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Die Themen der Sendung
18. Dezember 2014
Beratung Video
In Deutschland fehlen Fachkräfte - aber nur in ausgesuchten Berufsbildern
Fachkräftemangel
120.000 Naturwissenschaftler und Techniker fehlen
In Deutschland fehlen 120.000 Fachkräfte aus dem Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ("Mint").
Im Februar 2011 stieg die Fachkräfte-Lücke um 21.000 auf mehr als 117.000 Akademiker. "In diesen Qualifikationen gibt es deutlich mehr offene Stellen als Personal", sagt der Arbeitsmarktforscher Oliver Koppel vom Institut der Deutschen Wirtschaft. "Die Fachkräfte-Engpässe, die wir im Moment beobachten, konzentrieren sich auf das Segment der tertiären Qualifikationen: Akademiker, Meister und Techniker." Dennoch gebe es in Deutschland keinen qualifikationsübergreifenden Fachkräftemangel: "Fachkraft ist jeder, der eine Berufsausbildung hat", erläutert Koppel. Biologen und Chemiker gebe es genug, aber Ingenieure, Maschinen- und Fahrzeugbauer sowie Informatiker zu wenig.

"Die Unternehmen in Deutschland melden jede siebte ihrer offenen Stellen der Bundesagentur für Arbeit", erläutert Koppel. So sei zu erklären, warum die Bundesagentur für Arbeit einen ausgeprägten "Fachkräftemangel" bestreitet: Auf 6368 arbeitssuchende Ingenieure kommen 3618 freie Stellen.

Fachkräftemangel herrscht nach Definition der Bundesagentur für Arbeit dann, wenn Stellen länger als im Durchschnitt unbesetzt bleiben und es weniger als 150 Arbeitslose pro 100 Jobangebote gibt - oder wenn es dort weniger Arbeitslose als gemeldete Stellen gibt. Auf 100 gemeldete Ingenieurs-Arbeitsstellen kamen im Maschinen- und Fahrzeugbau zuletzt 143 Arbeitslose, in der Elektrotechnik 155. Bei den Ärzten kamen 100 Stellenangebote auf 86 Arbeitslose. Noch schlechter sieht es bei examinierten Fachkräften für Altenpflege aus: Hier kommen auf 100 Stellen 45 Arbeitslose.

52.000 Mint-Hochschulabsolventen benötigt
Der Bedarf der Unternehmen an Akademikern dieser Fachrichtungen werde in den kommenden Jahren weiter zunehmen, meint Hans-Peter Klös vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). So würden allein für den Ersatz der aus Altersgründen ausscheidenden Fachkräfte jährlich 52.000 Hochschulabsolventen aus Mint-Fächern benötigt. Zudem sei die Zahl der erwerbstätigen Akademiker aus diesem Bereich in den vergangenen zehn Jahren jährlich um 62.000 gestiegen. Auch der Wirtschaftsboom verstärkt laut Politikern und Arbeitgebervertretern den Fachkräftemangel.

Die Hauptgeschäftsführerin des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Gabriele Sons, warnte in diesem Zusammenhang vor den Folgen eines anhaltenden Fachkräftemangels. "Wenn freie Stellen für Ingenieure und Mint-Fachkräfte nicht besetzt werden können, verspielen wir unsere Zukunftschancen", sagte sie und forderte in einer gemeinsamen Initiative mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und dem Bundesverband der Deutschen Industrie, naturwissenschaftlich-technische Fächer zu stärken.

Es müsse gelingen, Schüler früher für Mint-Fächer zu begeistern und mehr Hochschulabsolventen zu erzielen. Darüber hinaus müsse man mehr Frauen für diese Berufe gewinnen und das Potenzial ausländischer Fachkräfte mittels unbürokratischer Regelungen im Ausländer- und Zuwanderungsrecht besser nutzen.

Fachkräftemangel
Selbst ausbilden statt auf die Unis warten
Statt auf Fachkräfte zu warten bildet die Firma "Berliner Glas" lieber ihre Mitarbeiter fort - und nimmt auch weniger qualifizierte Bewerber an.