Lehrerin an der Tafel © dpa
In Nordrhein-Westfalen ist der Lehrermangel deutschlandweit am größten.
In Nordrhein-Westfalen ist der Lehrermangel deutschlandweit am größten.
Schulpolitik: mangelhaft
Das größte Problem ist der Lehrermangel
Zu wenig Fachpersonal und zu wenig Zeit für zu viele Aufgaben und zu viel Bürokratie - das sind die Hauptprobleme der Schulleiter in Deutschland.
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Seiteneinsteiger müssen selbst nochmal die Schulbank drücken.
Bei einer repräsentativen Befragung für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) nannten 57 Prozent der 1200 befragten Schulleiter Lehrermangel als ihr größtes Problem. Wie aus der am 9. März 2018 beim Deutschen Schulleiterkongress in Düsseldorf vorgestellten Forsa-Befragung hervorgeht, fühlen sich bundesweit 23 Prozent vor allem mit der Inklusion Behinderter und der Integration von Flüchtlingskindern überfordert. Gewalt benennt dagegen nur ein Prozent aller Befragten als größtes Problem an ihrer Schule. Im Mittel bewerteten die Schulleiter die Schulpolitik ihres eigenen Bundeslandes mit der Note 3,8. Jeder fünfte Schulleiter in Deutschland sieht die Schulpolitik als mangelhaft oder sogar "versetzungsgefährdet" bei Note 6.

Rund 36 Prozent der deutschen Schulleiter gaben an, an der eigenen Schule akut mit Lehrermangel und unbesetzten Stellen zu kämpfen - an Gymnasien allerdings nur 25 Prozent. Im Durchschnitt sind laut Forsa-Befragung bundesweit sechs Prozent der Lehrerstellen an weiterführenden Schulen und sogar zwölf Prozent an Grundschulen nicht besetzt. "Die Politik hat jahrelang verschlafen, die Ausbildungskapazitäten hochzusetzen", kritisierte VBE-Bundeschef Udo Beckmann.

Viele Lehrer flüchten in die Teilzeit
Rund 90 Prozent der Schulleiter klagen über wachsende Aufgaben und Verwaltungsarbeiten. Sie wünschen sich mehr Anrechnungsstunden auf ihre Leitungstätigkeit, um Aufgaben delegieren zu können. Viele Lehrer flüchteten sich in Teilzeit, um die Belastungen überhaupt noch aushalten zu können, berichtete Beckmann.

"Für jede neue Anforderung, die die Politik an Schule stellt, müssen zusätzliche Ressourcen bereitgestellt oder gesagt werden, was wegfallen kann." Außerdem forderte der Lehrergewerkschafter mehr Studienplätze, eine bessere Ausbildung und multiprofessionelle Teams an den Schulen, etwa mit Sozialarbeitern, Jugendhelfern und Psychologen.

Mindestens 3300 Seiteneinsteiger als Lehrer eingestellt
Auffallend: An mehr als jeder dritten Schule sind Seiteneinsteiger beschäftigt, von denen nach Angaben der Schulleiter aber 65 Prozent keine systematische pädagogische Vorbereitung erhalten haben. "Das ist pädagogischer Wahnsinn", kritisierte Beckmann. Die Politik sei es den Kindern und den neu hinzukommenden Fachkräften gleichermaßen schuldig, Seiteneinsteiger über mehrere Monate praxisnah zu qualifizieren.

Wegen Lehrermangels sind 2017 bundesweit mindestens 3300 Seiteneinsteiger in den Schuldienst aufgenommen worden. Das berichtete die "Rheinische Post" im Januar 2018 unter Berufung auf Daten aus zehn der 16 Bundesländer. Wie die Umfrage weiterhin ergab, waren zum Schulhalbjahr 2017/18 weiter mindestens 2000 Lehrerstellen unbesetzt.