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Die digitalen Lieblinge werden immer mehr zur Konkurrenz um die Gunst der Eltern.
Die digitalen Lieblinge werden immer mehr zur Konkurrenz um die Gunst der Eltern.
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Ständiger Blick aufs Handy stört Eltern-Kind-Beziehung
Eine typische Szene auch hierzulande: Die Kleinen spielen , die Großen daddeln. Nur, was heißt das für die Kinder?
Genau das versucht eine aktuelle US-amerikanische Studie zu beantworten. Und die Experten warnen: auf Dauer kann der Mangel an aktivem Miteinander ungünstige Folgen für die Eltern-Kind-Beziehung haben. Eltern, die viel Zeit mit digitalen Medien oder vorm Fernseher verbringen, statt sich mit ihrem Nachwuchs zu beschäftigen, können einer US-amerikanischen Studie zufolge Verhaltensauffälligkeiten bei ihren Kindern fördern.

Missachtete Kinder seien eher frustriert, hyperaktiv, jammerten, schmollten oder reagierten mit Wutanfällen, berichten Forscher im Fachjournal "Pedriatic Research". Ein negativer Kreislauf entstehe, denn viele Eltern reagierten auf auffällige, als anstrengend empfundene Kinder mit noch mehr Medienkonsum. Nach innen gewandte Probleme wie Angst oder Rückzug der Kinder seien nicht ganz so häufig, erläutern Brandon McDaniel von der Illinois State University und Jenny Radesky von der University of Michigan Medical School.

Technoferenzen verhindern persönlichen Kontakt
Das Ergebnis: In fast allen Fällen kam es pro Tag mindestens einmal dazu, dass digitale Geräte den Eltern-Kind-Austausch unterbrachen. Sowohl Mütter wie Väter gaben an, dass mit der Menge dieser Unterbrechungen auch Verhaltenauffälligkeiten der Kinder und elterliche Stressgefühle zunahmen. Gelegenheit gibt es inzwischen viele für solche "Technoferenzen" - so nennen die Forscher es, wenn Smartphone oder Tablet den persönlichen Kontakt von Auge zu Auge stören. Anderen Studien zufolge verbringen zumindest US-Eltern neun Stunden pro Tag vor TV, Computer, Tablet oder Smartphone. "Wir glauben, dass spezifische Aspekte der Digitaltechnologie, inklusive verführerischer Design-Elemente, besonders für solcheEltern anziehend sind, die Schwierigkeiten mit der Selbstregulation haben oder die mit dem familiären Sozialleben unzufrieden sind", schreiben die Forscher. Manche lenkten sich dann durchs Digitale ab, während ihre Kinder immer intensiver nach Aufmerksamkeit heischten. Vor allem beim gemeinsamen Essen, beim Spielen oder beim Zubettbringen des Nachwuchses sei es wichtig, auf die emotionalen Bedürfnisse der Kinder ohne Ablenkungen eingehen zu können.

Mobile Geräte öfter mal abschalten
Dem Tenor der Studie stimmen deutsche Expertinnen zu. "Dass Probleme zwischen Eltern und Kindern größer werden, wenn es weniger persönlichen Kontakt gibt und Probleme nicht ausgehandelt werden, ist nicht verwunderlich und schließt an vorliegende Studien an", betonen Susanne Eggert und Gisela Schubert vom JFF-Institut für Medienpädagogik in München.Natürlich könnten Eltern das Smartphone auch nutzen, um sich bei konkreten Erziehungsproblemen Hilfe zu suchen. "In der Situation muss aber der direkte Kontakt und Austausch mit dem Kind zentral sein." Sinnvoll sei es, in der Familie gemeinsam Regeln zur Nutzung mobiler Medien zu bestimmen, an die sich alle halten - inklusive Medien-freier Zeiten.

Literatur
McDaniel, B T & Radesky, J S (2018) Technoference: longitudinal associations between parent technology use, parenting stress, and child behavior problems. Pediatric Research.
DOI: 10.1038/s41390-018-0052-6
Info zur Studie
Für die Studie hatten 181 Elternpaare mit Kindern unter fünf Jahren über sechs Monate hinweg online in Fragebögen Auskunft gegeben - zu ihrer eigenen Mediennutzung sowie zur Entwicklung ihrer Kinder und deren nach Außen oder Innen gewandtem Verhalten. Auch ihre eigenen Gefühle und Reaktionen gaben die zwischen 2014 und 2016 befragtenEltern zu Protokoll.