nano
Kalender
Dezember 2018
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
26
27
28
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
06
Handwerker Video
So wenige Ausbildungsverträge wie in 2013 gab es seit 1990 nicht mehr
Lieber Hörsaal statt Werkbank
Mehr Menschen begannen 2013 Studium als Lehre
2013 gab es zum ersten Mal mehr Studienanfänger als neue Lehrlinge. Seit 1990 wurden nie so wenige Ausbildungsverträge geschlossen.
Der Wissenschaftsrat warnt davor, Hochschulstudium und betriebliche Lehre gegeneinander auszuspielen. Beide Bildungsbereiche seien wichtig. Beide Bereiche müssten sich weiterentwickeln. "Das Ausbildungsprofil aller Berufe muss insgesamt verschoben werden hin zu mehr wissensbasierter Qualifikation", sagte der Vorsitzender des Expertengremiums, Wolfgang Marquardt, bei der Vorstellung von Empfehlungen zur "Balance" von Studium und betrieblicher Ausbildung im April 2014.

Gefordert wird darin mehr Berufsorientierung schon in der Oberstufe der Gymnasien, mehr Durchlässigkeit zwischen den Bildungsbereichen, die gegenseitige Anerkennung erbrachter Leistungen, mehr kombinierte Ausbildungen in Betrieb und Studium sowie Hilfen für Studienabbrecher beim Wechsel in eine Lehre.

Auslöser der Debatte sind Warnungen aus der Wirtschaft und von konservativen Politikern, weiter steigende Studienanfängerzahlen und eine zunehmende Akademisierung der Gesellschaft gefährdeten das deutsche System der betrieblichen Berufsausbildung. Mit mehr als 500.000 Erstsemestern hatten 2013 Jahr erstmals mehr junge Menschen ein Studium aufgenommen als 482.000, die eine Lehre neu begannen. Dazu hatten allerdings auch die doppelten Abiturientenjahrgänge in Folge der Schulzeitverkürzung beigetragen.

Marquardt sagte, niemand könne heute eine Quote nennen, wie viele betrieblich Ausgebildete und wie viele Akademiker der Arbeitsmarkt in Zukunft benötige. "Beide Beine müssen kräftig sein und beide Beine gut koordiniert voranschreiten, um die wirtschaftliche Entwicklung auch in Zukunft tragen zu können." Es gehe darum, für die Gewinnung von Fachkräften "alle gesellschaftlichen Talentpotenziale zu erschließen".

Wissenschaftsrat plädiert für mehr Durchlässigkeit
Der Wissenschaftsrat fordert mehr Durchlässigkeit: Unter anderem schlägt er vor, bei der Studienzulassung von Nicht-Abiturienten auf die in der Regel noch übliche Fachbindung der bisherigen Ausbildung zu verzichten. Praktisch heißt das, dass ein Mechatroniker auch Germanistik studieren kann. Es handele sich hierbei meist um besonders hochmotivierte Studieninteressenten, sagte Marquardt.

Der Wissenschaftsrat geht allerdings davon aus, dass der Studentenanteil beruflich Qualifizierter ohne Abitur in Deutschland weiter eher gering bleiben wird. Für bedeutsamer hält er dagegen die Entwicklung "hybrider Ausbildungsformate", etwa duale Studiengänge von Hochschule und Betrieb oder berufliche Bildungsgänge, die mit wissenschaftlichen Modulen angereichert werden.

Zugleich regt er regionale Kooperationsplattformen an, wo Schulen, Hochschulen, Kammern, Betriebe und Arbeitsagenturen zusammenarbeiten und örtlich abgestimmte Bildungs- wie Weiterbildungsangebote entwickeln sollen. Die im April 2014 vorgelegten Empfehlungen sind der erste Teil einer insgesamt vierteiligen Serie des Wissenschaftsrates, die sich mit beruflicher und akademischer Bildung befasst.

Die IG Metall nannte die vom Wissenschaftsrat geforderte Aufwertung der dualen Ausbildung als "bitter notwendig". IG-Metall-Chef Detlef Wetzel sagte dem "Handelsblatt": "Berufliche Qualifikationen müssen auch in Zukunft das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden. Die Arbeitgeber haben es selbst in der Hand, eine schleichende Erosion des Berufsbildungssystems durch eine einseitige Akademisierung zu vermeiden." Die Betriebe müssten wieder mehr ausbilden und stärker um Nachwuchs werben.

mehr zum Thema