Aufgewühlte Erde
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Die Aktivitäten des Menschen haben das Gesicht des Planeten stark geprägt.
Anthropozän
Das Zeitalter der Menschheit hat begonnen
Der Mensch hat die Umwelt so beeinflusst, dass er Erdgeschichte schreibt. Das meinen Forscher und haben darum die Epoche des Anthropozäns ausgerufen.
Das aktuelle Erdzeitalter, das Holozän, ist mit 11.700 Jahren im Vergleich zu anderen Epochen der Erdgeschichte vergleichsweise jung. Ob es abgelöst werden kann, hängt auch an geologischen Regeln. Geklärt sein muss dafür etwa, wann das Anthropozän begann.

Nach dem Schema der Internationalen Kommission für Stratigraphie (ICS), einer Unterorganisation der Internationalen Union für Geowissenschaften, braucht jede Epoche zudem einen Referenzpunkt in der Natur, der möglichst dauerhaft nachweisbar sein soll. Dieser müsste für das Anthropozän noch festgelegt werden. Es kann aber auch so ausgehen, dass der Begriff ein informeller bleibt.

Zur Debatte standen der Beginn der Industrialisierung um 1800, als großflächig Wälder zugunsten der Landwirtschaft abgeholzt wurden, oder die Entdeckung Amerikas, weil sich Arten dann erstmals zwischen Kontinenten ausbreiteten.

Forscher sprechen sich für eine Grenze zwischen Holo- und Anthropozän zwischen 1945 und 1964 aus. Schnelle, globale und massive menschliche Eingriffe hätten in jener Zeit begonnen. Geologisch nachweisbar ist etwa der radioaktive Fallout nach dem ersten Atombombentest im US-Staat New Mexiko.

Ein Nobelpreisträger stieß die Diskussion an
In der Fachwelt brodelt die Debatte schon länger. Den Anstoß gab der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen 2000. Er sagte damals, er halte den aktuellen erdgeschichtlichen Abschnitt eigentlich für beendet. Jene Zeit war von weitgehend verlässlichen Umweltverhältnissen gekennzeichnet.

In Deutschland ist es vor allem der Berliner Geologe Reinhold Leinfelder, der sich für die Verbreitung der Idee bei Laien stark macht. "Wir haben alles zusammengetragen, was es gibt - alle Kriterien, die nun aussagen, dass das Anthropozän unterschiedlich ist vom Holozän", sagt Leinfelder. Die Spuren in den Sedimenten - neue Materialien wie elementares Aluminium, Beton und Kunststoffe - zählen dazu ebenso wie die CO2-Konzentration in der Atmosphäre und das Ausmaß des Artensterbens.

Der Potsdamer Geologe Manfred Menning, bis vor kurzem Vorsitzender der Deutschen Stratigraphischen Kommission, sagt über die mehrmaligen Debatten des Gremiums zu dem Thema: Nach kurzer Diskussion sei man sich stets darin einig gewesen, "dass der Begriff für geologische Arbeiten rein gar nichts bringt, deshalb in der Geologie entbehrlich ist und wir auch keine Epoche oder Kategorie mit dem Namen 'Anthropozän' brauchen." Andere kritisieren, heutige Forscher seien viel zu nah dran, um diese Einteilung vornehmen zu können.

Das Erdzeitalter des Menschen
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