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Mann macht Liegestütze © dpa Video
Sport hält gesund - diese Binsenweisheit soll in Deutschland Gesetz werden
Vorsorge vermieden
Krankenkassen bekämpfen Präventionsgesetz
Der Bremer Gesundheitsökonom Prof. Gerd Glaeske befürchtet, dass das von der deutschen Regierung geplante Präventionsgesetz wenig verändern wird.
Vieles werde auf dem Papier stehen, aber wenig umgesetzt. "Ein Präventionsgesetz kann nicht existieren, ohne dass der Staat sich mit denjenigen anlegt, die gegen Prävention sind." Pharmaindustrie, Ärzteschaft und Krankenhäuser hätten kein Interesse an Prävention, befürchtet auch Unnaer Präventionsmediziner Ingo Froböse.

"Wir müssen Nutzen und Risiko der Vorsorgeuntersuchungen stärker hinterfragen als bisher", sagte Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. Studien zu Screening-Programmen zeigten, dass sich die Zahl der Todesfälle durch derartige Untersuchungen nur geringfügig senken lasse. Nötig sei eine wissenschaftliche Analyse aller Statistiken.

Krankenversicherte zu mehr Prävention ermuntern
Die Union will Krankenversicherte mit finanziellen Anreizen locken, mehr für ihre eigene Gesundheit zu tun. Denkbar seien zum Beispiel zusätzliche Unterstützungen für Präventions- und Vorsorgeleistungen und Anreize für Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten, sagte Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein (CSU). "Wir wollen die Bereitschaft des Einzelnen, etwas für seine Gesundheit zu tun, weiter fördern."

Mehrere Anläufe für ein Präventionsgesetz waren gescheitert, zuletzt kurz vor der Bundestagswahl 2013. "Wir werden noch 2014 ein Präventionsgesetz vorbereiten, das insbesondere die Prävention und Gesundheitsförderung in Lebenswelten wie Kita, Schule, Betrieb und Pflegeheim und die betriebliche Gesundheitsförderung stärkt und alle Sozialversicherungsträger einbezieht", sagte Nüßlein.

Es gehe darum, mit Prävention bereits bei Kindern und Jugendlichen anzusetzen. In diesem Alter würden sich schließlich die wesentlichen gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen herausbilden, sagte Nüßlein: "Gesundheitsschädigende Lebensgewohnheiten wie zum Beispiel Tabak- oder Alkoholkonsum in jungen Lebensjahren sind Risikofaktoren für zum Teil schwerwiegende Erkrankungen im späteren Leben."

Gröhe will die Angebote der Kassen überprüfen
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat dafür plädiert, die Angebote der Krankenkassen zu Vorbeugung und Gesundheitsförderung auf den Prüfstand zu stellen. "Manches, was heute noch als Prävention läuft, lässt sich eher unter den Stichworten Mitgliederbindung oder Öffentlichkeitsarbeit zusammenfassen", sagte Gröhe. Vorbeugung und Gesundheitsförderung müssten unter Qualitätsgesichtspunkten erfolgen - erst recht, wenn dafür mehr Beitragsmittel eingesetzt werden sollten.

Trotz aller Aufrufe zu mehr Krankheitsvorbeugung haben die gesetzlichen Krankenkassen 2012 deutlich weniger für Prävention und Gesundheitsförderung ausgegeben. Die Ausgaben sanken von 2011 um 32 Millionen auf 238 Millionen Euro. Mit im Schnitt 3,41 Euro pro Versichertem sei ein vorgeschriebener Richtwert von 2,94 Euro aber deutlich überschritten worden, heißt es in dem Präventionsbericht 2013 der Kassen und ihres Medizinischen Dienstes.

Kurse für die einzelnen Versicherten etwa für mehr Bewegung, gegen Stress oder gegen das Rauchen kosteten die Kassen 164 Millionen Euro - rund 20 Prozent weniger als im Vorjahr. 1,3 Millionen Versicherte nahmen teil. Mehr Geld nahmen die Kassen 2012 dagegen für Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz in die Hand: 46 Millionen nach 42 Millionen Euro im Jahr zuvor. Die Ausgaben für Projekte in Kindertagesstätten, Schulen und bestimmten Wohngebieten stiegen um 21 Prozent auf 28 Millionen Euro. 2,5 Millionen Menschen seien hier direkt erreicht worden.

Allerdings sei der Anteil der Einrichtungen, die von Krankenkassen erreicht würden, hier sehr unterschiedlich: rund ein Drittel aller Realschulen und Gymnasien, knapp ein Drittel der Kitas und Grundschulen und nur knapp ein Fünftel der Haupt- und Förderschulen.

Insgesamt geht es bei Prävention vor allem um die Eindämmung von Volkskrankheiten. 60 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen in Deutschland gelten als zu dick. Stress nimmt für viele immer weiter zu. 9,5 Millionen Menschen in Deutschland trinken laut offiziellen Zahlen gefährlich viel. 31 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen rauchen. Bei den sozial Schwächeren sind die Risiken laut Experten größer.

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