Lehrerin und Schülerin an der Tafel © colourbox.de
Das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und Schüler spielt eine wichtige Rolle bei Resilienz.
Das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrer und Schüler spielt eine wichtige Rolle bei Resilienz.
Chancengleichheit fördern
Kontinuität hilft, Vertrauen aufzubauen - ein Faktor für schulischen Erfolg
Immer mehr sozial benachteiligte Schüler in Deutschland erbringen gute Leistungen. Wie können Schulen das fördern?
Zunächst die gute Nachricht: Weit mehr sozial benachteiligte Schüler in Deutschland erbringen laut einer neuen Pisa-Studie solide Schulleistungen als noch vor zehn Jahren. Der Anteil dieser Schüler ist so stark gewachsen wie in kaum einem anderen OECD-Land: von 25 auf 32,3 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Pisa-Sonderauswertung zum "Erfolgsfaktor Resilienz". Unter Resilienz verstehen Psychologen die Fähigkeit, sich trotz erschwerter Bedingungen weiterzuentwickeln.

Allerdings - und das ist die schlechte Nachricht - liegt Deutschland bei der Chancengleichheit trotzdem noch unter dem OECD-Schnitt. Die Studienergebnisse deuten vor allem auf zwei Faktoren hin, die die Chancengleichheit fördern: Erstens ein geringer Wechsel von Lehrkräften und zweitens eine motivierende Schulleitung, die das Lehrerkollegium mit einer gemeinsamen Mission vereint. Mehr Ressourcen und eine bessere Ausstattung der Schule führen hingegen nicht unbedingt zu einem höheren Anteil an resilienten Schülern.

Empfehlungen: Wie können Schulen Chancengleichheit fördern?
  • "Ein geordnetes und lernorientiertes Klima im Klassenzimmer ist ein entscheidender Faktor", sagt Andreas Schleicher, OECD-Direktor für Bildung.
  • Mehr Kontinuität im Lehrerzimmer: Je weniger die Lehrkräfte wechseln, desto mehr können sich offene Kommunikation und vertrauensvolle Lehrer-Schüler-Beziehungen entwickeln.
  • Eine Schulleitung, der es gelingt, das Kollegium auf eine gemeinsame Mission und strategische Ziele einzuschwören, wirkt sich motivierend aus.
  • Schulische Aktivitäten jenseits des Unterrichts - vor allem in Ganztagsschulen gegeben - wirken sich ebenfalls positiv auf den Lernerfolg sozial benachteiligter Schüler aus.

Informationen zur Studie
In der Pisa-Sonderauswertung "Erfolgsfaktor Resilienz" wurde erarbeitet, "warum manche Jugendliche trotz schwieriger Startbedingungen in der Schule erfolgreich sind". Als "resilient" definieren die Studienautoren Schüler, die trotz eines eher bildungsfernen Elternhauses gute schulische Leistungen erbringen. Als "bildungsfern" oder sozial benachteiligt gelten Schüler, deren im Rahmen der Studie erfasster sozioökonomischer Status zum unteren Viertel eines Landes gehört. In diesen Status flossen Bildungsstand und Beruf der Eltern ebenso ein wie im Haushalt verfügbare kulturelle Güter wie zum Beispiel Bücher.
Die Studie hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit OECD mit Förderung der Vodafone Stiftung durchgeführt.

Link
Glossar
Resilienz
Unter Resilienz verstehen Psychologen die Widerstandsfähigkeit in Krisensituationen und die Fähigkeit, sich trotz erschwerter Bedingungen weiterzuentwickeln.
Neue Pisa-Studie
Fast eine Eins im Sozial-Einmaleins
Mit anderen zusammenarbeiten und Lösungen finden: Neuntklässler in Deutschland können komplexe Probleme gut im Team lösen.