Skelette © gabriel prieto/national geographic/dpa
Archäologen haben vermutlich die Überreste eines riesigen Menschenopfers gefunden.
Archäologen haben vermutlich die Überreste eines riesigen Menschenopfers gefunden.
Blutiges Ritual
Forscher vermuten: Chimú-Kultur praktizierte Kinderopfer
Gruselige Entdeckung in Peru: Archäologen fanden ein Massengrab mit Knochenresten von mehr als 140 Kindern.
© gabriel prieto/national geographic/dpa Bei vielen Skeletten fanden die Forscher Schnitte am Brustbein.
Bei vielen Skeletten fanden die Forscher Schnitte am Brustbein.
Es könnte sich um Überreste des größten Kinderopfer-Rituals der Welt handeln, heißt es in einem Beitrag der Zeitschrift "National Geographic". Demnach wurden die Kinder vor rund 550 Jahren offensichtlich während einer Opfergabe der vorspanischen Kultur Chimú getötet.

Die Knochenreste wurden in dem Ort Huanchaquito-Las Llamas gefunden. Unweit des Fundorts liegen die Ruinen der Stadt Chan Chan. Das Unesco-Weltkulturerbe bei der heutigen Stadt Trujillo an der peruanischen Pazifikküste gilt als Hauptstadt der Chimú-Kultur, die ihre Blütezeit zwischen 1200 und 1470 nach Christus hatte. Das Inka-Reich eroberte und verleibte sich später die Chimú-Kultur ein.

Viele der gefundenen Skelette wiesen Schnitte am Brustbein und Ausrenkungen im Rippenbereich auf. Die Forscher vermuten daher: Den Kindern wurde bei einem Ritual das Herz herausgeschnitten. "Es handelt sich um eine Opfergabe in Form eines systematischen Rituals", zitierte "National Geographic" den leitenden Archäologen John Verano.

Die Ausgrabungen dauerten jahrelang
Die ersten Knochen wurden schon 2011 von dem peruanischen Archäologen Gabriel Prieto gefunden, die Ausgrabungen dauerten bis 2016 an. Laut ersten Erkenntnissen starben die Kinder in einem Alter zwischen 5 und 14 Jahren. In dem Grab wurden auch die Überreste von 200 jungen Lamas entdeckt. Die Hintergründe des Rituals sind unklar.

Der Anthropologe Haagen Klaus von der George Mason University spekuliert über die möglichen Gründe für die drastische Opfergabe. Demnach seien womöglich anhaltende Regenfälle die Ursache dafür. Die Chimús seien womöglich zu dem Schluss gekommen, dass ihre bisherigen Opfer nicht effektiv genug gewesen seien. "Die Menschen opfern, was für sie am wertvollsten ist", glaubt der Wissenschaftler.

Den Forschern zufolge sind ähnliche Kinderopfer auf dem amerikanischen Kontinent von den Azteken im heutigen Mexiko bekannt. In der früheren Azteken-Hauptstadt Tenochtitlan wurden Überreste von 42 Kindern gefunden. In der Wissenschaft werde zudem über mögliche Kinderopferrituale in der antiken phönizischen Stadt Karthago in Nordafrika diskutiert.

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