Eizelle © dpa
Seit 1978 können Ärzte Eizellen auch außerhalb des Körpers befruchten
Künstliche Befruchtung
Verschiedene Verfahren sind möglich
Mediziner können durch mehrere Verfahren Paaren helfen, die keine Kinder bekommen können. Eines von sechs Paaren weltweit ist betroffen.
Künstliche Insemination
Bei der künstlichen Insemination wird das aufbereitete Sperma des Mannes zu einem passenden Zeitpunkt direkt in Gebärmutter oder Eileiter der Frau gespritzt, um den Weg zur Eizelle zu verkürzen. Meist werden dafür besonders bewegliche Spermien gewählt. Die Insemination kommt unter anderem bei eingeschränkter Beweglichkeit der Spermien in Frage. Über die Zahl der so gezeugten Kinder gibt es nach Expertenangaben keine genauen Daten.

In-vitro-Fertilisation
Seit der Geburt des weltweit ersten Retortenbabys Louise Brown 1978 können Ärzte Eizellen auch außerhalb des Körpers befruchten. Diese in-vitro-Fertilisation (IVF) benutzen Mediziner bei bestimmten Fruchtbarkeitsproblemen der Frau wie einem Eileiterverschluss. Hierfür wird zunächst mit Hormonpräparaten die Eizellreifung stimuliert. Die gereiften Eizellen werden anschließend abgesaugt, im Labor in einer Petrischale von den Samenzellen des Mannes befruchtet und der entstehende Embryo in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt. In einem alternativen Verfahren (In-vitro-Maturation; IVM) werden die Eizellen unreif entnommen und reifen im Labor, wodurch der Frau die Hormonbehandlung weitgehend erspart bleibt.

Intra-Cytoplasmatische Sperma-Injektion
Die neuere Intra-Cytoplasmatische Sperma-Injektion (ICSI) kommt bei Fruchtbarkeitsproblemen des Mannes zum Einsatz. Der Ablauf ist zunächst derselbe wie bei der IVF, zur Befruchtung wird jedoch eine Samenzelle unter einem Mikroskop direkt in die Eizelle gespritzt.

Am stärksten verbereitet sind künstliche Befruchtungen in Europa. Dort werden nach jüngsten Zahlen von 2007 rund 71 Prozent aller registrierten künstlichen Befruchtungen durchgeführt - vor allem in Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien. Die meisten künstlichen Befruchtungen gibt es nach ESHRE-Erkenntnissen bei Frauen im Alter zwischen 30 und 39 Jahren.

Bezogen auf die Gesamtzahl aller Frauen sind die Methoden der künstlichen Befruchtung vor allem in den skandinavischen Staaten stark verbreitet. Allein in Dänemark kommen auf eine Million Frauen 14.057 künstliche Befruchtungen, gefolgt von Belgien mit 12.230, Finnland mit 11.169 und Island mit 11.083. Europaweit kamen 2007 auf eine Million Frauen 886 künstliche Befruchtungen.

Stress und Rauchen können unfruchtbar machen
Jede elfte Frau weltweit erlebt im Alter zwischen 20 und 44 Jahren eine Phase der Unfruchtbarkeit von mindestens einem Jahr. Das schätzt die Europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ESHRE). Bei ungewollt kinderlosen Paaren sind in 20 bis 30 Prozent der Fälle physiologische Probleme des Mannes die Ursache, bei 20 bis 35 Prozent physiologische Probleme der Frau. Bei 25 bis 40 Prozent der Paare gebe es eine gemeinsame Ursache, in vielen Fällen würden Ärzte keinen Grund für die Kinderlosigkeit gefunden. Gründe für die Unfruchtbarkeit haben oft mit dem Lebensstil zu tun, etwa mit starkem Rauchen, Übergewicht, Stress und fortgeschrittenem Alter.