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Handschuh für Taubblinde Video
Sensoren am Handschuh die Kommunikation Taubblinder unterstützen
Reden durch Berühren
Handschuh soll Taubblinden den Alltag erleichtern
Tom Bieling hat den Prototypen eines Handschuhs entwickelt, mit dem Taubblinde kommunizieren können sollen. Er dient der speziellen Form der Kommunkation, dem "Lormen".
Beim "Lormen" wird durch Streichen und Tasten Buchstabe um Buchstabe in die Hand des Taubblinden geschrieben. Der Handschuh überträgt der Lorm-Signale auf ein Smartphone und wandelt sie so um, dass Nicht-Taubblinde sie auch beantworten können. Kleine Motoren an der Rückseite des Handschuhs dienen dazu, die Nachrichten zu empfangen.

Ausgangsfrage für Bieling sei gewesen, wie man mit Technik Lebensumstände wie eine Behinderung, die man häufig als gesetzt wahrnimmt, verändern oder aushebeln kann, so Bieling von der Berliner Universität der Künste.

Behindertenverbänden forden Merkzeichen "Tbl"
Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland 2500 bis 6000 Taubblinde, die aus ihrer Sicht nicht angemessen mit Hilfsmitteln oder Assistenzleistungen versorgt werden. "Wenn man taubblind ist, dann muss man ganz andere Strategien entwickeln, um ein Hemd zu bügeln, einen Tee zu kochen, Geld zu zählen oder ein Glas einzugießen", sagt Irmgard Reichstein, Gründerin der Stiftung "Taubblind leben". Kommunikationstrainings, spezifische Hilfsmittel, Trainings praktischer Fähigkeiten oder Assistenzen würden aber oft nicht genehmigt oder hartnäckig abgelehnt, kritisiert sie. Oft helfe nur eine Klage.

Seit mehreren Jahren fordern Organisationen daher das Kennzeichen "Tbl" für die Schwerbehindertenausweise. "Solche Merkzeichen dienen dem Nachweis, dass man das Recht auf bestimmte Nachteilsausgleiche oder Sozialleistungen hat", erklärt der Sprecher des Blinden- und Sehbehindertenverbandes, Volker Lenk. Aber auch für die Kleidung sei ein Erkennungszeichen wichtig, ergänzt Dieter Zelle. Das würde aus seiner Sicht zu weniger Irritationen fremder Menschen auf der Straße führen.

Nur mit Schwierigkeiten können Taubblinde mit anderen Menschen kommunizieren. Viele sind gehörlos geboren und um Laufe ihres Lebens erblindet. Daher beherrschen sie oft die Gebärdensprache. Um andere Menschen zu verstehen, müssen sie ihre auf die Hände des Anderen legen und die Gebärden ertasten. Eine andere Möglichkeit ist das Lormen.

Arztbesuche oder Einkaufen - für viele Taubblinde sind diese Dinge ohne Hilfe unmöglich. "Einen großen Teil fangen die Familien auf", sagt die Vorsitzende des Taubblinden-Assistentenverbandes, Stephanie Hauke. Ausgebildete Assistenten seien in Deutschland selten, der Verband habe etwa 80 Mitglieder. Die meisten arbeiten laut Hauke ehrenamtlich oder für eine geringe Aufwandsentschädigung.

Bundesländer haben keine einheltliche Haltung
Nordrhein-Westfalen sei immerhin das erste Bundesland, in dem Krankenkassen für alle Kassenleistungen einen Assistenten genehmigen. Mit Bayern liefen derzeit Verhandlungen. Auch Baden-Württemberg habe Interesse signalisiert. Eine bundesweit anerkannte Ausbildung für Assistenzen gebe es nicht, kritisiert Hauke. Nur in Nordrhein-Westfalen und Bayern liefen Modellprojekte.

Ein Grund dafür dass es noch immer kein "Tbl"-Merkzeichen und keine Regelungen für Hilfsleistungen gibt, ist laut Bundessozialministerium die Haltung zahlreicher Bundesländer. Diese hätten sich gegen den Vorschlag ausgesprochen, zunächst die Merkzeichen einzuführen und dann Regelungen zu schaffen, teilte eine Sprecherin mit. Viele Länder fordern demnach, beide Schritte gleichzeitig umzusetzen. Das Ministerium wolle nun neue Erkenntnisse einer Studie über die Bedürfnisse Taubblinder auswerten und dann mit den Ländern und Verbänden Gespräche aufnehmen.

Glossar
Die Gebärdensprache
Die Gebärdensprache ist die Sprache der Gehörlosen und Schwerhörigen. Sie funktioniert anders als die Lautsprache und besitzt vor allem eine eigene Grammatik.