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Schulklasse und Lehrerin Video
Schulen, die nach Hattie unterrichten, legen Wert auf individuelles Feedback
Lernen sichtbar machen
John Hattie hat gut 800 Meta-Analysen ausgewertet
Ob Lernprozesse in der Schule gelingen, kommt in erster Linie auf die Lehrkräfte an. Das hat Prof. Dr. John Hattie in seiner groß angelegten Bildungsstudie herausgefunden.
Die Lehrer benötigten ein erweitertes Rollenverständnis ihres Berufs. Wichtig sei, dass sie von den Schülern ein Feedback einfordern, ihren Lernerfolg evaluieren und lernen so "sichtbar" machen. "Dass die Schüler dem Lehrer ein Feedback geben, ob sie etwas verstanden haben, ist immens wichtig", sagt Hattie. Die Basis des Lernens sei, dass man etwas nicht weiß. "Warum sollte man etwas lernen, was man schon weiß? Lehrer müssen mit den Fehlern arbeiten – und je besser sie darin sind zu verstehen, warum Schüler Fehler machen, desto eher können sie diese Fehler beseitigen."

"Ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis ist wichtig, man braucht ein vertrauensvolles Umfeld, das Fehler erlaubt", so Hattie. "Ein Schüler braucht viel Vertrauen, um zu sagen: 'Ich weiß es nicht.'" Es könne sein, dass er von anderen Schülern ausgelacht werde. Daher sei die Beziehungsebene zwischen Lehrer und Schüler sowie den Schülern untereinander so wichtig. "Aus Fehlern lernen - das ist die Essenz, wie wir unsere Leistung steigern können." Daher sei es auch wichtig, im Lehrerzimmer eine vertrauensvolle Atmosphäre zu haben, "dass ein Lehrer zu dem anderen gehen kann und sagt: Ich komme mit einem Schüler nicht klar, kannst du mir helfen."

Hattie kritisiert zudem das dreigliedrige Schulsystem. "Ich finde es bemerkenswert, dass Deutschland die Frage löst, was ein Mensch im Alter von 20, 30 oder 40 sein wird, wenn dieser Mensch gerade mal 10 Jahre alt ist," so der Bildungsforscher. "Mit dem rigiden System der weiterführenden Schulen verlieren Sie unheimlich viele Talente. Das könnte den Unterschied machen, denn Kinder ändern sich in diesem Alter noch dramatisch. In Deutschland muss man sich zu früh entscheiden, ob man in Hauptschule, Realschule oder Gymnasium kommt."

Für seine Studie hat der neuseeländische Bildungsforscher Befunde aus mehr als 800 Meta-Analysen gebündelt und gewichtet. Die gebündelten Analyen basieren auf mehr als 50.000 englischsprachigen Einzelstudien mit empirischen Daten zu 250 Millionen Schülern. Daraus hat der Bildungsforscher 138 Faktoren extrahiert, die in unterschiedlichem Maß Einfluss auf schulische Lernleistungen haben. Einige wirken positiv, andere negativ oder haben gar keine Wirkung.

Sehr wirksam sind:

  • Lehrertraining
  • Mikro-Teaching
  • Klarheit der Lehrkraft
  • Reziprokes Lehren
  • Feedback
  • Wiederholendes Lesen

Nur geringen Einfluss haben folgende Faktoren:

  • Hausaufgaben
  • Inklusive Schule
  • Finanzielle Ausstattung
  • Klassengröße
  • Fachkompetenz der Lehrer
  • Jahrgangsübergreifender Unterricht
  • Offener Unterricht

Nach Hatties Erkenntnissen schaden sogar:

  • Sitzenbleiben
  • Schulwechsel

Mediathek: Interview
VideoFragen an John Hattie
Der Neuseeländer John Hattie hat für seine große Bildungsstudie mehr als 50.000 Einzelstudien ausgewertet, und das mit teilweise verblüffenden Ergebnissen.
Umfrage
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