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Grafik Video
Bislang existieren von "Iter" nur Grafiken - 2020 soll der Reaktor fertig sein
Fusionsreaktor Iter
Hoffnung auf Energie oder Milliardengrab
Der umstrittene Kernfusionsreaktor Iter soll 2020 in Betrieb gehen und dann mittels Kernfusion Energie erzeugen. Die Kosten werden auf 16 Milliarden Euro geschätzt.
Iter selbst kalkuliert mit 13 Milliarden. Kritiker sehen in dem Projekt ein Milliardengrab. Bereits 2010 wurde vereinbart, den europäischen Anteil bei 6,6 Milliarden Euro zu deckeln. 20 Prozent davon kommen über den EU-Beitrag von Deutschland.

Der Forschungsreaktor Iter (International Thermonuclear Experimental Reactor) im südfranzösischen Cadarache bei Aix-en-Provence soll den Beweis liefern, dass mit der Fusion schwerer Wasserstoff-Isotope wie im Feuer der Sonne industriell Energie gewonnen werden kann. Sind die Ergebnisse schlüssig, könnte die Kernfusion auf lange Sicht der Verbrennung fossiler Brennstoffe und auch der umstrittenen Kernspaltung Konkurrenz machen.

Verschmelzen unter kontrollierten Bedingungen
Bei der kontrollierten Kernfusion werden ähnlich wie bei der Energiegewinnung in der Sonne Atomkerne miteinander verschmolzen: Bei Temperaturen von 200 Millionen Grad verbinden sich Deuterium (schwerer Wasserstoff) mit radioaktivem Tritium (überschwerer Wasserstoff). Dabei entstehen das Edelgas Helium und Energie in Form von Wärmestrahlung. Die bei der Fusion entstehenden Neutronen verstrahlen das Wandmaterial des Reaktors, ansonsten fällt aber kein Atommüll an. Wird der Prozess eines Tages beherrscht, könnte aus einem Liter Meerwasser so viel Energie wie aus einem Liter Öl oder einem Kilogramm Kohle gewonnen werden.

Um das Fusionsfeuer zu zünden, muss der Brennstoff, ein extrem dünnes Plasma aus den Wasserstoffsorten Deuterium und Tritium, wärmeisoliert, in Magnetfeldern eingeschlossen und auf Temperaturen von 100 Millionen Grad erhitzt werden. In der Reaktorwand entsteht aus dem gängigen Element Lithium das notwendige und seltene Tritium.

Der Fusionsreaktor ist mit 30 Meter Höhe und einem Radius von 15 Metern geplant. Das Herzstück bildet eine ringförmige Vakuum-Röhre, in die je Zündvorgang 73 Megawatt eingespeist werden, um im Idealfall 500 Megawatt herauszuholen.

Kalte Kernfusion trotzt dem kaltem Krieg
Das Iter-Projekt wurde 1985 durch den damaligen sowjetischen KPdSU-Chef Michail Gorbatschow, den französischen Präsidenten François Mitterrand und US-Präsident Ronald Reagan eingeleitet. Der Konflikt mit Russland wegen der Ukraine-Krise konnte der Zusammenarbeit beim Forschungsreaktor Iter nichts anhaben - neben Moskau und Washington sind die EU-Staaten sowie China, Indien, Japan und Südkorea dabei.

1990 legte eine internationale Studiengruppe mit europäischer, japanischer, russischer und amerikanischer Beteiligung einen ersten Entwurf vor. 1992 begann eine sechsjährige detaillierte Planungsphase mit einem Team von 210 Mitarbetern. Eines der drei Fusionszentren wurde am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching bei München angesiedelt. 1998 wurde der Entwurf des Testreaktors fertiggestellt. 2013 wurde das Kontrollzentrum in Betrieb genommen.

Glossar
Kernfusion
Für die Kernfusion in einem Kraftwerk wird das leichteste chemische Element, Wasserstoff, zu Helium verschmolzen.
Mediathek
VideoKernfusion wird teurer
Akute Geldsorgen gefährden den Bau des Kernfusionsprojekts "Iter" in Südfrankreich. Der Reaktor wird wohl erst 2019 fertiggestellt. (Beitrag vom 8. Juli 2010)
Mediathek
VideoDie Sonne auf Erden
Der "Internationale Thermonukleare Experimentelle Reaktor" (Iter) soll Strom aus Kernfusion gewinnen. (Beitrag vom 27. August 2010)
Energie aus dem Fusionsreaktor
Eiskalt fusioniert
Ein "Durchbruch" stehe bevor, hat der US-Konzern "Lockheed Martin" gemeldet, bald könne man einen Fusionsreaktor bauen. Physiker sind skeptisch.