Ingolf Baur und Jane Goodall
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Der Mensch ist rücksichtslos, findet Jane Goodall: "Unternehmt alles, bevor es zu spät ist!"
"Sind wir noch zu retten?"
Die Mechanismen der Angst versagen bei langfristigen Bedrohungen
Wir leben in schwierigen Zeiten: politische Umwälzungen, Artenschwund, Klimawandel. Ein Ökokollaps droht. Aber warum macht uns das keine Angst? Ingolf Baur will es herausfinden.
An Charles Darwin führt auch für Ingolf Baur kein Weg vorbei. Denn keine Evolution ohne Angst. Die Mechanismen der Angst haben den evolutionären Erfolg von homo sapiens erst möglich gemacht. In der menschlichen Evolution war die Angst das entscheidende Gefühl, um zu überleben. Wer vor dem Säbelzahntiger nicht weggelaufen ist, hatte schlechte Karten, seine Gene weiterzugeben.
James Lovelock sagt, die Erde komme auch  ohne die Menschen zurecht. Bereits 1965 hatte der Wissenschaftler  die sogenannte Gaia-Hypothese konzipiert: danach ist die Erde ein lebendes System , das immer nach dem Gleichgewicht strebt. Früh schon warnte Lovelock vor einem Klimawandel mit verheerenden Folgen. Diese träfen aber nicht so schnell ein, wie er es einmal angenommen habe. Mit 97 Jahren ist Lovelock überzeugt, dass wir den Planeten nicht retten können, aber vielleicht die Menschheit.
Der Evolutionsbiologe Andy Purvis vom Natural History Museum in London ist überzeugt: das Artensterben ist dramatisch. Warum wir die hausgemachten Bedrohungen nicht wirklich wahrnehmen, erklärt er so: "Während einer menschlichen Generation wird alles nur ein klein wenig schlimmer.  Da verliert man leicht den Maßstab, wie stark menschliche Aktivitäten die natürliche Umwelt schon abgebaut haben. Erst wenn man die verbliebenen Wildnisse besucht, erkennt man die wahre Vielfalt, die es einmal gab."
Der Evolutionspsychologe Thomas Junker hat in Cambridge (England) Darwins Briefwechsel mit herausgegeben. Er lehrt Geschichte der Biowissenschaften an der Universität Tübingen.Sein großes Thema: Geschichte und Theorie der Evolutionsbiologie und Anthropologie.
Ingolf Baur besucht den Umweltaktivisten Tam hoch oben im Baumcamp im Hambacher Forst. Tam will die Zerstörung unserer Umwelt nicht einfach hinnehmen. Er beobachtet, dass viele Menschen sich nicht für die Konsequenzen ihres Handelns interessieren. Und damit fühlen sie sich auch nicht davon betroffen, meint Tam. Für ihn ist das keine Option. Die Wahrscheinlichkeit, dass er es schaffe, vieles zu verändern, sei winzig, aber sie ist da, sagt er.

 
James Lovelock
James Lovelock, Universalgelehrter
"Wir haben keine Angst, weil wir die Auswirkungen unseres Tuns überhaupt nicht spüren. Wir verstehen so vieles nicht. Schauen Sie den Ozean an. Er hat eine riesige Masse im Vergleich zur Atmosphäre. Aber wir wissen nichts über das Klima des Ozeans. Wir kennen nur das Klima der Atmosphäre. Es ist Wahnsinn zu glauben, wir könnten voraussagen, wie es in zehn Jahren sein wird."







Sendedaten
nano spezial "Sind wir noch zu retten?" am 7. August 2017 um 18.30 Uhr in 3sat, in der Mediathek und in zahlreichen Wiederholungen.
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(Keine) Angst vor dem Aussterben
Norman MacLeod ist Paläontologe am Natural History Museum in London. Seit Jahrzehnten erforscht er die Erdgeschichte. Zur Evolution, sagt er, gehöre das Aussterben.