Montag bis Freitag 18.30 Uhr
Kalender
Oktober 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
25
26
27
28
29
30
01
0203040506
07
08
0910111213
14
15
1617181920
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
Video
Auch in Entwicklungsländern konsumieren Menschen immer mehr Zucker
Deutsche essen 35 Kilo Zucker pro Jahr
Konsum ist Grund für immer mehr Übergewichtige
Die meisten Deutschen essen viel mehr Zucker als die WHO empfiehlt – auch in Entwicklungsländern wird immer mehr davon konsumiert.
In Deutschland verbraucht ein Mensch durchschnittlich rund 35 Kilogramm Zucker im Jahr. Blickt man weiter zurück, erkennt man, dass der Konsum im Laufe des industriellen Zeitalters deutlich gestiegen ist: Laut Zollaufzeichnungen des Deutschen Reiches lag der Pro-Kopf-Zuckerkonsum im Jahr 1874 noch bei 6,2 Kilogramm. Wäre die durchschnittliche Körpergröße seitdem im gleichen Verhältnis gewachsen wie unser Zuckerkonsum, wäre ein deutscher Mann heute 9,39 Meter groß.

Süßigkeiten selbst sind nicht das Problem
Ein Deutscher isst laut Hersteller-Statistik im Jahr gut zehn Kilogramm Schokolade und Schokoladenerzeugnisse aus weiterverarbeiteten Produkten wie beispielsweise Osterhasen, rund zwei Kilogramm Kakaopulver und fünfeinhalb Kilogramm Bonbons und Zuckerwaren. Dazu kommen noch sieben Kilogramm sogenannte feine Backwaren wie Kekse, Lebkuchen und Knäckebrot und dreieinhalb Kilo gesüßte Knabberartikel wie zum Beispiel Chips oder Cracker. Ein Großteil des Zuckers steckt aber gar nicht in den Süßigkeiten, die wir essen. Zwei Drittel des durchschnittlichen Jahresverbrauchs werden industriell in Getränken, Backwaren, Brotaufstrichen und Milchprodukten verarbeitet. Vor allem Fertiggerichte und Limonade enthalten große Zuckermengen.

Der Zuckerkonsum ist auch ein Grund für das steigende Übergewicht der Menschen in den Industrieländern. In den EU-Staaten hat sich die Zahl der Betroffenen seit den 1980er Jahren verdreifacht - Tendenz steigend. Der Anteil der krankhaft Übergewichtigen liegt einer OECD-Studie zufolge in den USA bei 34 Prozent aller Erwachsenen, in Großbritannien bei 23, in Deutschland bei 15, in Österreich bei 12, in der Schweiz bei 8 und in Japan bei 4.

Immer mehr Dicke in Entwicklungsländern
Aber auch in Entwicklungs- und Schwellenländern wie etwa Mexiko, China oder Südafrika werden immer mehr Menschen dick. Übergewicht gilt bereits als neue Epidemie der Armen - mit gravierenden gesundheitlichen Folgen. In Entwicklungsländern verdrängen importierte Fertigprodukte lokal erzeugte Getreide, Gemüse und Fleisch. Die Fertigprodukte enthalten meist viel Zucker, Fett und Salz, aber zu wenig Ballaststoffe, Vitamine und andere wichtige Nahrungselemente. Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) spricht bereits von einer Epidemie des Übergewichts. Weltweit sterben nach Angaben der WHO 3,4 Millionen Menschen pro Jahr an den Folgen. Übergewicht erhöht das Risiko, an Diabetes, Herzleiden und bestimmten Krebsarten zu erkranken. Bei Kindern hemmt es die Entwicklung.

"Wir sind schon froh, wenn der Trend nicht noch weiter nach oben geht", kommentierte der WHO-Mitarbeiter Leo Nederveen die Zahlen Ende 2014 anlässlich der Welternährungskonferenz in Rom. Wenn Gemeinschaften in Afrika, Lateinamerika oder Asien ihre eigenen Feldfrüchte durch Fertigpizza, Pommes Frittes, Eintopfkonserven und Schokoriegel ersetzen, ist das besonders riskant. Denn unterernährte Menschen sind besonders anfällig, Übergewicht zu bekommen, wie Nederveen erläuterte. Der Organismus hat sich auf Mangel eingestellt, die verfügbare Nahrung wird besonders effektiv genutzt. Wer dann zu viel isst, setzt schneller Fett an als Menschen, die sich ausreichend ernährt haben.

Gesundes meist teurer als Zuckerreiches
Für das katholische Hilfswerk Misereor sind Hunger und Übergewicht zwei Seiten von Armut und die Folge eines fehlgeleiteten Ernährungssystems, das von wenigen Konzernen dominiert wird. "Denn frische und gesunde Lebensmittel sind teurer als fett- und zuckerreiche Produkte", sagt Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel, der selbst lange in Brasilien lebte. In China und Mexiko hat sich laut Misereor der Anteil Übergewichtiger seit 1980 fast verdoppelt, in Südafrika um ein Drittel erhöht.

Die Industrie spielt auch aus Sicht der beiden UN-Organisationen eine Schlüsselrolle in dem Bemühen, die Ausbreitung von Fettleibigkeit zu bremsen. Freiwillige Regelungen seien häufig nicht ausreichend, notwendig seien gesetzliche Vorschriften, sagt Nederveen mit Blick auf die Fettsteuer auf besonders kalorienreiche Produkte in Mexiko.

"Steuern sind ein wichtiges Mittel, um den Konsum vor allem unter jungen Menschen zu reduzieren", sagt Spiegel. In Mexiko gelten mittlerweile 70 Prozent der Erwachsenen als übergewichtig. Die Herstellerfirmen wehren sich indes gegen Vorwürfe, für Übergewicht mitverantwortlich zu sein. Staatliche Regulierungen wie in Mexiko lehnt die internationalen Vereinigung der Lebensmittel- und Getränkehersteller (IFBA) ab. "Wir glauben nicht, dass Steuern die Lösung sind, denn sie senken nicht den Konsum, die Verbraucher entscheiden sich daraufhin nur für das billigere Produkt", sagt IFBA-Generalsekretär der Rocco Renaldi.

Mediathek: Allergie gegen Fleisch
Ein Zucker zwingt einen zum Vegetarier
Der Zucker Galactose-1,3-alpha-Galactose (alpha-Gal) kann bei Menschen zu Allergien gegen Fleisch führen.
Zucker
Süßer Süchtigmacher
"Hohe Mengen Zucker können Suchtverhalten auslösen", zitiert der Biologe Prof. Rainer Spanagel das Ergebnis von Versuchen an Ratten.
Mediathek
Zucker im Weltall
Dänische Forscher haben um den sonnenähnlichen Stern IRAS 16293-2422 den Zucker Glycolaldehyd entdeckt - und damit erstmals dort, wo Planeten entstehen könnten.