Bayer-Gebäude © dpa
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Die Monsanto-Übernahme von Chemiekonzern Bayer sorgt für viel Wirbel.
Bayer übernimmt Monsanto
Umweltschützer warnen vor Risiken für Landwirtschaft und Verbraucher
Monsanto soll bald zu Bayer gehören. Der Saatguthersteller ist umstritten, denn er stellt unter anderem den Unkrautvernichter Glyphosat her.
© dpa Werner Baumann und Hugh Grant.
Werner Baumann und Hugh Grant.
Bayer und Monsanto hatten die Übernahmegespräche im Mai 2016 öffentlich gemacht. Die Leverkusener mussten aber mehrfach nachbessern, bevor sich Monsanto einverstanden erklärte. Das Leverkusener Unternehmen bewertet Monsanto mit rund 60 Milliarden Dollar. Bayer-Chef Werner Baumann sagte, die Fusion beider Unternehmen sei eine "kraftvolle Antwort auf die enormen Herausforderungen für Landwirte und die Agrarindustrie allgemein". Bayer sei zuversichtlich, die nötige Zustimmung der Kartellbehörden zu bekommen. Sein Unternehmen habe nach ersten Kontakten mit den Behörden bereits "ermutigendes Feedback" erhalten; nun würden zunächst die nötigen Unterlagen zusammengetragen. Sein Unternehmen habe eine "Bandbreite an Optionen" geprüft, auch das Szenario, allein weiter zu agieren, sagte Monsanto-Chef Hugh Grant. Das Management und der Verwaltungsrat seien letztlich aber zu dem Schluss gekommen, dass der "All-Cash-Deal" mit Bayer eine "wichtige Möglichkeit" sei.

Der deutsche Konzern will das Geschäft mit einer Mischung aus Eigen- und Fremdkapital finanzieren. Der Eigenkapitalanteil solle rund 19 Milliarden Dollar betragen, erklärte Bayer. Für die weitere Finanzierung werde mit mehreren Großbanken zusammengearbeitet. Von der Fusion erhofft sich Bayer Einsparungen von jährlich 1,5 Milliarden Dollar ab dem dritten Jahr nach Abschluss des Geschäfts.

Entwicklungsorganisationen und Umweltverbände besorgt
Monsanto stellt unter anderem das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat sowie gentechnisch veränderte Pflanzen her. Der Saatguthersteller hat vielerorts einen schlechten Ruf. Bayer-Chef Baumann hatte in den Verhandlungen aber betont, dass sein Unternehmen damit umgehen könne und selbst für Verantwortung, Transparenz und Offenheit stehe. Umweltschützer warnen jedoch wegen der wachsenden Marktmacht des neu entstehenden Konzerns vor Risiken für Landwirtschaft und Verbraucher.

Dirk Zimmermann von Greenpeace befürchtet, dass durch die Übernahme die nachhaltige Landwirtschaft "auf der Strecke" bleibt. "Der neue Agrochemiegigant häuft eine bislang ungekannte Marktmacht an" und werde sich "noch mehr auf wenige Kulturpflanzen, lukrative Pflanzegifte und Gentechnik konzentrieren", warnte Zimmermann. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sieht auch den politischen Einfluss des Konzerns steigen. Das fusionierte Unternehmen werde verstärkt diktieren wollen, was Landwirte anbauen und welche Produkte auf dem Markt verfügbar sind, kritisierte Heike Moldenhauer. vom Bund. Und auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte: "Diesen Deal darf es nicht geben". Es entstehe ein "übermächtiger Konzern, der den Welthunger nicht bekämpft, sondern verstärkt". Der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling forderte die deutschen und europäischen Behörden auf, die Fusion zu unterbinden.

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