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Datenschutz macht Arbeit - zu viel, meinen kleinere Unternehmen.
Extrem aufwändig
Für kleinere Unternehmen ist Datenschutz eine Herausforderung
Von Datenschützern ist die neue Datenschutzgrundverordnung heiß ersehnt - kleine und mittelständische Unternehmen aber sehen sich durch die Verordnung überfordert.
Die neuen EU-weit geltenden Regeln stellten gerade für diese Firmen "eine riesige Herausforderung dar", sagte Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) der "Bild"-Zeitung. Es gebe große Verunsicherung, da viele Regeln und deren Umsetzung im Alltag "schlicht unklar" seien.

Datenschutz sei enorm wichtig, betonte Schweitzer. Aber er dürfe nicht zu einem "Hemmschuh für das Alltagsgeschäft" werden. "Die Gefahr besteht, dass die teilweise für große IT-Konzerne geschaffenen, überaus bürokratischen Regelungen zusammen mit den immer wieder auch öffentlich genannten hohen Bußgeldern zu Abwehrreaktionen gegen den Grundgedanken des Datenschutzes führen." Eine Präzisierung der Regeln sei dringend geboten.

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) tritt am 25. Mai in Kraft und verlangt von Unternehmen umfangreiche Anpassungen an die neuen Regeln. Vor allem soll der Verbraucherschutz und der transparente Umgang mit Daten gestärkt werden. Unter welchen Bedingungen jedoch auf Websites zum Beispiel Cookies gesetzt und Nutzer-Analysen gemacht werden können, ist jedoch selbst nach Einschätzung von Rechtsexperten bislang noch unklar. Bei Verstößen drohen hohe Bußgelder. Nach Erhebungen des Internetverbands eco sahen sich Mitte April jedoch erst 13 Prozent der Unternehmen in Deutschland auf der sicheren Seite.

Bitkom: Nur ein Viertel der Firmen schafft fristgerechte Umsetzung
Nur ein Viertel der deutschen Unternehmen schafft einer Bitkom-Umfrage zufolge rechtzeitig die Umsetzung der neuen EU-Datenschutzregeln. Wie der Digitalverband mitteilte, sind nur 24 Prozent der befragten 500 Firmen bis zum 25. Mai nach eigener Einschätzung vollständig konform mit den Regeln.

Zwei von drei Unternehmen sehen bei der Umsetzung der Verordnung den schwer abschätzbaren Aufwand als größte Herausforderung an. 58 Prozent erwarten außerdem dauerhaft mehr Aufwand wegen der neuen Regeln. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen werde die DSGVO auch langfristig zu "deutlichen Belastungen führen", warnte Bitkom-Präsident Achim Berg.

Viele Unternehmen schreiben wegen der neuen Regeln derzeit Kunden per E-Mail an, um sie darüber zu informieren. Manche müssen dann zum Beispiel einwilligen, dass sie einen Newsletter weiter beziehen wollen. Der Bundesverband deutscher Banken mahnte dabei zur Vorsicht: Der Datenklau per E-Mail oder SMS unter dem Stichwort DSGVO habe derzeit "Hochkonjunktur", erklärte der Verband.

Bei E-Mails von Banken, in der persönliche Daten eingegeben oder ein Einwilligungslink angeklickt werden muss, sei "besonderes Misstrauen" geboten. Eine Bank werde "niemals per E-Mail" um persönliche Daten wie Kontonummer, PIN oder Passwörter bitten, erklärte der Bankenverband. Die Bank werde auf diesem Wege auch nicht verlangen, ein Konto zu aktivieren, zu entsperren oder zu aktualisieren.

Fragen und Antworten
Zeitenwende für Datenschutz
In der Vergangenheit gab es für Unternehmen wie Facebook bei der Nutzung von Userdaten in Europa wenig Grenzen. Am 25. Mai treten nach jahrelanger Lobbyschlacht in allen 28 EU-Staaten neue Regeln in Kraft. Ein Überblick über die Änderungen: