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Viele Kinder im Jemen leiden Hunger.
"Zero Hunger" nicht in Sicht
Trotz Fortschritten ist die weltweite Hungersituation "ernst"
Der Kampf gegen den Hunger macht Fortschritte - allerdings droht er in jüngster Zeit zu stagnieren. Das geht aus dem Welthunger-Index 2018 hervor.
Demnach fiel der globale Indexwert, der die Verbreitung des Hungers erfasst, im Vergleich zum Jahr 2000 um 28 Prozent; im Vorjahr waren es 27 Prozent. Die Kindersterblichkeit habe sich seit 2000 sogar halbiert.Trotzdem blieb die Lage, wie im Vorjahr auch, in 51 Ländern "ernst" oder "sehr ernst". In einem weiteren Fall, der Zentralafrikanischen Republik, wurde sie als "gravierend" eingestuft. Die unlängst auf 821 Millionen gestiegene Zahl der Hungernden zeige zudem, dass der Trend aktuell in die falsche Richtung gehe, so die Welthungerhilfe. Bleibe das Tempo gleich, werde es 50 Ländern nicht gelingen, den Hunger bis 2030 zu besiegen, wie dies die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen vorsehen.

Vertreibung und Flucht sind Ursachen für Hunger
Der Bericht 2018 stellt den Zusammenhang zwischen Hunger, Flucht und Vertreibung ins Zentrum der Analyse. Der aktuelle Welthunger-Index (WHI) erfasst 119 Staaten; einige einkommensstarke Länder wie Deutschland blieben außen vor, eine unzureichende Datenlage gab es unter anderem in Krisenregionen wie dem Kongo, Burundi, Südsudan oder Syrien. Diese Staaten fanden daher ebenfalls keine Aufnahme in die Rangliste.

Wie ist die Skala eingeteilt?
Die fünfstufige WHI-Schweregradskala (von 0 bis 100 Punkte) reicht von niedriger Hungersituation bis gravierend. Insgesamt wurde der Index für 119 Länder berechnet. Mehrere Länder konnten mangels Daten nicht erfasst werden. Die vier zugrundeliegenden WHI-Indikatoren sind: Unterernährung, Auszehrung und Wachstumsverzögerungen bei Kindern sowie Kindersterblichkeit.

Angola, Ruanda, Äthiopien und Myanmar bescheinigt der Bericht eine Verbesserung des Index-Wertes um mehr als 45 Prozent. Dagegen gibt es den Angaben zufolge in 16 Ländern mit einer ernsten Ernährungslage keine Verbesserungen oder sogar Rückschritte. Die fünf letzten Plätze des diesjährigen Rankings belegen neben der Zentralafrikanischen Republik mit dem Tschad, Madagaskar und Sambia drei weitere Länder in Afrika. Der vom Krieg gezeichnete Jemen ist der einzige nicht-afrikanische Staat unter den Schlusslichtern.

Die Lage im Jemen ist "sehr ernst"
Besonders besorgniserregend ist die Lage in Südasien (Wert 30,5) und in Afrika südlich der Sahara (29,4). In beiden Regionen gilt die Lage laut WHI als "ernst". Als "unannehmbar hoch" stuft der WHI dort die Werte für Unterernährung und Wachstumsverzögerung ein, wobei starke Wachstumsverzögerung und Auszehrung vor allem für Südasien gelte, hohe Unterernährung und Kindersterblichkeit stärker Afrika südlich der Sahara beträfen. Als "sehr ernst" wird die Lage im Tschad, in Haiti, Madagaskar, Sierra Leone, im Jemen und in Sambia eingestuft.

Besonders schlecht schneiden laut Index Länder ab, in denen Konflikte herrschen. Der WHI legt vier Lösungsansätze vor und bezieht sich dabei auf eine Studie von Laura Hammond von der SOAS University of London. Diese fordert: Statt Hunger fortwährend hauptsächlich als Folge "umweltbedingter und natürlicher Ursachen" zu begreifen, müsse er genau wie Flucht und Vertreibung "in der Regel" als "Ergebnis politischer Prozesse" verstanden werden. Entsprechend müssten Maßnahmen zur Konfliktverhütung und Friedensstiftung unterstützt werden.Statt wie üblich meist ausschließlich mit humanitärer Hilfe auf Hunger und Vertreibung zu reagieren, müsse die internationale Gemeinschaft zudem langfristige Lösungen bieten, da Vertreibung "meist ein lang anhaltender Zustand" sei, der "über Generationen" andauern könne. Darüber hinaus sollten von Hunger bedrohte Vertriebene in ihren Herkunftsregionen unterstützt und ihre Widerstandsfähigkeit gestärkt werden - etwa durch Stärkung lokaler Märkte. Von weltweit rund 68,5 Millionen Flüchtlingen seien rund 40 Millionen Binnenvertriebene.

Info
Welthunger-Index
Den Welthunger-Index ermitteln Experten vom International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington. Seit 2006 wird der Index jährlich vom IFPRI, der Welthungerhilfe mit Sitz in Bonn sowie der irischen Organisation Concern Worldwide veröffentlicht. Die auf Basis von Datenmaterial der Vereinten Nationen erstellte Rangliste soll Auskunft geben über den Anteil an Unterernährten, an Wachstumsverzögerungen und Auszehrung bei Kindern unter fünf Jahren sowie über deren Sterblichkeitsrate.
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