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Sprachunterricht Video
Jede Woche geben Studenten Flüchtlingen im Landkreis Eichstätt Deutschkurse
Hilfe steht auf dem Stundenplan
Studenten unterstützen Flüchtlinge vor Ort
Die Universität Eichstätt ist die erste Hochschule in Deutschland, die das Fach "Flüchtlingshilfe" anbietet - in Theorie und Praxis.
Die Uni möchte mit dem Studienmodul "tun. starthilfe für flüchtlinge" auf eine Gesellschaft im Wandel vorbereiten. "Für die Integration ist es wichtig, dass sie Menschen haben, die sensibel mit dem Thema umgehen können", sagt Universitätspräsidentin Prof. Gabriele Gien. Es sei wichtig, dass Menschen den Mehrwert einer interkulturellen Gesellschaft schätzen lernen und die Potenziale der Menschen erkennen. "Wenn sie schauen, welche Menschen hier in der Erstaufnahme leben, ist das wissenschaftlich sowie im Bereich der Fachkräfte ein enormer Mehrwert." Zudem seien besonders Studierende noch in der Lage, ihre Perspektiven zu wechseln und neue Erfahrungen zu machen.

Die Studenten entscheiden sich zu Beginn des Semesters für einen der vier Aufgabenbereiche: Deutschunterricht, individuelle Begleitung, Öffentlichkeitsarbeit oder Organisation. Die meisten der rund 100 Studenten gehen als Sprachlehrer in Flüchtlingsunterkünfte im Landkreis Eichstätt oder sie unterstützen als individuelle Begleiter die Flüchtlinge etwa bei Behördengängen.

Außerdem besuchen alle Teilnehmer die interdisziplinäre Ringvorlesung sowie Gruppentreffen des Studienmoduls. Dabei geht es darum, ihre Erfahrungen wissenschaftlich zu vertiefen. "Die Erfahrung, die Studierende machen, sollen sie in einem Kontext machen, der in einer reflektierten und geleiteten Praxis steht", sagt Gien. Viele der Flüchtlinge haben einen schweren Weg hinter sich und kommen traumatisiert hier an. Auf solche Situationen müssen die Studenten vorbereitet sein. Diese Erfahrungen, die nicht immer leicht sind, noch einmal zu reflektieren, sei im Kontext des Studienmoduls besonders gut möglich, so Gien.

"tun" bereitet auch auf das Arbeitsleben vor
Gabriele Gien hat das Studienmodul von Anfang an mit entwickelt und aufgebaut. Sie weiß, dass sich auch nach dem Kurs immer noch viele der Studenten ehrenamtlich bei "tun" engagieren. Das Besondere: Das Studienmodul ist auch aus einer ehrenamtlichen Initiative der Studenten entstanden.

Für Gien leistet tun darüber hinaus einen entscheidenden Beitrag dazu, junge Menschen während ihrer Ausbildung auf die Zukunft im Arbeitsleben vorzubereiten - zum Beispiel auch in großen Unternehmen. Immer öfter müssten Mitarbeiter mit ausländischen Kollegen zusammen arbeiten oder auch ins Ausland gehen. Insofern sei es wichtig, auf Traditionen und Gepflogenheiten anderer Kulturen einzugehen. "Da muss man bestimmte Dinge wissen, damit Kooperationen funktionieren", sagt Gien. "Das sind Dinge, die nimmt man bei solchen Projekten fast spielerisch mit. Insofern sehe ich das als genuinen Baustein einer universitären Ausbildung an."

Seit dem Wintersemester 2013 können Studierende aller Fachrichtungen an der Uni Eichstätt das Studienmodul "tun.starthilfe für flüchtlinge" belegen. Im Rahmen des interdisziplinären Moduls sollen sich die Studenten einerseits praktisch engagieren und andererseits ihr Wissen und ihre Erfahrungen wissenschaftlich vertiefen und reflektieren. Andere Unis interessieren sich auch dafür, das Modul in den Lehrplan aufzunehmen.

Glossar
"Königsteiner Schlüssel"
Jedes deutsche Bundesland muss einen genau bestimmten Anteil von Asylbewerbern in seinen Erstaufnahme-Einrichtungen aufnehmen.
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