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Alle Menschen mit Öko-Lebensmittel zu ernähren, wäre möglich - das belegt die Studie der FAO.
Teller statt Trog
Wissenschaftler berechnen den globalen Nahrungsbedarf im Jahr 2050
Lassen sich 2050 zehn Milliarden Erdenbürger mit biologischem Landbau ernähren? Oder hilft da nur die konventionelle Agrarwirtschaft? Die FAO sucht nach einer Antwort.
Über die Frage, ob eine Welternährung durch Ökoanbau möglich ist oder völlig absurd, wird seit Jahren gestritten. Die FAO (Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen) hat dazu kürzlich die umfassendste Studie ihrer Art in Auftrag gegeben. Sie liefert überraschende Ergebnisse. Die erste Antwort lautet ungefähr so: Weder mit einer konventionellen noch mit einer biologischen Landwirtschaft werden sich im Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen problemlos ernähren lassen. Wenn alles beim Alten bleibt.

Eine zweite Antwort lautet: Nein, mit biologischer Landwirtschaft können wir keine zehn Milliarden Menschen sattmachen. Wenn alles beim Alten bleibt. Also, wenn wir unsere Ernährungsgewohnheiten beibehalten und weltweit immer mehr Fleisch, Eier und Milch konsumiert wird, so die Studie. Die eigentliche Botschaft der Studie aber lautet: Wenn wir an wenigen Stellschrauben drehen würden, dann wäre es nicht mehr utopisch, sondern doch möglich, die Welt biologisch zu ernähren.

  • Lebensmittel-Abfall reduzieren
  • Konsum tierischer Produkte reduzieren
  • "Feed no Food": Tiere nicht mehr mit Getreide oder Soja füttern

Lebensmittel auf den Teller statt in den Trog
Die dritte Stellschraube, die die Autoren der Studie nennen, ist eine radikale Forderung. Feed no Food bedeutet, Tiere dürften nicht mehr mit Lebensmitteln wie zum Beispiel Getreide gefüttert werden. Für die Tiere bleibt - Gras. Also, die Rinder grasen auf der Weide, die Schweine fressen Nahrungsabfälle oder Nebenprodukte wie Molke. Das würde zwar den Tierbestand deutlich reduzieren, man hätte nur halb soviele Rinder und ein Zehntel der Hühner, aber nur so könnte man die Ressourcen optimal nutzen. Nebenbei würden sich die Probleme der Massentierhaltung erübrigen, so die Autoren.

Das Fazit der Studie: Wenn man all diese Strategien kombiniert, müsste man nicht einmal jeden Faktor voll ausnutzen, um mit einer biologischen Landwirtschaft zehn Milliarden Menschen ernähren zu können. Die Strategien seien richtungsweisend, denn auch die konventionelle Landwirtschaft wird bei gleichbleibendem Konsumverhalten und zunehmendem Klimawandel keine zehn Milliarden ernähren können.

"Deutlich wird aber auch, dass nachhaltige Ernährungssysteme nicht alleine auf nachhaltige Produktion abstellen können. Die Konsumseite ist genauso wichtig. Und die zu verändern, ist für die Zukunft der Welternährung unerlässlich", sagt Mitautor Adrian Müller vom FiBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) Schweiz.

Literatur