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Frau an Mikroskop Video
Kanada möchte mit seiner Einwanderungspolitik vor allem Fachkräfte anwerben
Vorbild für viele Länder
Bei der Einwanderung gilt Kanada als fortschrittlich
Die Einwanderungspolitik in Kanada gilt als professionalisiert und ist auf das Anwerben von gut ausgebildeten und dringend gesuchten Arbeitskräften spezialisiert.
Immer wieder reisen deutsche Politiker nach Kanada, um mehr über die Einwanderungspolitik dort zu erfahren. Das nordamerikanische Land gilt vielen als Vorbild - aber Wissenschaftler sehen das kritisch.

Die 35 Millionen Kanadier geben in Befragungen mehr als 200 verschiedene ethnische Abstammungen an. Einwanderung ist nach wie vor der größte und wichtigste Beitrag zum Bevölkerungswachstum des Landes. 20 Prozent der Menschen in dem nordamerikanischen Staat sind nicht dort geboren. "Man könnte sich Kanada gar nicht ohne seine Einwanderer vorstellen", schreibt Harald Bauder, Leiter des Zentrums für Einwanderung und Besiedlung an der Ryerson-Universität in Toronto, in einer vor kurzem erschienenen Studie. "Einwanderung ist ein integraler Bestandteil der nationalen Identität."

Beobachtern auf der ganzen Welt gilt das Land seit langem als Vorbild - und auch deutsche Politiker reisen immer wieder nach Kanada, um mehr über die dortige Einwanderungspolitik zu erfahren. So war beispielsweise 2011 die damalige Flüchtlingsbeauftragte Maria Böhmer (CDU) in Kanada, ein Jahr später der Ausschuss für Integration des baden-württembergischen Landtags.

Kanada möchte vor allem qualifizierte Einwanderer
Die kanadische Einwanderungspolitik wendet sich - abgesehen von Flüchtlingen und Familiennachzug - vor allem an qualifizierte Arbeitskräfte. Die Qualifikation wird per Test und Punktesystem überprüft. Sprachkenntnisse und Bildungsgrad sind entscheidend, wer legal einwandern möchte, muss mindestens 67 von 100 Punkten erreichen. Wer schwere Verbrechen begangen oder ernsthafte finanzielle oder gesundheitliche Probleme hat, ist aus dem Rennen. Zusätzlich gelten aber auch noch Zielvorgaben, die Quoten ähneln. Die Regierung in Ottawa legt fest, wieviele qualifizierte Arbeitskräfte pro Jahr ins Land kommen dürfen und aus welcher Weltregion diese stammen sollen.

2013 beispielsweise kamen 250.000 Einwanderer nach Kanada. Waren es bis in die 1970er Jahre noch hauptsächlich Europäer, haben sich die Herkunftsländer inzwischen deutlich verändert: Die größte Gruppe der Zuwanderer - 34.000 Menschen - stammte 2013 aus China, auf den Plätzen folgten Indien, die Philippinen, Pakistan, der Iran und der südliche Nachbar USA. Aus Deutschland wanderten 1200 Menschen nach Kanada aus. Die Integration wird mit vor- und nachbereitenden Kursen gefördert.

Kanada rühmt sich seines scheinbar reibungslos funktionierenden Multikulturalismus. "Die Identität als Siedler-Gesellschaft beinhaltet, dass Neuankömmlinge nicht als Außenseiter, sondern als neue Mitglieder der Gemeinschaft behandelt werden", schreibt Wissenschaftler Bauder. Aber das gelte nicht für alle: Die Ureinwohner seien immer wieder stark benachteiligt und diskriminiert worden. In jüngster Zeit haben auch Terroranschläge wie der eines mutmaßlichen Islamisten, der im Oktober 2014 einen kanadischen Soldaten in der Hauptstadt Ottawa erschoss, Risse im Bild der vermeintlich so harmonisch funktionierenden Integration erscheinen lassen.

Die überwiegende Mehrheit der Kanadier sehe das nicht als organisierten Terrorismus, sagen zwar Beobachter. Aber die Sorge um die innere Sicherheit und das Misstrauen vor dem Islam stiegen an. Die konservative Regierung von Premierminister Stephen Harper, die seit ihrem Amtsantritt 2006 sowieso bereits an der Eindämmung der Einwanderung arbeitet, nimmt diese Sorgen dankbar auf.

Wissenschaftler sehen die kanadische Vorbildrolle in der Einwanderungspolitik denn auch kritisch. Länder wie Deutschland könnten zwar nach wie vor in einigen Punkten von Kanada lernen, schreibt Dagmar Soennecken von der York-Universität in Toronto. Aber Kanadas Einwanderungspolitik habe sich im vergangenen Jahrzehnt so sehr verändert und an die europäische angepasst, dass es zwischen der deutschen und der kanadischen Linie inzwischen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gebe.

Glossar
Kanada
Kanada wird von seiner Weite und seinen großen Natur-Reichtümern bestimmt. Es ist mit zehn Millionen Quadratkilometern nach Russland das zweitgrößte Flächenland der Erde.
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