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Leichenwagen © dpa Video
Das Mittelmeer wird für viele Flüchtlinge aus Afrika zu ihrem Grab
Mehr als 300 tote Flüchtlinge im Mittelmeer
Menschenhändler zwangen Flüchtlinge in die Boote
Bei einer Flüchtlingstragödie im Mittelmeer sind weit mehr Menschen ums Leben gekommen als anfangs angenommen.
Wie das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) und die Internationale Organisation für Migration (IOM) am 11. Februar 2015 unter Berufung auf Überlebende mitteilten, wurden mehr als 300 Todesopfer befürchtet. Die EU-Kommission forderte die Mitgliedstaaten auf, mehr für den Flüchtlingsschutz zu unternehmen.

Nach IOM- und UNHCR-Angaben waren am 7. Februar nahe der libyschen Hauptstadt Tripolis vier Schlauchboote mit jeweils mehr als hundert Flüchtlingen aus Afrika gestartet. Vermutlich zwei Tage später seien sie dann gekentert, sagte der IOM-Sprecher für Italien, Flavio Di Giacomo. "Zu Beginn waren sie etwa 420, deshalb dürfte die Zahl der Opfer bei etwa 330 liegen", fügte er hinzu.

Ein erstes Boot hatte die italienische Küstenwache am Morgen des 9. Februar in stürmischer See aufgebracht. Von den Passagieren starben 29 an Erfrierungen, 22 davon an Bord des Patrouillenboots auf dem Weg zur italienischen Insel Lampedusa. Ärzte, die an der Rettungsaktion beteiligt waren, warfen den italienischen Behörden vor, dass mit einem größeren Marineschiff viel mehr Menschen hätten gerettet werden können.

Den Berichten der Überlebenden zufolge kenterte ein zweites Boot, ein drittes verlor Luft und sank. Mehr als 200 Menschen, die auf diesen Booten waren, ertranken demnach. Das UNHCR und die IOM befürchteten, dass auch das vierte noch vermisste Boot mit hundert Menschen an Bord im Sturm sank.

Die Boote starteten trotz schlechten Wetters
Der UNHCR-Sprecher für Europa, Vincent Cochetel, sprach von einer "Tragödie enormem Ausmaßes". Diese Leben zu retten, müsse "oberste Priorität" haben. Europa könne sich "nicht erlauben, zu wenig und zu spät zu handeln". UNHCR und IOM übten zudem heftige Kritik an "skrupellosen Menschenhändlern". Diese hätten die Flüchtlinge ungeachtet des schlechten Wetters mit acht Meter hohen Wellen und Windgeschwindigkeiten von 120 Stundenkilometern mit vorgehaltenen Pistolen in die Boote gezwungen.

EU-Kommissionssprecherin Natasha Bertaud sagte, beim Flüchtlingsschutz müssten Kommission und Mitgliedsländer besser zusammenarbeiten. Es seien mehr Hilfsgelder nötig. Das Budget für die EU-Grenzagentur Frontex in Höhe von 2,9 Millionen Euro im Jahr reiche dafür nicht aus.

Das neuerliche Flüchtlingsdesaster verdeutlicht ein Mal mehr die Grenzen der EU-Mission "Triton". Bis zum November 2014 hatte die italienische Marine mit ihrer Aktion "Mare Nostrum" tausende Schiffbrüchige zum Teil schon vor der libyschen Küste aufgegriffen. Nachdem sich die EU-Partner nicht substanziell an den Kosten von monatlich neun Millionen Euro beteiligen wollten, stellte Rom die Aktion ein. Die Triton-Patrouillen sind weitgehend auf die EU-Gewässer begrenzt, reichen also nicht bis vor die libysche Küste.

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