Rauchverbotsschild © dpa
Der Nichtraucherschutz hat sich insgesamt deutlich verbessert.
Der Nichtraucherschutz hat sich insgesamt deutlich verbessert.
Ohne Qualm geht's auch
Erfreulicher Trend zum Nichtrauchen
Bei seiner Einführung war der Nichtraucherschutz in Kneipen umstritten – nicht nur bei Gastwirten. Wie ist die gesundheitliche Bilanz zehn Jahre später?
Profitieren sollten vom Gesetz Nichtraucher. Jetzt steht fest: die Vorschriften tragen dazu bei, dass sich das Bild vom Raucher in der Gesellschaft insgesamt verändert. So zeigen aktuelle Daten eine insgesamt positive Entwicklung beim Nichtraucherverhalten junger Menschen. So ist die Raucherquote bei Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren seit 2001 von 27,5 Prozent auf 7,4 Prozent im Jahr 2016 gesunken. Auch bei den 18- bis 25-Jährigen ist die Zahl der Rauchenden mit 26,1 Prozent im Jahr 2016 deutlich niedriger als in der Vergangenheit. Im Jahr 2008 rauchten noch 43,1 Prozent der jungen Erwachsenen. Damit ist bei den Jugendlichen ein historischer Tiefststand erreicht. Das ist umso erfreulicher, weil laut Deutscher Krebsgesellschaft das Einatmen von Tabakrauch die häufigste Einzelursache für Krebs in den Industrieländern ist. In den letzten 20 Jahren ist der Zigarettenkonsum bei Männern außerdem um etwa fünf Prozent gesunken. Aktuell rauchen damit noch 30 Prozent bundesweit. Kaum Veränderungen zeigen sich bei den Frauen - je nach Alter bleibt der Anteil zwischen 20 und 26 Prozent konstant.

Rauchen ist nicht mehr "normal"
Karin Schaller, beim Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg zuständig für Prävention sieht eine positive Entwicklung: "Die Normalität des Rauchens ist aus dem Blick", sagt Katrin Schaller, beim Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg zuständig für Prävention. "In der Gesellschaft hat sich das Bild vom Raucher auch durch die Gesetze gewandelt", ergänzt sie. "Raucher, das sind jetzt die, die in der Kneipe vor der Tür stehen müssen und am Bahnhof nur in die gelb markierten Kästchen dürfen."

Auswirkungen auf die Krebsraten noch unklar
Rauchen verursacht nicht nur Lungenkrebs, auch viele andere Krebsarten werden dadurch begünstigt wie Krebs der Mundhöhle, des Kehlkopfes, der Speiseröhre, der Bauchspeicheldrüse, der Nieren, der Harnblase, der Gebärmutter, der Brust, des Knochenmarks und des Dickdarms. Nach Schätzungen gehen rund ein Drittel aller Krebserkrankungen auf das Konto von Tabakrauch - bei den Organen, die mit dem Rauch direkt in Verbindung kommen, wie Mundhöhle, Kehlkopf und Lunge sind es bis zu 90 Prozent. Raucher haben gegenüber Nichtrauchern ein doppelt so hohes Risiko, an Krebs zu sterben. Im Vergleich zu Nichtrauchern haben Raucher ein mehr als doppelt so hohes Risiko für eine Herz-Kreislauferkrankung und ein doppelt so hohes Risiko für Schlaganfälle.

Schutz von Passivrauchern
Auch Menschen, die selbst nicht rauchen, aber in ihrem Lebens- und Arbeitsumfeld Tabakrauch ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen. Auf sie zielte das Gesetz Gesetz zum Nichtraucherschutz direkt. Wer - beispielsweise beruflich - starkem Passivrauch ausgesetzt ist, verdoppelt sein Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Wegen der langen Latenzzeit von Tumoren ist es noch zu früh, die konkreten Auswirkungen des Nichtraucherschutzes auf die Krebsraten zu beurteilen. Die Zahl der Herzinfarkte ist in der Zeit allerdings deutlich zurückgegangen.

Umstieg auf kritische E-Zigaretten
Anders als konventionelle Zigaretten sind E-Zigaretten und Co. auch bei jungen Menschen auf dem Vormarsch. Mediziner sehen diesen Trend äußerst skeptisch: Über die gesundheitlichen Folgen der vermeintlich harmlosen Alternative ist nicht viel bekannt. Hinzu kommt: die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist im Rahmen einer Studie der Frage nachgegangen, ob der Konsum von E-Zigaretten den Einstieg ins Rauchen fördert. Das Ergebnis: der Konsum von E-Zigaretten kann Jugendliche durchaus zum Rauchen von Tabakzigaretten anregen.

Info
Gesetzliche Rauchverbote
Vor zehn Jahren, am 1. Juli 2008, machten mit Thüringen und Nordrhein-Westfalen die beiden letzten deutschen Bundesländer ernst mit neuen Gesetzen zum Rauchen in Gaststätten. Seitdem gibt es in den Ländern einen Flickenteppich von Regelungen. Sie reichen vom totalen Rauchverbot wie in Bayern über abgetrennte Raucherräume bis hin zu reinen Raucherkneipen für Gäste ab 18 Jahren wie in Berlin.