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Kind vor Plattenbau © dpa Video
Zur chronischen Geldnot kommen oft beengte Wohnverhältnisse hinzu
Ein Bündel an Problemen
2,1 Millionen Kinder unterhalb der Armutsgrenze
Jedes fünfte Kind unter 15 Jahren in Deutschland ist armutsgefährdet. Zu diesem Ergebnis kommt eine am 10. Mai 2015 in Gütersloh veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung.
Demnach wachsen 2,1 Millionen Jungen und Mädchen unterhalb der Armutsgrenze auf - also in Familien, die weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Netto-Einkommens zur Verfügung haben. 480.000 weitere Kinder leben knapp über der Armutsschwelle.

Die Studie kritisiert, die finanziellen Hilfen des Staates gingen häufig am tatsächlichen Bedarf vorbei und fingen Armut nur unzureichend auf. Die betroffenen Kinder seien materiell, aber auch sozial und kulturell benachteiligt.

Laut der Studie leben 20 Prozent der Kinder im Grundsicherungsbezug aus finanziellen Gründen in beengten Wohnverhältnissen gegenüber 3,9 Prozent der Kinder, die in gesicherten Einkommensverhältnissen aufwachsen. Drei von vier Kindern, deren Eltern Hartz-IV erhalten, können keinen Urlaub von mindestens einer Woche machen (übrige: 21 Prozent); 14 Prozent leben in Haushalten ohne Internet (übrige: 1 Prozent), 38 Prozent in Haushalten ohne Auto (übrige: 1,6 Prozent). Bei jedem zehnten Kind mit Bezug von Sozialhilfe besitzen nicht alle Haushaltsmitglieder ausreichende Winterkleidung (übrige: 0,7 Prozent).

Resignation und Erschöpfung bei den Eltern
Das Aufwachsen von Kindern in armutsgefährdeten Familien sei vielfach geprägt von einem Bündel an Problemen, heißt es in der Studie unter Berufung auf Familieninterviews der Frankfurter Armutsforscherinnen Sabine Andresen und Danijela Galic. Zu chronischer Geldnot kämen oftmals Krankheiten, Trennung der Eltern, beengte Wohnverhältnisse und unsichere Schulwege. Erziehung bedeute für die Eltern häufig das Erklären von Nein-Sagen und Verzicht. Das Gefühl fehlender Selbstbestimmung führe bei den Eltern oft zu Resignation und Erschöpfung.

Eltern, die von der Grundsicherung leben, klagen laut der Studie über zu viele behördliche Anlaufstellen, wechselnde Ansprechpartner und bürokratische Hürden. Das werde auch von den befragten Fachkräften aus Verwaltung und Bildungseinrichtungen bestätigt. Zeitmangel, bürokratische Hürden und verschiedene Zuständigkeitsbereiche erschwerten passgenaue Unterstützung.

Die Bertelsmann-Stiftung forderte ein Umdenken bei der Unterstützung von Familien. Wirksame Armutsbekämpfung müsse die Bedarfe der Kinder in den Mittelpunkt stellen, erklärte Vorstandsmitglied Jörg Dräger. Bislang konzentriere sich die Familien- und Sozialpolitik zu stark auf die Integration von Eltern in den Arbeitsmarkt. Empfehlenswert sei die Einrichtung zentraler Anlaufstellen mit festen Ansprechpartnern, die die jeweilige Familiensituation kennen. Zugleich sollten strukturelle Veränderungen Fachkräften mehr Entscheidungsspielräume und eine passgenaue Unterstützung ermöglichen.

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