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In Städten ist die Trennung von Kindern nach Herkunft in Schulen der Normalfall
Die Mischung macht's
Personal für Schulen mit hohem Zuwandereranteil
Integrationsexperten halten nichts von einer Zwangsdurchmischung von Migrantenkindern mit denen deutscher Eltern. Eine Öffnung sei aber notwendig.
Lehrer müssten fortgebildet werden, um mit der sprachlichen und kulturellen Vielfalt ihrer Klassen umgehen zu lernen, heißt es in einer im Juli 2013 vorgestellten Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Benötigt würden zudem attraktive Angebote mit außerschulischen Kooperationspartnern, bei denen auch die Eltern eingebunden werden könnten. Nicht zuletzt verlangt die Studie mehr Geld und Personal und schlägt für die Verteilung einen Sozialindex vor: Je problematischer eine Schule, desto mehr Ressourcen soll sie bekommen.

Der Leiter des SVR-Forschungsbereichs Jan Schneider erhofft sich, auf diese Weise Schulen auf Dauer so zu verbessern, dass sie wieder für alle Eltern attraktiv werden. Beispiele hätten gezeigt, dass eine verordnete Durchmischung der Schülerschaft nur zu mehr Vermeidungsstrategien der Eltern und gesellschaftlichen Konflikten führt, erklärte Schneider. So sei beispielsweise in Wuppertal, nachdem die Schulbezirksgrenzen in der Hoffnung einer besseren Mischung an den Schulen aufgelöst wurden, die Segregation um zehn Prozent angestiegen.

In Großstädten funktioniert die Durchmischung nicht
Eine Trennung der Schülerschaft ist vor allem ein Problem in Großstädten. Die Studie stützt sich auf Daten der Schulleistungsuntersuchungen IGLU und TIMSS von 2011: In Städten wie Berlin und Frankfurt am Main besuchen 70 Prozent der Grundschüler mit Migrationshintergrund eine Klasse, in der mehrheitlich Schüler nichtdeutscher Herkunft sind. Bei den Grundschülern ohne Migrationshintergrund sind es lediglich 17 Prozent.

Schneider sagte, die Schüler in Klassen mit hohem Zuwandereranteil seien überdurchschnittlich oft von schlechteren Lern- und Arbeitsbedingungen betroffen. Zwar bedeute Migrationshintergrund nicht gleich leistungsschwach. Weil Kinder an solchen Schulen aber oft aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien stammten, fänden sich auch oft leistungsschwache Klassen an solchen Schulen.

Bildungsnahe meiden Schulen mit Zuwanderern
40 Prozent aller Erst- bis Viertklässler mit Migrationshintergrund werden der Studie zufolge in leistungsschwachen Klassen unterrichtet. Der Anteil der Schüler ohne Migrationshintergrund beträgt in diesen Klassen nur 5,7 Prozent. Als Ursache für diese Trennung macht die Studie an erster Stelle die bestehende Trennung durch den Wohnort vetrantwortlich. Durch die elterliche Schulwahl werde das Problem allerdings verschärft: Vor allem bildungsnahe, gut informierte Eltern meiden Schulen mit hohem Zuwandereranteil.

Im April 2013 hatte EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou die EU-Staaten aufgefordert, Migrantenkinder stärker zu fördern. Sie warnte vor einem Teufelskreis, "in dem Benachteiligung zu schwachen Schulleistungen und einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Arbeitslosigkeit und Armut" führe.

Eine Erhebung der EU-Kommission hat Maßnahmen zur Förderung neu zugewanderter Kinder mit Migrationshintergrund in 15 EU-Ländern untersucht, darunter auch Deutschland. Das Modell Dänemarks und Schwedens, das sich durch eine gezielte Förderung und einen angemessenen Grad an Autonomie für die Schulen auszeichne, schneidet demnach am besten ab.

Neu zugewanderte Schüler mit Migrationshintergrund erleben häufiger Ausgrenzung und besuchen mit höherer Wahrscheinlichkeit als ihre Altersgenossen schlecht ausgestattete Schulen. Die Folge sind schwache Schulleistungen und ein erhöhtes Schulabbruch-Risiko.

Kinder fördern
Ein guter Start
Von einer guten Mischung von deutschen und Einwandererkindern profitieren alle - Kinder mit Bildungsdefiziten mehr, doch auch die übrigen.
Benachteiligte Migrantenkinder
Schlecht in der Schule
Kinder ausländischer Abstammung erreichen in der Schule immer noch deutlich schlechtere Abschlüsse als ihre deutschen Mitschüler.
Benachteiligte Migranten
Schlau und trotzdem "nur" Hauptschule
Jugendliche mit Migrationshintergrund besuchen deutlich seltener ein Gymnasium als gleichaltrige deutsche Kinder.
Bildungsbericht: schlechte Noten
Noch immer keine gleichen Chancen
Zehn Jahre nach dem Pisa-Schock gilt die Chancengerechtigkeit in deutschen Schulen immer noch als ungenügend.