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Frau pipettiert Video
Isabelle Mansuy jagt Spuren der Traumata (Beitrag vom 10. September 2015)
Spuren im Erbgut
Stress verändert die Aktivität des Gens FKBP5
Traumata im Kindesalter können das Erbgut nachhaltig verändern und zeitversetzt zu Depression oder Angsterkrankungen führen.
Ob der frühe Stress aber tatsächlich krank macht, hängt entscheidend von der genetischen Veranlagung ab. Münchener Wissenschaftler entdeckten beispielsweise, dass sich eine spezielle Variante des Stress-Gens FKBP5 epigenetisch verändern kann, wie das Max-Planck-Institut für Psychiatrie berichtete. Bei Betroffenen sei das gesamte Stresshormonsystem dauerhaft fehlreguliert.

Die Forscher untersuchten das Erbmaterial von fast 2000 US-Amerikanern, die teilweise mehrfach schwer traumatisiert worden waren. Ein Drittel der Opfer erkrankte später an einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Die Auswertung ergab, dass das Erkrankungsrisiko nur bei den Trägern der speziellen FKBP5-Variante zunahm. Das Gen bestimmt, wie wirkungsvoll der Organismus auf Stresshormone reagiert.

In Experimenten mit Nervenzellen konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass die identifizierte FKBP5-Variante für den Patienten tatsächlich einen physiologischen Unterschied macht. Von deren DNA werde eine Methylgruppe abgespalten, was die FKBP5-Aktivität wiederum deutlich erhöhe, heißt es.

Traumata machen anfälliger für Depressionen
In Blutproben von Überlebenden der Katastrophe vom 11. September fanden Florian Holsboer und sein Team vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie 25 Gene, die methyliert worden waren - eine chemische Veränderung der DNA, die die Aktivität eines Gens beeinflusst. Darunter war ein alter Bekannter: das Gen FKBP5. Bei den Traumaopfern war es inaktiv. Betroffene können den Cortisol-Spiegel nicht mehr steuern und damit nicht mehr angemessen auf Stress reagieren.

Um wirksame Therapien gegen psychische Krankheiten zu entwickeln, müsse in Zukunft im Rahmen der Epigenetik noch intensiver erforscht werden, wie Umwelteinflüsse die Erbsubstanz eines Menschen verändern, forderte Holsboer. Klar sei, dass Informationen von außen die Art beeinflussen, wie das Erbgut benutzt wird: Die Methylgruppen würden wie Signalflaggen auf den DNA-Strängen angebracht und legten somit fest, wie häufig ein Gen abgelesen wird. "Das Verständnis dieser epigenetischen Kodierung wird zum zukünftigen Schlüssel neuer Behandlungsstrategien", sagte Holsboer.

Mediathek
VideoTraumafolgen
Stress in der Kindheit kann die Methylierung des Stress-Gens FKBP5 verändern (Beitrag vom 25. April 2013)
Glossar
Trauma - ewiger Horror
Die Betroffenen eines psychischen Traumas haben das Bild des schrecklichen Erlebnisses vor Augen und können es nicht wegschieben.