Forscher vor Gehirnscan © dpa
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Forscher tasten sich noch an die Frage heran, wie wir Sprachen erlernen.
Sprache erforschen
Flüchtlinge lernen Deutsch und Forscher das Gehirn besser kennen
Max-Planck-Forscher haben in Leipzig einen Deutschkurs für Flüchtlinge aufgelegt. Das soll den Asylbewerbern zugute kommen, aber auch der Wissenschaft dienen.
Die Wissenschaftler um Angela Friederici wollen unter Mithilfe von 70 Flüchtlingen herausfinden, wie eine neue Sprache am effektivsten gelernt wird und was dabei im Gehirn passiert. Vergleichbare und vor allem ähnlich umfangreiche Studien dazu gebe es bislang kaum, sagte Tomás Goucha.

Die MPI-Forscher haben die Flüchtlinge - allesamt arabische Muttersprachler aus Syrien, Libanon und Irak - in sechs Gruppen eingeteilt. Drei legen beim Erlernen der Zweitsprache einen Schwerpunkt auf die Grammatik und Satzbau (Syntax), während bei den anderen die Bedeutung (Semantik) und der Wortschatzerwerb im Vordergrund stehen. "Wir haben den Teilnehmern früh viel zugemutet", sagte Matthias Schwendemann vom Max-Planck-Institut. Regelmäßige Untersuchungen in der Röhre eines Magnetresonanztomographen sollen die Veränderungen im Gehirn der Teilnehmer sichtbar machen.

"Wir wollen besser verstehen lernen, wie der Zweitsprachenerwerb funktioniert. Auf der Basis dieser Erkenntnisse könnten dann auch die Methoden für Sprachkurse verbessert worden", sagte Schwendemann. Der Deutschkurs dauert ein halbes Jahr. Fünf Stunden pro Tag lernen die Teilnehmer im Max-Planck-Institut. Nach Angaben von Goucha und Schwendemann haben sie sehr schnell beachtliche Fortschritte gemacht.

Sprache wird hauptsächlich im Broca- und Wernicke-Areal verarbeitet: im Broca-Areal die grammatikalischen Strukturen und im Wenicke-Areal der Wortschatz. Je intensiver beide durch Faserverbindungen verknüpft sind, desto besser beherrscht man die Sprache. Die gesammelten Daten aber vollständig auszuwerten, werde mehrere Jahre dauern, so Goucha.

Im Gespräch
Eine große Leistung
Eine neue Sprache zu lernen ist für das Gehirn Schwerstarbeit, erläutert der Leizpiger Kognitionspsychologe Tomás Goucha: Es muss sich die Strukturen selbst erarbeiten.
Schimpansen "reden"
Die Sprache der Affen
"Schimpansen sind durchaus in der Lage, ihren verschiedenen Rufen einen semantischen Gehalt zuzuorden", sagt der Schweizer Biologe Klaus Zuberbühler.
Glossar
Aphasie
Aphasie verändert die Fähigkeit, sich mit Sprache auszudrücken und Sprache zu verstehen. Sie tritt häufig nach einem Schlaganfall oder einer anderen Hirnschädigung auf.