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In der Waldhofschule im brandenburgischen Templin lernen alle gemeinsam
Beim gemeinsamen Lernen gewinnen alle
Die Waldhofschule fördert die Talente aller Schüler
Wenn behinderte und nicht-behinderte Kinder miteinander in einer Klasse sind, könnten davon alle profitieren, sagt der Hirnforscher Prof. Gerald Hüther.
"Wir wissen inzwischen, dass die besten Lernprozesse nicht einzeln funktionieren, alleine kann niemand seine Potenziale entfalten, sondern immer in Gemeinschaft", sagt Hüther. Aus einem sehr zusammen gewürfelten Haufen wie einer Schulklasse ein leistungsorientiertes Team zu machen, sei möglich.

Ob behindert oder nichtbehindert - an der Waldhofschule im brandenburgischen Templin (Uckermark) gibt es keine Außenseiter. Alle Kinder lernen dort in einem gemeinsamen Unterricht. Die integrative Grundschule will "eine Schule für alle" sein.

So etwas sei nur möglich, wenn in der Schule ein Klima herrsche, in dem behinderte Kinder nicht ausgelacht werden. "Wenn man ein Klima hat, wo es nur auf gute Zensuren ankommt, da fallen die hinten durch", sagt Hüther. "Dort, wo die Inklusion funktioniert, profitieren nicht nur die, die wir als Behinderte bezeichnen, die ein Handicap mitbringen. Sondern davon profitieren vor allem auch die 'High-Performer', die gute Zensuren haben." Sie lernten, dass es Spaß macht gemeinsam in einer Klasse zusammen zu arbeiten und dass es einem auch selbst Würde verleiht.

Die Lust an Schule muss erhalten werden
In den Klassen der Waldhofschule sitzen gleich viel Kinder mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf. Die Kinder helfen sich gegenseitig, jedes mit seinen individuellen Fähigkeiten. Es wird nicht selektiert nach Schwachen und Starken. "Grundsätzlich ist es so, dass man defizitorientiert denkt, dass man guckt, was einer nicht kann, wo er schwach ist, was für eine Leistung er nicht bringt", sagt Schulleiterin Antje-Angela Uibel. "Das ist nicht der Ansatz, den wir haben. Wir schauen danach, was die Schüler besonders gut können. Leider vermag es die Schule noch zu oft, die Lust am Lernen wieder verschwinden zu lassen. Das ist die größte Herausforderung unserer Pädagogen, die Lust am Lernen und an Schule zu erhalten."

Die UN-Kinderrechtskonvention schreibt das Recht auf Betreuung bei Behinderung vor. Die Bosch-Stiftung würdigte, dass sich die Waldhofschule vorbildlich um eine möglichst vollständige soziale Integration von behinderten wie auch besonders begabten Kindern bemühe. Dort gibt es Klassen- und Einzelunterricht, Lehr- und Lernkonzepte "mit Geduld für Schnelle und Langsame".

Tests und Prüfungen hat die Waldhofschule "völlig abgeschafft", wie der frühere Schulleiter Wilfried Steinert ergänzt. Gute Leistungen bringen seine Schüler offenbar trotzdem: Bei den Vergleichsarbeiten des Landes Brandenburg liege seine Schule in der Regel deutlich über dem Landesdurchschnitt, sagte der ehemalige Vorsitzende des Bundeselternrats stolz.

Steinert forderte deutlich mehr integrative Schulen. Deutschland habe zwar eine sehr gute Sonderschulpädagogik, in der Regel würden behinderte Kinder aber in Sonderschulen isoliert oder als Außenseiter in regulären Klassen stigmatisiert. Wirklich integrative Konzepte mit gleich viel behinderten und nichtbehinderten Kindern gebe es kaum. "Hier ist Deutschland noch Entwicklungsland", sagte er.

Info
Für ihr Engagement ist die Waldhofschule 2010 mit dem von der Robert Bosch Stiftung ausgelobten Deutschen Schulpreis ausgezeichnet worden.
Glossar
Inklusion
Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet dazu, die Inklusion voranzutreiben - die Einbeziehung behinderter Menschen in alle Bereiche der Gesellschaft von Geburt an.
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