© dpa
BeitragBeitrag
Bewegen sich Kinder und Teenager in Deutschland genug oder werden sie immer dicker?
Dicke Kinder
Seit 2003 werden in der Langzeitstudie Daten erhoben
Mehr als jedes siebte Kind in Deutschland hat Übergewicht. Das zeigt eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI).
Die schlechte Nachricht: in Deutschland sind 15,4 Prozent der Kinder und Teenager zwischen 3 und 17 Jahren zu dick. 5,9 Prozent sind sogar fettleibig. Damit haben sich die Werte seit dem Beginn der großen RKI - Untersuchung in den Jahren 2003 bis 2006 nicht verändert. Und das ist die gute Nachricht: der Hang zum Übergewicht wurde - wenn auch auf hohem Niveau - gestoppt.

Die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zeigt auch: Fast die Hälfte der Kinder, die zu viel auf die Waage bringen, leidet auch später als Teenager unter Fettpolstern. Und: Noch immer sind Kinder aus sozial schwachen Familien dicker als ihre Altersgenossen aus Elternhäusern mit einem höheren Sozialstatus.

Ein Überblick über weitere Ergebnisse:
Bewegung:Kinder und Jugendliche bewegen sich zu wenig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Heranwachsenden mindestens eine Stunde aktive Bewegung pro Tag. Doch nur 22,4 Prozent der Mädchen und 29,4 Prozent der Jungen schaffen das - und mit zunehmenden Alter gibt es immer mehr Bewegungsmuffel. Auch bewegen sich Kinder aus sozial benachteiligten Familien weniger.

Zuckerhaltige Getränke:Viel Limonade, Cola und Co. gelten als Risikofaktoren für Adipositas, Diabetes und andere Krankheiten. Die positive Nachricht: Insgesamt 16,3 Prozent der Mädchen und 12,7 Prozent der Jungen lassen die Finger von solchen Getränken. Zugleich sank der Anteil derjenigen, die einmal oder mehrmals täglich zuckerhaltige Getränke trinken, binnen zehn Jahren bei Mädchen deutlich von 28,2 auf 16,9 Prozent und bei Jungen von 34 auf 22,2 Prozent. Trotzdem halten die Experten den Konsum noch immer für zu hoch.

Heuschnupfen und Asthma:Etwa jedes zehnte Kind zwischen 3 und 17 Jahren hat Heuschnupfen. Damit ist mehr als eine Million Heranwachsende in Deutschland betroffen, wobei Jungen häufiger Heuschnupfen haben (11,9 Prozent) als Mädchen (7,9 Prozent). Zudem leidet etwa eine halbe Million Kinder und Jugendliche unter Asthma, das mit Reizhusten und Atemnot einhergeht.

Rauchen:Seit einigen Jahren zeigt sich, dass insgesamt immer weniger Jugendliche rauchen. Wie die KiGGS-Studie aber zeigt, greifen 85 Prozent der rauchenden Jugendlichen auch als Erwachsene weiterhin zum Glimmstängel. Nur 15 Prozent gelingt das Aufhören. Neun von zehn Studienteilnehmern, die rauchen oder früher rauchten, fingen damit vor dem 18. Lebensjahr an.

Psychische Auffälligkeiten:Bei rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen finden sich Anhaltspunkte für psychische Auffälligkeiten. Dazu zählen emotionale Probleme, Schwierigkeiten mit Gleichaltrigen, Verhaltensauffälligkeiten oder Hyperaktivität. Die Häufigkeit entsprechender Symptome blieb in den vergangenen zehn Jahren stabil. Psychische Auffälligkeiten verschwinden bei jedem zweiten Kind innerhalb eines Jahres.

Insgesamt schätzen Eltern und Kinder in Deutschland die Gesundheit der jüngsten Generation jedoch positiv ein: 96 Prozent bewerten sie als sehr gut oder gut. Für die jüngste KiGGS-Erhebung (KiGGS steht für "Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland") wurden mehr als 25.000 Kinder, Jugendliche und Eltern befragt. Die Untersuchung ist nach RKI-Angaben die umfassendste Jugendgesundheitsstudie in Deutschland. Spannend macht sie vor allem die Langzeit-Beobachtung.

KiGGS-Studie zeigt Langzeittendenzen auf
Für den dritten Teil der großangelegten KiGGS-Studie hat das Robert-Koch-Institut zwischen 2014 und 2017 an 167 Orten in Deutschland Daten gesammelt, von Babys bis zu Teenagern unter 18 Jahren. Bei der zweiten Studie zwischen 2009 und 2012 hatten die Forscher Deutschlands Jugend insgesamt eine gute Gesundheit attestiert: Sie trieb Sport, rauchte und trank weniger als bei der ersten Erhebung von 2003 bis 2006. Übergewicht aber war ein Problem. Und die Herkunft spielte eine Rolle: Kinder aus Familien mit niedrigem sozioökonomischen Status waren weniger fit, hatten häufiger Unfälle und zeigten mehr psychische Auffälligkeiten. Sie griffen auch eher zur Zigarette und zeigten weniger Interesse an Bewegung.

Was genau ist KiGGS?
KiGGS ist eine Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in Deutsch­land. Die Studie liefert wiederholt bundesweit repräsentative Daten zur Gesundheit der unter 18-Jährigen. Die Kinder und Jugendlichen der ersten KiGGS-Studie werden wiederholt eingeladen und bis ins Erwachsenenalter begleitet.

Zur Methodik:
Die Methodik der KiGGS-Studie beruht zu einem großen Teil aufSelbsteinschätzungen von Kindern und Eltern.Entsprechend einer von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenenFormulierung lautet die Hauptfrage: "Wie würden Sie denGesundheitszustand Ihres Kindes im Allgemeinen beschreiben?" bzw."Wie würdest du deinen Gesundheitszustand im Allgemeinenbeschreiben?"Die Antwortskala ist fünfstufig angelegt: sehr gut, gut,mittelmäßig, schlecht, sehr schlecht.
Gesundheitsrisiko
VideoKrank durch Übergewicht
Je früher eine Adipositas-Behandlung beginnt, umso besser: denn mit dem Gewicht steigt das Risiko für schwere Erkrankungen.
mehr zum Thema
Immer mehr Kinder sind fettleibig
Heute gibt es weltweit mehr als zehn mal so viele extrem dicke junge Menschen als 1975 - und der Trend hält laut einer WHO-Studie an.
Links