Kinder © dpa
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Sprachbarrieren gibt es hier nicht: Hände und Füße gehen immer.
Von der Politik vernachlässigt
Aktuelle Studie thematisiert Flucht und Teilhabe
Kinder in Deutschland haben es gut? Die 4. "World Vision" Kinderstudie zeichnet ein durchwachsenes Bild.
Jedes fünfte Kind lebt in Armut, Kinder können wenig mitbestimmen, ihre Lebensqualität und ihre Zukunftschancen hängen vom Einkommen der Eltern ab. Für Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland, sind das Missstände: "Seit zehn Jahren belegen unsere Studien, dass Kinderrechte in Deutschland nicht ernst genommen werden. Die aktuelle Studie zeigt: Nichts hat sich bewegt. Die Politik versagt bei der Umsetzung der UN Kinderrechtskonvention auf ganzer Linie. Wir brauchen einen Kulturwandel im Umgang mit unseren Kindern."

Seit zehn Jahren erheben Wissenschaftler die Kinderstudie im Auftrag von World Vision und geben damit Kindern von sechs bis elf Jahren eine Stimme. Für die aktuelle Studie haben die Autoren in über 2500 Interviews repräsentative Daten zu den Erfahrungen der Kinder in Familie, Schule, Freizeit, Freundschaften und weiteren Bereichen des Lebens gesammelt: Was sind ihre Wünsche, Sorgen und Ängste? Wo fühlen sie sich ernst genommen und beteiligt? Ein Schwerpunkt der 4. Kinderstudie ist das Thema Flucht. Wo begegnen die Kinder geflüchteten Menschen? Wie nehmen sie sie wahr? Wie hoch ist ihre Bereitschaft, mit Notleidenden zu teilen?

Kinder mit Migrationshintergrund sind Brückenbauer
Die Ergebnisse der World Vision Kinderstudie 2018 belegen: In Deutschland lebende Kinder im Grundschulalter sind mehrheitlich mitfühlend und offen geflüchteten Menschen gegenüber. Die Studie zeigt auch: Je mehr Kontakt zwischen den Kindern und geflüchteten Menschen stattfindet, desto positiver ist die Einstellung. Deshalb seien Begegnungen zwischen einheimischen und geflüchteten Kindern enorm wichtig für die Integration und den Abbau von Berührungsängsten auf beiden Seiten. Die Orte, an denen Begegnungen mit geflüchteten Menschen stattfinden, sind in erster Linie Schule und Nachbarschaft.
Kindern mit Migrationshintergrund bescheinigt die Studie eine Schlüsselrolle bei der Integration geflüchteter Kinder. Bedenklich hingegen: Kinder in Ostdeutschland sind signifikant skeptischer geflüchteten Menschen gegenüber als ihre Altersgenossen in Westdeutschland.
Die Macher der Studie warnen: Hier zeige sich, wie früh eine fremdenfeindliche Atmosphäre auf die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft abfärbe. Auch der sozioökonomische Status der Eltern spiele eine Rolle: Kinder aus der unteren Mittelschicht seien häufiger skeptisch als ihre Altersgenossen.

Zahlen & Fakten:
  • In der Schule erlebt nur jedes dritte Kind, dass seine Meinung die Lehrer und Betreuer interessiert
  • In der Familie fühlt sich jedes zweite Kind vom Vater ernst genommen, von der Mutter zwei von drei Kindern
  • Kinder aus ärmeren Familien, Familien mit Migrationshintergrund und aus Ostdeutschland fühlen sich in ihrer Meinung weniger wertgeschätzt als andere Kinder
  • 85 Prozent der befragten Kinder finden es richtig, geflüchteten Menschen etwas abzugeben
  • 45 Prozent der befragten Kinder haben Angst vor immer mehr Ausländerfeindlichkeit

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