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Gespräch Video
Bisher ist nicht klar geregelt, wer Kranken wie beim Sterben helfen darf
Den Todeswunsch unterstützt
Schwerstkranke wenden sich oft an Sterbehelfer
Im Jahr 2013 hat es in Deutschland mindestens 155 Fälle von begleiteten Suiziden bei Schwerstkranken gegeben.
Nach Angaben des ARD-Magazins "Report Mainz" vom 14. Januar 2014 beruht die Zahl auf Angaben von zwölf Sterbehelfern in Deutschland, die überwiegend anonym tätig seien. "Report Mainz" zitiert in einem am selben Tag ausgestrahlten Beitrag unter anderem einen pensionierten Schulleiter, der nach eigenem Bekunden seit 2005 jährlich vier bis fünf Menschen zum Tod verholfen hat, meist durch die Beschaffung eines Medikamentencocktails. Eine Woche zuvor hatte der Gründer des Vereins "SterbeHilfe Deutschland", der frühere Hamburger Justizsenator Roger Kusch, erklärt, sein Verein habe im vergangenen Jahr 40 Menschen beim Suizid geholfen.

Der Münchner Medizinrechtler Wolfgang Putz bezeichnete diese Form des assistierten Suizides als "absolut legal". Putz, der ein Grundsatzurteil vor dem Bundesgerichtshof zum Patientenverfügungsrecht durchgefochten hatte, sagte dem Magazin, der zitierte Pädagoge handle "vollkommen rechtmäßig", wenn er nur freiverantwortlichen Patienten helfe. "Es kommt einzig und allein darauf an, ob der Patient, der den Suizid begehen möchte, freiverantwortlich ist und wohlüberlegt handelt", sagte Putz.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will diese Form der organisierten Sterbehilfe unter Strafe stellen. Gröhe steht damit in einer Reihe mit prominenten Unionsvertretern und auch mit dem ehemaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering.

Einen Bedarf an ärztlich assistiertem Suizid bei Schwerstkranken dokumentiert dagegen eine Studie des Instituts für Medizinethik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Von 66 schwerstkranken Patienten, die an der Muskellähmung Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) litten, bekannten 42 Prozent, an Suizid zu denken, so der Sender. 50 Prozent könnten sich vorstellen, ihren Arzt um Suizidhilfe zu bitten.

Gleichzeitig belegten die Patienteninterviews, dass sich fast niemand traue, seinen Arzt darauf anzusprechen. Der Leiter der Studie, Ralf Jox, sagte, Gespräche über Suizidhilfe seien "ein Tabu im Verhältnis zwischen Arzt und Patient". Ein striktes Verbot der Suizidhilfe werde diesen Schwerstkranken nicht gerecht. Jox plädierte für eine Regelung mit klaren Bedingungen und Kontrollen, die den Ärzten die Suizidhilfe ermöglichen solle. Eine solche Regelung müsse sowohl Rechtssicherheit bieten als auch "die Sorgen und Ängste der Patienten, ihre Autonomie ernst nehmen".

Glossar
Sterbehilfe
Bei der rechtlichen Beurteilung der Sterbehilfe wird zwischen aktiver, indirekter und passiver Sterbehilfe sowie der Beihilfe zur Selbsttötung unterschieden.