Unterernährtes Kind © dpa
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In Somalia droht vielen Kindern der Hungertod - eine Folge von Bürgerkrieg und Dürre.
Hunger weltweit
Gegen Hungersnöte hilft kein Universal-Konzept
Die gute Nachricht: Bei der Bekämpfung des Hungers in der Welt gibt es Fortschritte. Die schlechte: Die Zahl der Hungernden bleibt weiter unerträglich hoch, meldet die Deutsche Welthungerhilfe.
Trotz langfristiger Fortschritte litten noch immer Millionen von Menschen unter chronischem Hunger, an vielen Orten herrschten akute Nahrungsmittelkrisen oder Hungersnöte, erklärten Vertreter der Welthungerhilfe bei der Vorstellung des Welthunger-Index 2017 (WHI).
Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann dringt auf mehr Hilfen für hungernde Menschen. Es sei deprimierend, dass binnen eines Jahres die Zahl der Hungernden auf der Welt um 38 Millionen auf 815 Millionen Menschen gestiegen sei. Grund seien vor allem kriegerische Konflikte und extreme Wetterkatastrophen.

Mehr Einsatz gegen Hungerursachen gefordert
Dieckmann kritisiert unter anderem, dass weiterhin billige Lebensmittel von Europa nach Afrika exportiert würden. Damit würden die dortigen Märkte zerstört. Die Welthungerhilfe-Präsidentin fordert auch einen weiteren, globalen Einsatz für Klimaschutz.
Die Welthungerhilfe und das Washingtoner International Food Policy Research Institute (IFPRI) erstellen jährlich einen Welthunger-Index. Der Bericht dient als Messgröße, um Entwicklungen in einzelnen Regionen und Ländern zu erfassen.

In dem Index werden die Werte, mit denen die Hungersituation ermittelt wurde, in 43 Ländern als niedrig beschrieben. In 24 Ländern gelten sie als mäßig und in 44 Ländern, darunter der Hälfte aller Länder in Ost- und Südostasien, als ernst. In weiteren sieben Ländern wird die Lage als sehr ernst bewertet. Dazu zählen der Tschad, Liberia, Madagaskar, Sierra Leone, Sambia, der Sudan und der Jemen. Als gravierend wird die Hungersituation in der Zentralafrikanischen Republik eingestuft. Dort seien seit 17 Jahre keine Fortschritte erzielt worden, hieß es.

Zur Hungersituation gibt es oft nicht genügend Daten
Für 13 Länder konnten keine WHI-Werte errechnet werden, weil keine ausreichenden Daten verfügbar seien, hieß es weiter. Daten und Informationen internationaler Organisationen ließen jedoch vermuten, dass neun der 13 Länder Anlass zu ernster Sorge geben. Dazu zählen Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Eritrea, Libyen, Somalia, der Südsudan und Syrien. Vermutlich sei das Leid in diesen Ländern besonders groß. Die Fortschritte bei der Bekämpfung des Hungers in der Welt werden in dem Index durch einen Rückgang des Indexwertes von 29,9 im Jahr 2000 auf 21,8 in diesem Jahr verdeutlicht. Dies sei ein Rückgang um 27 Prozent, hieß es. Grundlage der Index-Berechnung sind den Angaben zufolge die Faktoren wie unzureichende Kalorienaufnahme, Unterernährung bei Kindern und Kindersterblichkeit. Westeuropa, die USA, Kanada, Australien und Neuseeland sind als reiche Regionen nicht in den Index miteinbezogen worden.

In einigen Ländern gibt es Fortschritte zu verzeichnen
Insgesamt 14 Ländern bescheinigt der Bericht eine Reduzierung ihres Index-Wertes um 50 Prozent oder mehr im Vergleich zum Jahr 2000. Dazu gehören etwa Brasilien und Peru, Senegal und China. Weitere 72 Länder verbesserten sich um 25 bis 49,9 Prozent. Zu dieser Gruppe gehört Kenia. Das Land verzeichnete in den vergangenen Jahren ein konstantes Wirtschaftswachstum und investierte in die Ernährungssicherheit. Wie fragil die Lage jedoch ist, zeigte sich bei der diesjährigen Dürre in Ostafrika. Sie habe weite Teile Kenias "vor zusätzliche Herausforderungen" gestellt.

Nicht auf dem richtigen Weg
Die Autoren des Welthunger-Indexes betonen, dass es auch innerhalb der einzelnen Länder teilweise erhebliche regionale Unterschiede gebe. In Nepal beispielsweise liegt der Anteil von Unter-5-Jährigen mit Wachstumsverzögerungen landesweit bei 37,4 Prozent; in einigen abgelegenen Bergregionen aber schnellte dieser Wert auf über 60 Prozent hoch.
Dies alles deute darauf hin, so fassen die Autoren vorsichtig zusammen, "dass ein standardisiertes 'Universalkonzept' zur Bekämpfung von Hunger und Unterernährung nicht die besten Ergebnisse erzielen würde". Auch beeinflussten die Aktivitäten von multinationalen Agrar- und Nahrungsunternehmen die landwirtschaftlichen Märkte in Entwicklungsländern. Hier gelte es, im Kampf gegen Hunger verstärkt anzusetzen.
Zum Abschluss noch eine Zahl: In derselben Welt, in der mehr als 800 Millionen Menschen hungern und zwei Milliarden Menschen an unterschiedlichen Formen der Fehlernährung leiden, "ist ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung fettleibig", hält der Welthunger-Index fest. Und ein Drittel aller Nahrungsmittel werde "verschwendet oder vergeudet".

Welthunger-Index 2016
Mehr Kinder werden satt
Die Welthungerhilfe meldet: Immer mehr Entwicklungsländer schaffen es, die Lebensmittelversorgung vor Ort in den Griff zu bekommen.
Glossar
Welthunger-Index
Der Welthunger-Index ist ein Instrument zur Messung von Hunger und Unterernährung. Vier Indikatoren bilden die Grundlage zu seiner Berechnung.
Glossar
Verborgener Hunger
2,5 Milliarden Menschen weltweit fehlen nach Angaben der Weltgesundheits-Organisation (WHO) lebenswichtige Stoffe im täglichen Essen.
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