Lehrerin an der Tafel © dpa
BeitragBeitrag
In Nordrhein-Westfalen ist der Lehrermangel deutschlandweit am größten.
Zu wenige Lehrer
Häufig füllen Seiteneinsteiger die Lücke
Die Unesco hat vor einem dramatischen Lehrermangel gewarnt. Bis 2030 würden nach aktuellen Prognosen weltweit 68,8 Millionen neue Lehrkräfte benötigt.
Das erklärte die deutsche Unesco-Kommission in Bonn. Die zusätzlichen Lehrer für die Grund- und Sekundarstufe sind demnach "aufgrund von Verrentungen und zusätzlichem Lehrkräftebedarf erforderlich".

Das Vorstandsmitglied der deutschen Unesco-Kommission, Walter Hirche, erklärte: "Bildung ist der Schlüssel zu persönlicher und gesellschaftlicher Entwicklung. Wir benötigen dringend mehr gut ausgebildete Lehrkräfte, um hochwertige Bildung in Deutschland und weltweit zu realisieren."

Der am 24. Oktober erscheinende Unesco-Weltbildungsbericht 2017/2018 wird nach Angaben der Kommission zeigen, dass insbesondere in Industriestaaten der Druck auf Lehrkräfte aufgrund zunehmender Aufgaben steigt. Dazu zählten beispielsweise die Gestaltung von Lehrplänen, administrative Tätigkeiten und die Unterstützung von Schülern in ihrer Persönlichkeitsentwicklung.

3300 Lehrerstellen in Deutschland unbesetzt
An deutschen Schulen sind nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" mehr als 3300 Lehrerstellen unbesetzt. Dabei seien die einzelnen Bundesländer und Schulformen unterschiedlich stark betroffen, berichtete die Zeitung am 15. September 2017 unter Berufung auf eine Umfrage in allen Bundesländern. Die mit Abstand größte Lücke klafft demnach in Nordrhein-Westfalen. Zwar seien im bevölkerungsreichsten Bundesland allein zum Schuljahresbeginn 2883 Lehrer eingestellt worden - 2139 Lehrerstellen seien jedoch nach wie vor unbesetzt.

Erheblich ist der Mangel den Angaben zufolge auch in Baden-Württemberg: Dort fehlen 635 Lehrer. Der Hauptgrund ist laut Ministerium eine große Pensionierungswelle, die viele Nachbesetzungen erfordere und noch drei bis vier Jahre lang spürbar sein werde. Hinzu kämen zusätzliche Aufgaben wie die Inklusion, die Integration von Flüchtlingskindern und der Ausbau der Ganztagsschulen.

In Sachsen-Anhalt sind dem Bericht zufolge 100 von 370 ausgeschriebenen Stellen nicht besetzt. Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein melden laut Zeitung unbesetzte Stellen im zwei- oder niedrigen dreistelligen Bereich. In Bremen fehlen 90 Stellen, ein Drittel davon ist derzeit mit Masterstudenten besetzt. So gelinge es, "größeren Unterrichtsausfall" zu vermeiden, zitiert das Blatt den Bildungssenat.

Länder behelfen sich mit Seiteneinsteigern
BeitragBeitrag
Seiteneinsteiger müssen selbst nochmal die Schulbank drücken.
Die Länder versuchten dem Problem unter anderem mit der Einstellung von Seiteneinsteigern zu begegnen. So seien in Berlin 41 Prozent der 3000 neu eingestellten Lehrer Seiteneinsteiger, also Bewerber, die über ein Studium, aber keine pädagogische Ausbildung verfügen. In Sachsen sind es mehr als 50 Prozent, in Nordrhein-Westfalen 10.

Die Zahlen zeigten zudem, dass der Lehrermangel die einzelnen Schularten unterschiedlich treffe. Während Gymnasien kaum mit dem Problem zu kämpfen hätten, seien Grundschulen die Hauptleidtragenden. 926, und damit fast die Hälfte der insgesamt 2139 Vakanzen, verzeichnen demnach in NRW allein die Grundschulen. Auch Förder- oder Gesamtschulen seien stark betroffen.

Nach Ansicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist die Lage so "zugespitzt wie seit zehn Jahren nicht". Es drohe eine "Abwärtsspirale", so GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. Durch den Lehrermangel entstünden zusätzliche Belastungen, das schrecke angehende Lehrkräfte davon ab, sich für Grund- oder Förderschulen zu entscheiden. So verstärke sich der Lehrermangel selbst.

Mediathek
VideoZum Thema sprechen wir am 6. Oktober 2017 mit dem Sozialwissenschaftler Dirk Zorn.
Moderner Lernen
Total digital
I-Pad statt Schnellhefter, Whiteboard statt Kreidetafel - Schleswig-Holsteins Schulen erobern nach und nach das digitale Zeitalter.