"Sale"-Schilder im Schaufenster
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Rabatte etwa wirken wie eine Belohnung, das dämpft den Schmerz beim Geldausgeben.
Kauf Dich glücklich
Kaufsüchtige sind für Verführungstricks der Werbung besonders anfällig
Kaufsucht ist keine eingebildete Krankheit - sie zeigt sich auch in veränderten Mustern im Gehirn. Kaufen, so die aktuelle Hypothese, macht süchtig wie Alkohol oder Nikotin.
Beim Kauf entstehen messbare Glücksgefühle.
Beim Kauf entstehen messbare Glücksgefühle.
Erste Studien im Kernspintomografen deuten darauf hin, dass die Aktivität des Schmerzzentrums Insula, das das Kostenbewusstsein kontrolliert, bei Kaufsüchtigen gedrosselt ist. Das Belohnungssystem im Nucleus Accumbens reagierte bei ihnen dagegen übermäßig stark. Gesundheitsexperten warnen davor, extremes Kaufverhalten auf die leichte Schulter zu nehmen. "Kaufsucht ist eine psychische Störung, die fast immer mit anderen psychischen Erkrankungen einhergeht", erklärt Kathrin Böing, Bereichsleiterin für Gesundheitsmanagement bei TÜV Rheinland. Die Störung trete in allen Altersgruppen und allen Einkommens- und Bildungsschichten auf.

Betroffene Menschen schafften Waren nicht an, weil sie sie benötigten, sondern weil der Kauf selbst vorübergehend Glücksgefühle auslöse, so Böing. Anschließend stellten sich häufig ein schlechtes Gewissen und Scham ein, in der Folge auch finanzielle und soziale Probleme. "Betroffene verheimlichen ihre Sucht vor Verwandten, Freunden und Arbeitskollegen. Es kann auch zu Isolation und Leistungsabfall kommen", sagt die Expertin. Die finanziellen Auswirkungen ließen sich dagegen nicht verheimlichen. Auch gegenüber dem Arbeitgeber könne die Kaufsucht bekannt werden, wenn etwa Gehaltspfändungen anstünden.

Der Ausstieg aus der Kaufsucht gelingt TÜV Rheinland zufolge in der Regel nur mit professioneller Hilfe. So biete sich eine anonyme Beratung an, bei der Betroffene offen über persönliche Probleme sprechen könnten. Als eine der "Erste-Hilfe-Strategien" empfehle sich, die Kreditkarte zurückzugeben. Ebenso könnten Selbsthilfegruppen Betroffene unterstützen und Beratungsstellen bei der Vermittlung eines Facharztes oder Therapeuten aufgrund der begleitenden psychischen Erkrankung helfen.

Stigmatisierte Süchtige
Nicht totschweigen
Obwohl Sucht als Erkrankung gilt, werden Betroffene immer noch diskriminiert. Psychologen und Suchtmediziner fordern Maßnahmen zur Entstigmatisierung.