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Zu Risiken und Nebenwirkungen schweigen sich die Firmen lieber aus
Nicht richtig publiziert
Kritiker bemängeln einseitige Auswahl von Studien
Die medizinischen Ethikkommissionen in Deutschland tauschen Daten über Studien zu Medikamenten und ihren Nebenwirkungen nicht aus, so Dr. Gerd Antes.
Einen Verbund gebe es nicht: "Die Realisierung ist noch nicht annähernd erfolgt", meint der Vertreter des "Deutschen Registers Klinischer Studien": Die 53 medizinischen Ethikkommissionen "wissen nicht, was die Nachbarkommission tut". Damit bleibe unklar, ob alle Daten veröffentlicht sind. "Wir wissen sehr gut, dass nur 50 Prozent aller begonnenen Studien publiziert werden und auch, dass die 50 Prozent bevorzugt diese gewünschten Ergebnisse zeigen", so Antes. "Die, die nicht so gefallen, gehören zu den anderen 50 Prozent und bleiben damit in den Schubladen."

Iqwig: Alle Ergebnisse gehören veröffentlicht
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Pharmaunternehmen legen die meisten ihrer Studien bislang nicht offen
"60 Prozent der Studien werden nicht oder nicht richtig publiziert", meint gar Thomas Kaiser vom Institut für Qualität im Gesundheitswesen (Iqwig). "Man kann fast sagen, dass bis zu 90 Prozent der Studien in irgendeiner Form manipuliert sind", schätzt dagegen Wolfgang Becker-Brüser, Herausgeber des "Arznei-Telegramm". Arzneimittelhersteller sollen verpflichtet werden, die Ergebnisse aller klinischen Studien zu veröffentlichen, wie das Institut betont. Die Bundesregierung müsse in der EU auf eine verbindliche Regelung drängen.

Bislang vertraut die EU auf die freiwillige Kooperation der Hersteller. Dies reiche nicht aus, bemängelt Beate Wieseler, die beim Iqwig die Bewertung von Arzneien koordiniert. "Mit der Selbstverpflichtung der Firmen haben wir schlechte Erfahrungen gemacht", sagt Wieseler. "Bei jeder Arzneimittelbewertung bitten wir die Hersteller um alle Daten für eine Substanz. Die vollständigen Unterlagen bekommen wir nur in 60 Prozent der Fälle."

Daher müsse es eine Pflicht zur Veröffentlichung aller Ergebnisse geben. "In den USA ist diese Verpflichtung seit 2008 gesetzlich umgesetzt", sagt der ehemalige Iqwig-Leiter Peter Sawicki. "Wir brauchen schnellstmöglich eine vergleichbar konkrete und transparente Umsetzung für Europa." Die Verpflichtung müsse rückwirkend auch für bereits zugelassene Medikamente gelten.

Daher fordern Mediziner schon seit den 1970er Jahren eine Pflicht für die Hersteller, ihre Studienresultate öffentlich zugänglich zu machen. Jahrelang verhallte dieser Ruf ohne Resonanz. Bewegung kam erst auf, als sämtliche große medizinische Fachzeitschriften 2004 ankündigten, nur noch jene Studien zu veröffentlichen, die schon zu Beginn registriert wurden. Danach stieg die Zahl der wöchentlich registrierten Studien von 30 auf 220.

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