Bettwanze © dpa
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Als blinde Passagiere reisen Bettwanzen gern im Fluggepäck von Urlaubsheimkehrern mit.
Die Rückkehr der Wanze
Bettwanzen werden mit dem Urlaubsgepäck eingeschleppt
"Während die Bettwanze noch vor 10 bis 15 Jahren als ausgestorben galt, gibt es mittlerweile einen Boom", berichtet Rainer Gsell vom deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband (DSV).
Als blinde Passagiere reisen Bettwanzen gern im Fluggepäck von Urlaubsheimkehrern aus den USA oder Australien. Wird der Koffer dann nach der Reise achtlos im Schlafzimmer abgestellt, hat es der nur etwa 0,5 Zentimeter kleine Blutsauger nicht weit bis ins Bett.

Während die Bettwanze ihre schlafenden Opfer mit hässlichen roten Einstichstellen am ganzen Körper verunstaltet, kann die Tigermücke gefährliche Krankheiten wie das Dengue-Fieber übertragen. Der tropische Blutsauger wird sich nach Einschätzung des Schädlingsexperten in den kommenden Jahren durch den Klimawandel auch in Deutschland weiter ausbreiten.

Hitze und Frost statt chemischer Keule
Die Jagd nach der Bettwanze erfordert Fachwissen und Fingerspitzengefühl. Bei dem ungebetenen Gast, der selbst internationale Top-Hotels bisweilen heimsuchen soll, ist vor allem Technik-Einsatz gefragt. Wahlweise kann ein Raum eine Stunde lang auf Saunatemperaturen von 120 Grad aufgeheizt oder mit Trockeneis schockgefrostet werden. Bei einem simplen Chemie-Einsatz könnten sich die Insekten dagegen allzu leicht in ihre Verstecke zurückziehen, meint Gsell.

Früher ging der Ungezieferjäger mit Schutzanzug und Gasmaske auf die Jagd, heute trägt er eher lässigen Freizeitlook. Chemische Fachkenntnisse sind trotzdem notwendig, Abitur ist erwünscht. Die reale Begegnung mit dem Schädling bleibt im Berufsalltag allerdings eher die Ausnahme. Gefragt ist vielmehr Beratung und vorbeugende Kontrolle, meist in Unternehmen aus der Lebensmittel- oder Handelsbranche. Trotz der Veränderung des Berufsbildes bleibt der Nachwuchs oft aus: "Welcher Schüler nennt schon Schädlingsbekämpfer als seinen Traumberuf?", fragt Gsell.

Die Schädlingsbekämpfungs-Branche beackert ein großes Geschäftsfeld: Rund 1200 Unternehmen teilen sich in Deutschland das Geschäft mit dem Kampf gegen die tierischen Mitbewohner. Darunter sind Branchengrößen wie die britische Ungeziefer-Kette "Rentokil" ebenso wie Einzelkämpfer. Mit bundesweit etwa 5000 bis 6000 Beschäftigten erwirtschaftet die Branche jährlich einen Umsatz von rund 600 Millionen Euro - mit steigender Tendenz.

Sorgen bereitet dem Bundesverband die manchmal mangelnde Qualität von Billig-Angeboten auch aus den eigenen Reihen. Der immerwährende Kampf gegen den Schädling erscheint allerdings selbst dem Experten als letztlich aussichtslos: "Wenn in der Natur ein Lebensraum frei wird, wird er bald wieder neu besetzt."