Strukturformel von THC © colourbox
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Tetrahydrocannabol ist der Inhaltsstoff aus dem Hanf, der als Droge wirkt.
Cannabis sativa
Hanf ist vor allem für seinen Inhaltsstoff bekannt
Cannabis sativa gehört zur Gattung der Hanfgewächse. Botaniker unterscheiden zwischen gewöhnlichem Hanf (C. sativa) und dem indischen (C. sativa var. indica).
Das Rauschmittel wird vor allem in Indien, im Iran und Afghanistan angebaut. Die Drüsen der Blätter und Zweigspitzen der weiblichen Pflanzen liefern ein Harz, das Haschisch. Die harzverklebten getrockneten Pflanzenteile ergeben das Marihuana. Die ältesten Angaben über den Anbau von Cannabis aus dem 3. Jahrtausend vor Christus stammen aus China.

Als wichtigster Wirkstoff gilt Tetrahydrocannabinol (THC). Besonders stark konzentriert ist er im Harz der Blüte, das als Haschisch konsumiert wird. Das Harz besteht aus 400 Substanzen, von denen mehr als 80 auf die Psyche wirken. Marihuana ist eine Mischung aus getrockneten Blättern, Blüten und Zweigen. Marihuana wird meist mit Tabak vermischt geraucht.

Je nach Umgebung und körperlicher Verfassung des Konsumenten treten unterschiedliche Rauscherlebnisse auf. Cannabis beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit. Die Droge kann zu Halluzinationen, Kältegefühl und Gliederschwere führen, in höheren Dosen aber auch zu Desorientierung, Angstgefühlen und starken Stimmungsschwankungen. Cannabis macht nach derzeitigen Kenntnissen nicht körperlich abhängig, gilt aber als Einstiegsdroge.

Geldstrafe oder bis fünf Jahre Haft in Deutschland
Cannabis-Produkte gehören nach deutschem Recht zu den illegalen Suchtmitteln. Besitz, Anbau und Handel damit sind verboten. Das Betäubungsmittelgesetz (Paragraf 29) sieht Geldstrafen oder bis zu fünf Jahre Haft vor. Beim Umgang mit einer "nicht geringen Menge" - bei Haschisch und Marihuana 7,5 Gramm Tetrahydrocannabinol (THC), also 500 Konsumeinheiten à 15 Milligramm THC - liegt die Höchststrafe bei 15 Jahren Haft.

Für "Gelegenheitskiffer" gibt es laut Gesetz die Untergrenze der "geringen Menge" zum Eigenverbrauch. Bei wenigen Konsumeinheiten Haschisch kann die Staatsanwaltschaft von einer Strafverfolgung absehen. Dies ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. So gelten in den meisten Ländern sechs Gramm als geringe Menge, in Berlin können es bis zu 15 Gramm sein, einige Länder haben keine Grenzwerte festgelegt. Von diesen Richtwerten können Staatsanwälte und Richter aber im Einzelfall abweichen.

In Österreich ist der Besitz verboten; es droht eine Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten. Der Konsum ist nicht verboten, wird aber häufig bestraft, weil er mit Besitz einhergeht.

In der Schweiz setzt es für Erwachsene für den Besitz einer geringen Menge Cannabis eine Buße von 100 Schweizer Franken; als gering gelten zehn Gramm. Bei Jugendlichen werden die Eltern und die Jugendanwaltschaft benachrichtigt. Bei größeren Mengen greift das Strafverfahren, das bis zu drei Jahren Haftstrafe vorsieht.

Cannabis gibt es auch als ein einziges Medikament
Das einzige in Deutschland zugelassene Medikament auf Cannabis-Basis ist - seit 2011 - Sativex. Darüber hinaus dürfen schwer kranke Menschen nur unter engen Voraussetzungen ausnahmsweise getrocknete Blüten oder auch Extrakte aus Blüten und Blättern über die Apotheken beziehen. Dafür brauchen sie eine Genehmigung des Bonner Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

Bundesweit besitzen nur 272 Patienten eine solche Kauf-und-Konsum-Erlaubnis. Eine Genehmigung, die illegale Droge Cannabis selbst Zuhause zur medizinischen Therapie anzubauen, hat das BfArM nach eigenen Angaben noch nie erteilt.

Den Hauptwirkstoffen Delta-9-TCH (auch THC oder Dronabinol) und Cannabidiol wird eine krampflösende und schmerzlindernde Wirkung zugeschrieben. Bei Sativex erstatten Krankenkassen in bestimmten Fällen die Behandlungskosten. Bei Blüten und Extrakten aus Apotheken müssen sie sich nicht an den Kosten beteiligen.

Cannabis wird unter anderem zur Behandlung von chronischen Schmerzen, Nervenschmerzen, bei grünem Star (Glaukom) zur Reduzierung des Augeninnendrucks, bei ADHS und dem Tourette-Syndrom eingesetzt. Verwendet wird Hanf auch gegen Übelkeit und zur Appetitsteigerung bei Krebs- und Aidspatienten, bei Rheuma sowie bei spastischen Schmerzen bei Multipler Sklerose.

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