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künstliches Ohr misst Lärm Video
Jeder empfindet anders: Was für die einen Musik ist, ist für andere schon Lärm
Lärm
Hörschäden sind ab 85 Dezibel möglich
Mit Abstand am meisten Krach mache in Deutschland der Straßenverkehr. Vor allem die Lastwagen seien laut, sagt Lärmforscher Michael Jäcker-Cüppers.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes hat jeder sechste Deutsche durch Verkehrslärm ein leicht erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Schwerhörigkeit gilt als häufigste Berufskrankheit. Der Lärm eines Presslufthammers kann 105 Dezibel, Discothekenmusik 110 Dezibel erreichen. Durch die verstärkte Lärmbekämpfung ging der Anteil der Lärmgeplagten in Deutschland in den 1990er Jahren allerdings deutlich zurück.

Das Ticken eines Weckers oder Brummen eines Kühlschranks kann mit 30 Dezibel bereits zu Schlafstörungen führen. In der Nähe einer Autobahn treten 80 Dezibel auf. Hörschäden durch Lärm können ab 85 Dezibel auftreten. Ab 115 Dezibel wird Lärm als schmerzhaft empfunden, bei 120 Dezibel können bereits nach kurzer Einwirkung Hörschäden auftreten.

800.000 Deutsche sind vom Fluglärm betroffen
Straßen- und Schienenverkehr sind Berechnungen zufolge die größten Lärmverursacher in Deutschland, gefolgt vom Flugverkehr. Mindestens 10 Millionen Menschen leben in der Nähe von Straßen, deren Lärm Experten als starke Belästigung einstufen, wie aus Daten des Umweltbundesamtes (Uba) hervorgeht. Von zu lautem Schienenverkehr sind demnach mindestens 6 Millionen Menschen betroffen und von Fluglärm rund 800.000 Menschen. Krank machendem Lärm sind insgesamt etwa 4,8 Millionen Menschen ausgesetzt. Das Uba hat Daten aus Lärmkarten zusammengetragen, die für sehr stark befahrene Straßen, Haupteisenbahnstrecken, Großflughäfen und Ballungsräume erstellt werden müssen.

Straßenlärm fällt vielen Menschen zur Last
Beim Thema Straßenverkehrslärm sähe Jäcker-Cüppers gern auch die Kommunen in der Pflicht. "Es müsste eine Vorgabe von Grenzwerten geben, die nicht überschritten werden dürfen." Außerdem fordert er lärmarme Straßendecken sowie leisere Autos und Reifen.

Manch ein Lärm lässt sich eindämmen, anderem sind die Menschen schutzlos ausgeliefert. Gegen Autolärm helfen Schallschutzwände, aber auch nur bedingt. "Sehr nah an der Mauer ist der Effekt am größten, da hört man am wenigsten", sagt Lärmforscher und Akustiker Michael Stütz von der Technischen Uni Berlin. Und: "Je höher die Wand ist, desto besser." Ohrstöpsel mögen gegen einen schnarchenden Partner oder Straßenlärm helfen, bei Fluglärm sieht es da schon schwieriger aus.

Viel Ärger macht auch Nachbarschaftslärm. Ballspiele im Stockwerk obendrüber können mitten in der Nacht ebenso Aggressionen auslösen wie ein dauerstreitendes Paar nebenan. Wenn sich die Nachbarn ohnehin nicht riechen könnten, werde es besonders schwierig, sagt Jäcker-Cüppers.

An Lärm kann man sich keinesfalls gewöhnen
Wer viel zu Hause ist und direkt an einer Bahnstrecke oder einer Hauptverkehrsstraße wohnt, hat vielleicht das Gefühl, sich nach und nach an den Lärm gewöhnt zu haben. Manch einer sagt, er sei nachts wach geworden, weil der Zug ausgefallen sei. Das hält Jäcker-Cüppers für einen Irrglauben. Untersuchungen zeigten, dass die belästigende, schädigende und störende Wirkung von Lärm mit der Zeit eher zunehme. "Es gibt keine Gewöhnung an den Lärm - der Körper reagiert auch dann noch mit Stresshormonen, wenn man zehn Jahre in einer bestimmten Situation gewohnt hat."

Bei mittleren Pegeln sei das Lärmempfinden der Menschen sehr unterschiedlich, sagt Detlef Krahé, Lärmforscher an der Uni Wuppertal. Empfinde jemand das Verhalten eines anderen als rücksichtslos, komme es eher zu Stressreaktionen - der Lärm erscheine dann noch lauter. Den besten Lärmschutz gebe es oft in Betrieben. Dort werde meist streng darauf geachtet, dass die Lärmbelastung nicht zu hoch sei. "In dem Bereich schaut ja auch der Gesetzgeber genau hin, das verpflichtet dann zu Maßnahmen."

Info
Die Deutsche Gesellschaft für Akustik organisiert seit 1996 an jährlich wechselnden Terminen im April die deutsche Variante des "International Noise Awareness Day". Unter dem Motto "So geht leise!" wollen am Tag gegen Lärm am 27. April 2016 mehr als 100 Veranstalter bundesweit für mehr Ruhe werben.
"Bei dem Aktionstag geht es um Lärm, seine Wirkung und darum, wie man sich schützen kann", sagte Evelin Baumer von der Deutschen Gesellschaft für Akustik (Dega). Laut Baumer bieten etwa Schulen Workshops an, Hörgeräteakustiker laden zu kostenlosen Hörtests ein und Berufsgenossenschaften, etwa in der Bauwirtschaft, schulen Auszubildende zum Thema Lärmschutz. Eine Übersicht über die Aktionen gibt es auf den Internetseiten der Dega.
Interaktiv
Lärm im Alltag
In der Nähe einer Autobahn treten 80 Dezibel auf. Ab 115 Dezibel wird Lärm als schmerzhaft empfunden, bei 120 Dezibel können bereits nach kurzer Einwirkung Hörschäden auftreten.
Lärmstudie
Laut, lauter, Hannover
Hannover ist die lauteste Stadt Deutschlands, gefolgt von Frankfurt am Main. In Hannover ist es auf 70 Prozent der Fläche im Tagesdurchschnitt lauter als 55 Dezibel.
Glossar
Dezibel - Schall(druck)
Die Lautstärke wird in der Akustik mit der Maßeinheit Dezibel gemessen. Bis 20 Dezibel kann der Mensch ungestört schlafen.
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