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Viele "Spenderkinder" wollen wissen, wer ihr biologischer Vater ist.
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Bundestag beschließt Recht auf Kenntnis der Abstammung
Durch Samenspende gezeugte Menschen haben in Deutschland das Recht bekommen, ihre Abstammung zu erfahren. Dazu wird ein Register für Spender eingerichtet.
In dem Register werden die personenbezogenen Angaben von Samenspendern und Empfängerinnen einer Samenspende in Zukunft für die Dauer von 110 Jahren gespeichert. Mit dem Gesetz wird ein Auskunftsanspruch für Personen festgelegt, die durch Samenspende im Rahmen einer ärztlich unterstützten künstlichen Befruchtung gezeugt worden sind.

Fragen & Antworten zur Neuregelung

Warum gibt eine gesetzliche Neuregelung?
Der Gesetzentwurf soll das Recht von Kindern auf Kenntnis ihrer Herkunft sichern. Zugleich werden damit die rechtlichen Voraussetzungen für ein zentrales Samenspenderregister geschaffen, das Daten des Spenders speichert. Bisher werden solche Daten jeweils separat in den entsprechenden Arztpraxen und Kliniken dokumentiert.

Was heißt "heterologische" Verwendung von Samen?
Das heißt, die künstliche Befruchtung der Eizelle erfolgt mit dem Samen eines fremden Manns, der nicht der Partner der Frau ist.

Wie häufig werden Spendersamen genutzt?
Nach Angaben der Bundesregierung wird in Deutschland jährlich in 10.000 Fällen Samen fremder Männer für eine künstliche Befruchtung verwendet. Da meist mehrere Versuche nötig sind, sei davon auszugehen, dass pro Jahr 2000 bis 2500 Frauen dadurch schwanger würden. Der Verein Spenderkinder schätzt die Zahl der Kinder, die durch Samenspende gezeugt werden, auf jährlich 4500 bis 5000.

Was wird im Samenspenderregister gespeichert?
Gespeichert werden personenbezogene Daten des Spenders, also Name, Geburtstag und Geburtsort, Staatsangehörigkeit und Anschrift. Darüber hinaus kann der Mann freiwillig weitere Angaben, zum Beispiel zu seinem Aussehen, seiner Schulbildung und den Beweggründen für seine Samenspende machen. Diese freiwilligen Auskünfte können später aber auch wieder gelöscht werden. Ebenfalls gespeichert werden personenbezogene Angaben der Empfängerinnen sowie das Geburtsdatum des Kinds und die Anzahl der Kinder.

Wie lange werden die Daten aufbewahrt?
Die Daten werden 110 Jahre lang gespeichert. Derzeit müssen Ärzte und Reproduktionskliniken die Unterlagen nur 30 Jahre lang aufbewahren. Das neue Samenspenderegister wird beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (Dimdi) in Köln angesiedelt.

Wer bekommt Auskunft?
Jeder, der vermutet, durch Samenspende gezeugt worden zu sein, kann einen Antrag auf Auskunft aus dem Zentralregister stellen. Hat der Betroffene das 16. Lebensjahr noch nicht erreicht, kann ein gesetzlicher Vertreter den Anspruch geltend machen. Bevor eine Auskunft erteilt wird, wird auch der Samenspender darüber informiert.

Kommen rechtliche Verpflichtungen auf die Spender zu?
Nein, durch eine ergänzende Regelung im Bürgerlichen Gesetzbuch wird ausgeschlossen, dass die rechtliche Vaterschaft des Spenders gerichtlich festgestellt werden kann. Auf den Samenspender kommen damit keinerlei Unterhaltszahlungen oder Ansprüche im Zusammenhang mit dem Sorge- und Erbschaftsrecht zu.

Ist das Auskunftsrecht auch rückwirkend?
Nein, das ist dem Bundesgesundheitsministerium zufolge rechtlich nicht möglich. Immerhin sollen die Fristen für die Aufbewahrung der Daten zu Spenderkindern, die vor Inkrafttreten des Gesetzes gezeugt wurden, von 30 Jahre auf 110 Jahre verlängert werden.

Anonyme Samenspenden
Die genetische Herkunft kennen dürfen
Das Urteil des Oberlandesgerichts Hamm wonach Samenspender kein Recht auf Anonymität haben, hat der Verein Spenderkinder begrüßt.
Komplikationen drohen
Risiko Eizellenspende
Eizellenspenden nehmen zu, doch die gespendeten Zellen sind Fremdkörper, so dass es bei Schwangerschaft und Geburt deutlich häufiger zu ernsten Problemen kommt.
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