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Bernd Kramer beweist, dass eigentlich jeder "hellsehen" kann, wenn er will
Wir wollen aberglauben
Bernd Kramer: Esoterik ist voller Täuschungen
"Die Kunden werden getäuscht und die Anbieter täuschen sich auch selbst über ihre Fähigkeiten", sagt der Berliner Journalist Bernd Kramer über die Esoterikbranche.
"Vielen Esoterikanhängern ist nicht klar, dass sie viele Effekte selbst produzieren", unterstreicht er. "Stattdessen glauben sie an besondere Fähigkeiten und Talente des Anbieters - das ist das Tückische."

"Unser Gehirn arbeitet nicht per se rational", unterstreicht der Bamberger Neurowissenschaftler Thomas Grüter. "Wir vergleichen die Dinge, die wir sehen und erleben, mit dem, was eine Wahrsagerin gesagt hat. Wenn sie uns einen großen dunklen Mann prophezeit hat, dann halten wir nach großen dunkeln Männern Ausschau."

15 Prozent der Deutschen sind Esoterikanhänger. Warum das so ist, dem wollte Bernd Kramer auf den Grund gehen. In einem Selbstversuch hat er über mehrere Monate verschiedene esoterische Angebote ausprobiert.

Kramer tingelte über Messen und durch Hotlines
Bernd Kramer Lupe
Bernd Kramer hat nichts überrascht
Auf Sie hat die Esoterik "unecht und lügnerisch" gewirkt. Was ist Ihnen am meisten negativ aufgestoßen?
Kramer: Vieles wird durcheinandergeworfen - mal kommt etwas religiös daher, dann wieder technisch. So trifft man bei Esoterikmessen immer wieder auf einen Apparat, mit dem man angeblich die Aura messen kann. Das wirkt auf mich völlig absurd. Was ich sehr bedenklich finde, sind Angebote wie Astro-Hotlines. Nachdem ich selbst einmal bei einem Astroportal als vermeintlicher Berater in Erscheinung getreten bin, habe ich den Eindruck, dass da in großem Stil und unbemerkt von der Öffentlichkeit Menschen abhängig gemacht und geschädigt werden.

Sie sind sogar als Anbieter von "Aura-Restrukturierung" auf einer Esoterikmesse aufgetreten, mit einem zum "Transzendenzzapfen" umdeklarierten Weihnachtsanhänger. Und hatten Erfolg. Wie erklären Sie sich das?
Kramer: Ich habe mich auch gewundert. Am ersten Tag hatte ich Angst, dass ich von den etablierten Anbietern enttarnt würde. Das war unbegründet. Die Leute gehen mit bestimmten Erwartungen zu einer solchen Veranstaltung und erkennen nicht, dass da mit Alltagsgegenständen gearbeitet wird. Die Besucher erwarten etwas - und spüren dann auch tatsächlich etwas, etwa ein Kribbeln in der Hand.

Haben Sie auch erlebt, dass christliche Inhalte in esoterischen Ansätze aufgenommen wurden?
Kramer: Das Problem ist, dass die Grenze fließend ist. So fällt für mich auch der Kult um vermeintliche Marienerscheinungen in den Bereich der Esoterik, weil man versucht, über Maria einen unmittelbaren Zugang zu Gott zu bekommen.

Wie kommt es, dass sich so viele Menschen von esoterischen Angeboten ansprechen lassen?
Kramer: Man könnte meinen, dass es um eine Wiederverzauberung der Welt geht, weil man dieser kalten, technischen Umwelt etwas Geheimnisvolles entgegensetzen will. Aber das trifft es nicht wirklich. Denn Esoterikern geht es gar nicht darum, die Welt geheimnisvoller zu machen, sondern Geheimnisse zu offenbaren. Sie bedienen sich auch wissenschaftlicher Begriffe, um ihre Ansätze zu untermauern. Bei der "Aurafotografie" wird Mystisches und Technisches miteinander vermischt. Es geht eher um ganz alltägliche Bedürfnisse, um Selbstoptimierung und Selbstermächtigung. Der Einstieg ist oft ganz banal; da gibt einem jemand aus dem Bekanntenkreis die Karte eines Mediums oder Geistheilers. Am Anfang steht die Suche ganz konkreter Lebenshilfe oder "Wellness".

Sind viele nur zu leichtgläubig, oder spricht daraus eher tiefe Verzweiflung und Ratlosigkeit?
Kramer: Ich glaube nicht, dass es Leichtgläubigkeit ist. Eine agnostische Grundhaltung reicht schon, um hineingezogen zu werden. Zudem arbeitet die Esoterik mit persönlichen Erlebnissen des Einzelnen; die Überzeugungskraft basiert auch auf selbst gemachten Erfahrungen. Bei der Reinkarnationstherapie reicht es beispielsweise, dass man ein früheres Leben nicht völlig ausschließt. Wenn man dann bei einem Reinkarnationstherapeuten eine intensive Erfahrung macht, öffnet man sich Schritt für Schritt dafür. In einer Krisensituation ist man noch einmal besonders empfänglich.

Was wird aus einer Gesellschaft, die zunehmend esoterisch geprägt ist?
Kramer: Es ist bedenklich, wenn viele geschädigt werden. Massenhafte Unvernunft ist schon ein gesellschaftliches Problem. Man sollte sich durchaus fragen, ob man nicht einen besseren Verbraucherschutz auf dem Psychomarkt braucht. Ich finde es problematisch, wenn Esoterik so stark den Alltag durchdringt. Die Gesellschaft gibt damit quasi die Selbststeuerung aus der Hand. Wenn man das weiterdenkt, stellt sich die Frage: Wozu braucht man noch Politik und Wissenschaft, wenn man sich immer mehr auf eine diffuse magische Gedankenwelt und Pseudo-Wissenschaft berufen kann.

Wird sich der Esoterik-Boom in den nächsten Jahren noch verschärfen?
Kramer: Die Esoterik ist inzwischen Mainstream geworden ist. Sie ist oft gar nicht mehr als solche wahrzunehmen und wird immer weniger infrage gestellt. Es gibt derzeit einen Umsatz von 25 Milliarden Euro pro Jahr, in den nächsten Jahren wird ein Anstieg auf 35 Milliarden geschätzt.

Gab es etwas bei der Recherche, das Sie in der Esoterik-Szene dann doch positiv überrascht hat?
Kramer: Es gab nichts, das mich wirklich von der Existenz von Übersinnlichem überzeugt hätte. Aber ich habe immer wieder mal kleine Überraschungsmomente erlebt. Bei einem Seminar zum Hellsehen hat mir eine Teilnehmerin gesagt, ich sollte mal wieder ein Instrument spielen. In der Tat hatte in den Wochen zuvor überlegt, wieder mit dem Klavierspielen anzufangen. Da war ich im ersten Moment durchaus überrascht - auch darüber, dass es mich überrascht hat. Aber die wahrscheinlichere Erklärung ist, dass es schlicht ein Zufallstreffer war, denn die anderen Punkte stimmten gar nicht. Ein anderes Erlebnis: Bei meiner Tätigkeit für die Astro-Hotline habe ich fast allen meiner Klienten einen ähnlichen Text gesagt. Ich hatte relativ begeisterte und schmeichelhafte Rückmeldungen. Da habe ich durchaus die Versuchung gespürt, an mein eigenes übersinnliches Talent zu glauben.

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