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Arbeit zu haben, bedeutet Geldverdienen, aber auch Sprache und Menschen kennenzulernen.
Chancen für Flüchtlinge
Nur durch Arbeit gelingt eine Integration in die Gesellschaft wirklich
Die Schweiz geht neue Wege: Flüchtlinge werden ganz gezielt auf eine Berufslehre vorbereitet.
Die Idee: Bevor ein Flüchtling eine Lehrstelle antritt, macht er ein Jahr lang eine "Vorlehre". Etwa auf dem Bau, im Gastgewerbe oder in der Landwirtschaft.
Die Umsetzung: Dieses vierjährige Pilotprogramm trägt den etwas sperrigen Namen Integrationsvorlehre, kurz INVOL. Aufgelegt hat es das Schweizer Staatssekretariat für Migration (SEM). Im August 2018 starten die Vorlehren in 18 von 26 Schweizer Kantonen.

Mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt
Der Hintergrund: In der Schweiz beziehen sechs von sieben erwerbsfähigen Flüchtlingen Sozialhilfe. Einige von ihnen arbeiten, doch das verdiente Geld reicht oft nicht zum Leben. Die von Bund und Kantonen speziell für Migranten konzipierte Integrationsvorlehre soll jetzt ihre Arbeits-Chancen erhöhen.

Ohne Spracherwerb geht gar nichts
Auf dem Stundenplan von INVOL stehen Theorie und Praxis im Berufsfeld und der Erwerb von Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen mit Fokus Schweiz. Ganz wichtig: eine durchgehende Sprachförderung sowie ein Praktikum im Betrieb. Pro Jahr gibt es 1000 Plätze, für Jugendliche und junge Erwachsene. Die Kantone erhalten vom SEM einen Pauschalbertrag von 13.000 Franken pro Ausbildungsplatz im Jahr. Was darüber hinausgeht, tragen die Kantone.

Das SEM hat sich für INVOL an anderen Pilotprojekten wie der "Vorlehre Bau" orientiert. Diese wird von der Technischen Fachschule Bern bereits zum dritten Mal durchgeführt. Bisher haben dort 18 Migranten abgeschlossen. Rund die Hälfte hat eine Lehr- oder Arbeitsstelle gefunden. Für den Projektleiter und Deutschlehrer Felix Schärer ist das ein klarer Erfolg. Er sieht aber auch Optimierungspotenzial und analysiert selbstkritisch, weshalb es bei der anderen Hälfte nicht geklappt hat: "Einige sind nicht vermittelbar. Das kann auch an unserer Auswahl liegen." Andererseits spielten auch die teils schlechten Sprachkenntnisse eine zentrale Rolle.

Flüchtlinge, die sich für INVOL bewerben wollen, müssen bereits relativ gut Deutsch können und sie müssen sehr interessiert und motiviert sein. Ob das INVOL-Programm die Jobchancen der Migranten tatsächlich erhöht, soll eine begleitende wissenschaftliche Bewertung zeigen.

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Willkommenslotsen
In Lohn und Brot
"Willkommenslotsen" haben in zehn Monaten 3441 Flüchtlinge in Betriebe vermittelt - die Hälfte davon in Praktika, den Rest in Hospitatationen, Ausbildung oder einen Job.