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Einfach mal eine Weile raus aus Facebook & Co, und man gewinnt eine neue Perspektive, sagt Lanier.
Süchtig nach Likes
Netzvordenker warnt vor den Sozialen Netzwerken
Jaron Lanier ist ein Insider. Aus dem Silicon Valley. Ein Pionier des Netzes. Und heute sein schärfster Kritiker.
Süchtig, empathielos, manipuliert, unglücklich: all das kann die Nutzung von Sozialen Netzwerken mit uns machen, sagt US-Digitalpionier Jaron Lanier. Seine Thesen: Social Media untergrabe die Wahrheit, unterstütze digital erzeugte gesellschaftliche Abstumpfung, fördere prekäre Arbeitsverhältnisse und mache Politik unmöglich. Letztendlich könnte es dazu kommen, dass sie das Ende der Menschheit einläuten.

Ohne Soziale Netzwerke glücklicher
"Wir sind daran so gewöhnt, dass wir nicht mehr merken, wie bizarr und krank das ist", sagt er. Viele Nutzer seien der Meinung, ohne Social-Media-Präsenz würden sie gar nicht mehr existieren: "Aber das ist eine Illusion: Wenn du versuchst, da rauszukommen, wirst Du feststellen, dass es gar nicht so schwer ist." Seine Empfehlung: Social Media Abstinenz. Raus aus allen Sozialen Diensten, und wenn es nur für ein halbes Jahr ist, um einen anderen Blick auf das eigene Leben zu bekommen.

Janier warnt konkret vor einer Überwachung in den Netzwerken, einem Kontrollverlust über die eigenen Daten und dem Effekt von Filterblasen. Demokratie bestehe aus Diversität und der Vielfalt im Denken: "Doch das funktioniert nicht, wenn wir alle im selben System gefangen sind."Überwachungsmaßnahmen seien nicht neu in der Geschichte der Menschen, sagt Lanier. Aber neu an der heutigen Technik sei die andauernde Überwachung der Nutzer kombiniert mit der Möglichkeit, diese direkt zu manipulieren - ob in der Werbung oder bei politischen Entscheidungen. Um die Kontrolle über die Daten zurückzugewinnen, sollten die Nutzer- so ein Vorschlag von Lanier - künftig für das Angebot zahlen. So habe sich beim Fernsehen am Beispiel von Netflix gezeigt, dass Bezahlangebote beliebter und besser sein könnten, als werbefinanzierte Modelle.