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Mechaniker untersucht Auto Video
Für die Vergabe von TÜV-Zertifikaten gibt es sehr unterschiedliche Kriterien
Expertise auf dem Prüfstand
Kritiker fordern strengere Kritierien für TÜV-Siegel
Der TÜV-Rheinland gehört zu den weltweit führenden Prüfdienstleistern für Produkte aller Art. Kritiker fordern strengere Kriterien für TÜV-Siegel.
Zwar ist der Technische Überwachungsverein (TÜV) Autobesitzern eher bekannt als Kfz-Prüfstelle, die jährlich die Sicherheit von 8,5 Millionen Fahrzeugen unter die Lupe nimmt. Doch er überprüft auch Produktionsprozesse und Projekte in kleinen wie großen Unternehmen. Die Gruppe, die zum Prüfverbund TÜV Rheinland Berlin Brandenburg Pfalz e.V. gehört, ist praktisch in allen Branchen der Welt aktiv: Ob im Handel oder Bau, Luftfahrt, Auto, IT-Sicherheit, Bildung oder Gesundheit - überall sind die TÜV-Experten unterwegs.

Sie zertifizieren Ökostrom und Fitnessstudios, prüfen Maschinen, Anlagen, Motoren und erforschen neue Technologien. Das TÜV-Siegel soll am Ende für Sicherheit und Qualität bürgen. Technik - so heißt es in der Selbstdarstellung der Gruppe - müsse Menschen, Unternehmen und Umwelt nutzen und dürfe nicht schaden. Heute beschäftigt der TÜV Rheinland, der vor 140 Jahren in Wuppertal gegründet wurde, um die Sicherheit von Dampfkesseln zu prüfen, in 65 Ländern rund 17.200 Menschen. 2012 erwirtschafteten die Kölner einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro.

Kritiker wie der Risikomanagement-Experte und Versicherungsanwalt Wolfgang Kobisch aus Rheinberg bei Düsseldorf bemängeln, dass der TÜV für einige Bereiche eigene Prüfkriterien entwickelt. Nur wenn Produktprüfungen wie beim Auto gesetzlich vorgeschrieben sind, werden sie vorgegeben und bei der Deutschen Akkreditierungsstelle GmbH hinterlegt. Das ist eine Schwachstelle im System, sagt Kobisch, so könnten es sich die Tester leicht machen.

Gericht: TÜV trägt Mitschuld an Implantate-Skandal
Im Skandal um minderwertige Brustimplantate hat ein Gericht erstmals eine Verantwortung des TÜV Rheinland festgestellt. Rund 1600 betroffene Frauen und sechs Händler hatten gegen den deutschen Prüfdienstleister geklagt. Sie können jetzt auf Geld hoffen. Aus Sicht des Gerichts im französischen Toulon verletzte der TÜV seine "Pflicht zur Kontrolle und Wachsamkeit" bei den Implantaten aus Frankreich. Das Unternehmen müsse nun "den Schaden der Importeure und der Opfer" ausgleichen, entschied die Kammer am 14. November 2013.

Der TÜV hatte im Auftrag des inzwischen insolventen Herstellers "Poly Implant Prothèse" (PIP) dessen Produktion zertifiziert. Dabei prüfte der TÜV Unterlagen und die Qualitätssicherung des Unternehmens, allerdings nicht die Implantate selbst.

Den Prüfern war wegen Zertifizierung der Implantate Schlamperei vorgeworfen worden. Die Kläger wollen zusammen rund 53 Millionen Euro Schadenersatz. Den klagenden Frauen vor allem aus Südamerika, aber auch aus Frankreich und Großbritannien, sprach das Gericht jeweils 3000 Euro Schadenersatz zu. Gefordert hatten sie je 16.000 Euro.

TÜV-Rheinland will gegen Urteil in Berufung gehen
Der TÜV Rheinland bezeichnete das Urteil als "schockierend". Die Entscheidung der Gerichts wolle das Unternehmen nicht hinnehmen: "Wir werden auf jeden Fall in Berufung gehen", sagte ein TÜV-Sprecher. Das Urteil widerspreche "der Rechtslage, der Position des Staatsanwaltes in Toulon und allen Urteilen, die bisher gesprochen wurden".

Der Staatsanwalt hatte die Frage aufgeworfen, ob das Verfahren in Toulon der richtige Ort für die notwendige Entschädigung der Opfer sei. Ein Anwalt der Händler sprach nach dem überraschenden Urteil dagegen von einem "großen Moment". Die Entscheidung sei ein "Durchbruch für die Opfer". Weltweit haben Chirurgen Schätzungen zufolge hunderttausenden Frauen minderwertige Silikonkissen implantiert, in Deutschland sind mehr als 5000 Frauen betroffen.

Der TÜV hat eine Verantwortung stets zurückgewiesen. Das Unternehmen sieht sich selbst als Opfer des insolventen Unternehmens. Entsprechende Entscheidungen gab es bereits von deutschen Gerichten. Auch in Toulon wurde betont, der TÜV habe sich an die Vorschriften gehalten und werde dies auch weiterhin aufzeigen.

Der Prozess war Teil einer Reihe von Verfahren in dem Betrugsfall. PIP-Gründer Jean-Claude Mas sowie frühere Mitarbeiter sind vor einem Strafgericht in Marseille angeklagt. Dort ist ein Urteil für Dezember 2013 angekündigt.