Blutabnahme © dpa
Das Blut verrät viel über eine Krebserkrankung - aber noch muss viel geforscht werden.
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Liquid Biopsy
Tumor-Spuren im Blut suchen
Krebstests aus Blutproben - im Kampf gegen Krebserkrankungen setzen Forscher und Mediziner seit einigen Jahren ihre Hoffnung in die "Liquid Biopsy".
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Aufs Ganze gehen - Hamburger Forscher spüren vollständige Krebszellen im Blut auf
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Was ist Liquid Biopsy? Der Pathologe Florian Haller im Interview
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Dabei sollen aus einer Blutprobe Informationen über Tumorerkrankungen gewonnen werden. Die Verfahren stehen noch am Anfang. In einigen Fällen werden sie aber bereits bei der Überwachung von Krebspatienten angewandt. Ein Überblick:

Was ist Liquid Biopsy?
Gemeint ist eine nicht operative Biopsie anhand einer Blutprobe. Bei Krebspatienten zirkulieren im Blut Erbmaterial aus abgestorbenen Krebszellen oder auch ganze Tumorzellen, die sich von der Geschwulst abgelöst haben. Jeder Tumor hat sein charakteristisches Muster an Erbgutveränderungen. Die DNA der Tumorzellen wird aus der Blutprobe isoliert und dann gezielt auf solche Mutationen untersucht. Mit Hilfe der neuen Verfahren wollen Experten bei Patienten die Erkrankung untersuchen, überwachen und die bestmögliche Therapie auswählen.

Was kann die Untersuchung leisten?
Nach einer Therapie könnte mit der Liquid Biopsy geprüft werden, ob noch Tumorreste im Körper sind und ob weiter behandelt werden sollte. Auch Rückschlüsse auf die Prognose sind so möglich. "In vielen Fällen gelingt es bereits, bei Krebspatienten nach der Behandlung anhand des Nachweises von DNA im Blut zu verfolgen, ob der Tumor wiederkehrt", sagt Peter Lichter vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Wird ein Rückfall sehr frühzeitig erkannt, kann entsprechend mit Medikamenten darauf reagiert werden. Ähnliches gilt für die Bildung von Metastasen.

Bei Patienten mit fortgeschrittener Krebserkrankung kann eine flüssigbiopsie mögliche Resistenzen nachweisen. Denn während der Therapie verändern sich Krebszellen, so dass sie auf bestimmte Medikamente nicht mehr ansprechen.

In Zukunft soll das Verfahren auch in der Krebsfrüherkennung angewandt werden, Mediziner könnten so schnell Screenings bei einer großen Menge an Patienten durchführen. Dafür ist Liquid Biopsy derzeit aber noch zu ungenau - und zu teuer.

Welche Vorteile gibt es gegenüber herkömmlichen Biopsien?
Um eine Krebserkrankung zielgerichtet zu behandeln, muss zunächst eine Gewebeprobe des Tumors analysiert werden. Für viele Patienten ist eine Gewebeentnahme belastend, mit Risiken verbunden oder manchmal schlichtweg nicht möglich. Für die Liquid Biopsy sind nur wenige Milliliter Blut nötig und die Blutentnahme kann mehrmals hintereinander erfolgen.

Wird das Verfahren die Gewebeprobe ersetzen?
Vorläufig nicht, denn noch gilt die konventionelle Biopsie als "Goldstandard". Der Bundesverband Deutscher Pathologen sieht Liquid Biopsy als eine "wichtige und interessante zusätzliche Untersuchungsmethode", die die klassische Gewebeuntersuchung ergänzt.

Wo wird Liquid Biopsy bereits angewendet?
Die allermeisten dieser Tests sind noch im Forschungsstadium. Krebspatienten erhalten sie fast ausschließlich in Studien. Es gibt aber bereits erfolgversprechende Untersuchungen an Lungenkrebspatienten, deren Tumoren bestimmte Mutationen aufweisen. Dabei zeigte sich, dass Liquid Biopsy sensibel genug ist, um Tumorveränderungen und auch Resistenzen "in Echtzeit" nachzuweisen.

Das Universitätsklinikum Bochum setzte 2015 als erstes deutsches Kompetenzzentrum einen blutbasierten Test bei Darmkrebspatienten ein. Der Test zeigt den Mutationsstatus des RAS-Gens an, das eine zentrale Rolle bei der Kontrolle des Krebszellenwachstums spielt.

Aktuelle Studie - Liquid Biopsy auch zur Früherkennung?
Forscher der US-amerikanischen "Johns Hopkins University" in Baltimore wollen die Methode auch zur Krebsdiagnose anwenden. In einer Studie mit mehr als 1000 Patienten konnten sie in 70 Prozent der Fälle den Krebs korrekt diagnostizieren. Die Wissenschaftler suchten im Blut sowohl nach Tumor-DNA als auch nach Proteinen.

Bei Eierstock- und Leberkrebs funktionierte die Methode sehr zuverlässig: Diese Krebsformen wurden in 98 Prozent der Fälle entdeckt. Bei Brustkrebs konnten die Forscher aber nur jede 3. Krebspatientin erkennen. In weniger als 1 Prozent der Fälle wurden Patienten falsch positiv getestet. Der Grund: Für Krebs typische Proteine können auch bei Entzündungen auftreten, etwa bei Arthritis. Die Forscher untersuchten 8 verschiedene Krebsarten, insgesamt gibt es mehr als 300 Formen der Tumorerkrankung.

Literatur