegen und ich machen zunehmend die Erfahrung, dass Patienten ihre Symptome und Krankheiten im Internet selbst diagnostiziert haben", schildert der Gießener Internist Nils Ewald. Prinipiell sei der gut informierte Patient wünschenswert, "dennoch birgt die unkritische Übernahme von Internetinformationen einige Gefahren. Das wieder gerade zu rücken, bedarf intensiver Gespräche mit dem Patienten." So habe eine Entschlackungskur im Internet zu Gallenstein-ähnlichen Ablagerungen geführt - gehandelt habe es sich aber nur um massive Fettablagerungen.

Flut an Informationen sorgt für Unsicherheit
Surfen im Internet Lupe
Es gibt auch ein "zu viel" an Informationen
Eine Flut an verfügbaren Gesundheitsinformationen sorgt in Deutschland dafür, dass die Patienten zwar vergleichsweise gut informiert, oft aber zugleich verunsichert sind. Zu diesem Schluss kommt die repräsentative Studie "Ratlose Patienten?", die die Bremer Gesundheitsbehörde 2007 vorgestellt hat. Demnach bemühen sich die Deutschen bei Gesundheitsproblemen aktiv um Informationen, "verfolgen Fernsehsendungen zu Gesundheitsthemen, lesen Aufsätze in ihrer Krankenkassen- oder der Apotheken-Zeitschrift oder recherchieren im Internet". Allerdings lasse das oft neue Fragen und damit Zweifel aufkommen, schreiben die Autoren der Studie.

Zwei Drittel der Patienten bemühen sich demnach vor oder nach einem Arztbesuch um zusätzliche Informationen etwa zu den Ursachen oder Behandlungsmöglichkeiten ihrer Erkrankung. Nur jeder zehnte hält dies für sinnlos. Mehr als die Hälfte der Patienten stellt schon vor Arztbesuchen gelegentlich eine eigene Diagnose auf, weitere 18 Prozent machen dies regelmäßig. Vor allem Jüngere und gut Ausgebildete erteilen ihrem Arzt nicht mehr ohne Weiteres und pauschal einen Vertrauensvorschuss, sondern unterscheiden zwischen guten und weniger guten Ärzten. Dabei bemängelten viele fehlende Informationen auf der Suche nach einem guten Arzt, die daher meist nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum" verlaufe.

Als Hilfestellung würden 70 Prozent der insgesamt 3591 Befragten einen "Ärzte-TÜV" begrüßen, der nach einer Qualitätsprüfung für begrenzte Zeit vergeben würde. 50 Prozent befürworten eine öffentlich zugängliche Kartei, in der Patienten ihr Urteil über eine Arztpraxis abgeben. Insgesamt bestehe ein besonderer Bedarf nach besseren "Wegweisern" im Gesundheitswesen, stellt die Studie fest. Das Schlagwort vom "informierten Patienten" sei "nur ein Teil der Wahrheit", da Patienten sich zwar zunehmend um Informationen bemühten, aber es immer schwerer hätten, die richtigen herauszufiltern.

Als "eine Möglichkeit, die Souveränität des Patienten zu stärken", empfehlen die Wissenschaftler in ihrer Studie, dass Ärzte den Patienten über das persönliche Gespräch in der Sprechstunde hinaus eine schriftliche Information anbieten könnten. Es gehe um eine "für Laien verständliche", personalisierte Aufbereitung von Diagnose und Krankheitsursachen, Laborwerten und Befunden, die auch verschiedene Therapien, Medikamente sowie Empfehlungen für Sport und Ernährung darstellen könnten. Annähernd alle Befragten fänden eine solche Patienteninformation der Studie zufolge "hilfreich und interessant".

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