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Opfer sexuellen Missbrauchs wagen sich oft erst spät an die Öffentlichkeit
Täter länger verfolgen
Opfer brauchen lange, um über Missbrauch zu reden
Der Missbrauchsbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat sich für eine spätere Verjährung bei sexuellem Missbrauch ausgesprochen.
Das Alter, ab dem die Verjährungsfrist läuft, müsse auf mindestens 30 Jahre angehoben werden, forderte Rörig am 6. Juni 2013 in Berlin. Die "Ruhensregelung" müsse entsprechend geändert werden.

Im Gesetz zur Stärkung der Rechte von Opfern sexuellen Missbrauchs, das der Bundesrat im April verabschiedet hatte, war diese Frist vom 18. auf das 21. Lebensjahr des Betroffenen verlängert worden. Diese Veränderung sei nur ein erster Schritt in die richtige Richtung, so Rörig weiter. Notwendig sei eine umfassende Verlängerung dieser Frist. Er begründete dies damit, dass die Betroffenen lange bräuchten, bis sie über das an ihnen begangene Unrecht sprechen könnten. Häufig sei das erst in der Lebensmitte der Fall.

Die Berliner Strafrechtlerin Tatjana Hörnle trat für ein generelles Umdenken bei einer Verjährung von Straftaten ein. Die Interessen der Opfer fänden im derzeitigen Strafrecht zu wenig Berücksichtigung, so die Juristin. Zudem sprach sie sich dafür aus, dass Betroffene zur Vorbereitung ihrer Entscheidung, ein strafrechtliches Verfahren anzustreben, vorab eine Rechtsberatung in Anspruch nehmen können. Sie plädierte außerdem für eine Ausweitung und Standardisierung der psychosozialen Prozessbegleitung von Betroffenen. Rörig hatte Hörnle 2012 mit einem Forschungsvorhaben zu dem Thema beauftragt. Der Gesamtbericht wird nach Angaben Rörigs in den kommenden Monaten vorgelegt.

Schweiz hat "Unverjährbarkeitsinitiative" umgesetzt
In der Schweiz ist sexueller Missbrauch bereits heute unverjährbar, wenn das Opfer zum Tatzeitpunkt jünger als zwölf Jahre alt war. Eine entsprechende Änderung im Strafgesetzbuch trat am 1. Januar 2013 in Kraft. Damit setzte die Schweiz die "Unverjährbarkeitsinitiative" um, die 2008 per Volksabstimmung beschlossen wurde.

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