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Jeder Internetnutzer bewegt sich in einer Welt aus endlos vielen Informationen.
Datenspuren
Daten sind zur "Währung" im Internet geworden
Noch nie gab es im Internet so viele Daten. Von jedem einzelnen von uns - und die lassen sich auswerten.
Wir alle hinterlassen ständig Datenspuren im Netz. Über Emails, Fotos, wenn wir googeln oder Apps nutzen. Weltweit erzeugen wir täglich 2,5 Trillionen Bytes an Daten. Auf Blu-Ray-Disk gespeichert und gestapelt, wäre dieser Datenturm mehr als vier Mal so hoch wie der Eiffelturm - jeden Tag. Und sie lassen sich auswerten - mit "Big Data".Mit Algorithmen lassen sich diese Daten aus den unterschiedlichsten Quellen durchscannen, auf der Suche nach Mustern, die etwas über uns preisgeben. Und zwar immer wieder neu.

Das Netz ist voll von persönlichen Informationen
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Jeder hinterlässt Spuren.
In der weitgehend kostenlosen Internet-Welt sind Daten zu einer Art Währung geworden. Sie werden für die Online-Werbung analysiert, um die Zielgruppe genauer erreichen zu können. Im US-Wahlkampf wurden Daten aus Sozialen Netzwerken ausgewertet, um unschlüssige Wähler ausfindig zu machen. Bei der Wirtschaftsauskunftei Schufa gab es die Überlegung, ob Facebook-Daten für die Bewertung der Bonität von Kreditkunden genutzt werden könnten.

Was passiert mit unseren Daten im Netz?
Via Smartphone oder Webbrowser kann ein konstanter Datenstrom über unser Leben oder unser Nutzungsverhalten an Dritte weitergegeben werden. Dazu gehören rein technische Informationen wie die IP-Adressen der verwendeten Rechner, Standortdaten oder ob ein iPhone oder ein Android-Gerät benutzt wird. Hinzu kommen persönliche Informationen - etwa über Social Media. So lässt sich etwa anhand einiger Facebook-Likes mit hoher Zuverlässigkeit auf Eigenschaften wie Alter, sexuelle Orientierung, ethnische Zugehörigkeit, politische Einstellung, Beziehungsstatus oder Alkoholkonsum schließen. Mitunter sind diese Informationen - je nach Privateinstellungen - für viele einsehbar.

Geschäftsmodell Daten zusammenstellen
Der Skandal um Cambridge Analytica und Facebook rückt ins Licht, wie potenzielle Wähler durch eine geschickte Auswertung und Verknüpfung ihrer persönlichen Daten mit passgenauen Botschaften versorgt werden können. So soll Cambridge Analytica nicht nur die Brexit-Entscheidung beeinflusst, sondern auch Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 verholfen haben. Die britische Datenanalyse-Firma war illegal an einige Informationen von bis zu 50 Millionen Facebook-User gekommen - ohne das Wissen der Nutzer. Die Affäre rückt ein Geschäftsmodell in den Blickpunkt, Daten zusammenzuführen und mit Hilfe von Algorithmen Profile zu erstellen. Dieses Vorgehen ist vor allem im Konsumbereich längst nicht mehr ungewöhnlich."Dass was Cambridge Analytica offensichtlich gemacht hat - oder machen wollte, ist durchaus vergleichbar mit dem, was jeden Tag immer stärker im Wirtschaftsbereich passiert, wenn es um Werbung, Kreditwürdigkeit oder um die individuelle Preisgestaltung geht", sagt der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar.

Neue Datenschutzgrundverordnung tritt Ende Mai 2018 in Kraft
Auf Basis solcher Informationen wird dann oftmals personalisierte Werbung angeboten. Manche Nutzer sind diesen Werbestrategien ahnungslos ausgeliefert. Ihnen ist gar nicht bewusst, dass sie maßgeschneiderte Botschaften erhalten, geschweige denn auf Basis welcher Informationen diese erstellt wurden. "Intransparenz ist das A & O jeder erfolgreichen Manipulation", sagt Schaar. "Das Problem geht weit über den Datenschutz hinaus." Es gehe um eine heimliche Steuerung unserer Bedürfnisse, unseres Handelns oder unseres Wahlverhaltens.Hoffnung setzen die Experten auf die E-Privacy-Verordnung, die derzeit verhandelt wird, sowie auf die Datenschutzgrundverordnung, die Ende Mai in Kraft treten wird. "Der Vorteil ist, dass die Datenschutzgrundverordnung europaweit gilt und sich auch nichteuropäische Unternehmen daran halten müssen. Das heißt Facebook, Google, Amazon und Co. können nicht mehr einfach so weitermachen wie bisher", sagt Lina Ehrig vom Bundesverband Verbraucherzentrale. Außerdem gelte künftig ein Kopplungsverbot. So dürfe man dann einen Dienst auch nutzen, wenn man nicht der Datenverarbeitung zustimmt.

Mediathek
VideoIm Gespräch: Markus Beckedahl
Über den Umgang mit "Big Data" sprachen wir am 21. März 2018 mit Markus Beckedahl, dem Chefredakteur von Netzpolitik.org.
Link
Datenschutz-Grundverordnung
Ab dem 25. Mai 2018 gilt EU-weit eine verbindliche Datenschutz-Grundverordnung, die imAmtsblatt der Europäischen Union am 27. April 2016 veröffentlicht wurde.
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