Mann mit Smartphone im Bällebad © dpa
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Auch für Entspannung ist auf der re:publica gesorgt.
Lebenswertes Internet
Internetkonferenz re:publica in Berlin
Hate Speech und Fake News, Datenschutz und Netzpolitik, Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Arbeit: Auf der diesjährigen re:publica hat sich die Netzgemeinde wieder mit drängenden Digitalthemen auseinergesetzt.
nano-Reporter unterwegs auf der Konferenz
Sarah Schommer macht einen Rundgang
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Ralph Benz auf der Suche nach Gadgets
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China plant die totale Überwachung. In der "neuen Ära des Sozialismus chinesischer Prägung" ist der Aufbau eines weltweit einmaligen digitalen Kontrollapparats geplant.
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re:publica ging mit Besucherrekord zu Ende

© dpa Markus Beckedahl
Markus Beckedahl
"Wir freuen uns, dass wir sehr viele notwendige gesellschaftliche Debatten weiterführen konnten oder vielleicht dazu beigetragen haben, sie anzustoßen", sagte Mitgründer Markus Beckedahl zum Abschluss am Freitag. Bei besten Wetter waren an drei Tagen insgesamt an die 10.000 Menschen in die Berliner Station gekommen - ein Besucherrekord.

Der Reporter und Nachrichten-Moderator Richard Gutjahr berichtete am Freitag von seinem Kampf gegen organisierte Internet-Trolle und Verschwörungsideologen. Wer zum Ziel von Hass-Attacken werde, müsse zurückschlagen, sagte der Journalist. Gutjahr hatte sich 2016 sowohl beim Amoklauf von München als auch beim Terroranschlag an der Strandpromenade von Nizza zufällig in der Nähe der Tatorte befunden und von dort für die ARD berichtet. Kurz danach erhielt seine Familie Morddrohungen.

Zuvor hatte der Fernsehmoderator Jan Böhmermann mit einem "Call to Action" dazu aufgerufen, sich im Rahmen einer Satireaktion am Kampf gegen Hass, Populismus und Verschwörungsideologien im Netz zu beteiligen. Die Teilnehmer der Aktion "Reconquista Internet" sollen in geplanten Aktionen "Liebe und Vernunft" im Netz verbreiten - nach dem Vorbild des rechtsextremem Online-Forum "Reconquista Germanica", dessen Nutzer gemeinsam Hasskampagnen planen.

Diskussion um den Ausschluss der Bundeswehr
Aufsehen erregte auch der Ausschluss der Bundeswehr von der Konferenz. Die Armee empörte sich öffentlich und auch manche Politiker kritisierten die Veranstalter, die sonst für Toleranz und Offenheit stünden. Die re:publica bekräftigte, man sei offen für einen Dialog. Aber ein Stand, an dem Soldaten in Uniform Rekrutierungsarbeit leisteten, sei unerwünscht. "Wir stehen für eine lebenswerte digitale Gesellschaft und nicht für eine Militarisierung des Internets", hieß es. Auf der Bühne seien jedoch Mitarbeiter der Bundeswehrakademie aufgetreten sowie ein Soldat, der über sein Blog berichtete.

Nachdem Hubertus Heil am Donnerstag über die Zukunft der der Arbeit gesprochen hatte ("Alles Gerede, dass die Arbeit ausgeht, ist falsch, davon bin ich überzeugt"), schaute Kabinettskollegin Katarina Barley am Freitag vorbei. "Mein Eindruck ist, dass Facebook sehr, sehr stark unter Druck steht. Das finde ich auf der einen Seite gut", sagte die deutsche Justizministerin mit Blick auf den aktuellen Datenskandal. Auf der anderen Seite sei es schade, dass sich alle Aufmerksamkeit auf das Netzwerk richte. "Wir müssen das schon erweitern auf die andere Player, die ducken sich jetzt etwas weg".

Chelsea Manning warnte vor militärischen Anwendungen der KI
© reuters Chelsea Manning
Chelsea Manning
Insgesamt wurde den Besuchern 500 Stunden Programm geboten: Immer wieder ging es um das Schwerpunktthema Künstliche Intelligenz. US-Whistleblowerin Chelsea Manning betonte die Gefahren von Algorithmen. In militärischen Anwendungen könnten so Entscheidungen über Leben und Tod getroffen werden, sagte die Ex-Soldatin.

Auch US-Sozialforscherin Dana Boyd warnte davor, Algorithmen blind zu vertrauen. Sie seien auch entscheidend, welche Nachrichten sich am meisten über soziale Plattformen verbreiten. Für den Publizisten Richard David Precht gibt es beim Einsatz von Algorithmen eine ganz klare Grenze: "Überall da, wo die Künstliche Intelligenz moralische Entscheidungen treffen muss, ist ein rotes Stoppschild aufzustellen", sagte er. Und: "Moral darf man nicht rationalisieren."

Nach Ablegern in Irland und Griechenland soll es Ende des Jahres in Kooperation mit dem Entwicklungsministerium eine re:publica in Accra, der Hauptstadt von Ghana, geben. Neu ist in diesem Jahr auch ein kostenloses Netzfest, dass direkt im Anschluss an die re:publica an diesem Samstag im Berliner Park am Gleisdreieck stattfindet.

scobel
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