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Lebensmodelle ändern sich - nirgendwo wird das so deutlich wie in der Stadt
Die Stadt ist "in"
Planer müssen in Zukunft einige Probleme lösen
Der Drang zum Wohnen in den Städten wird weiter zunehmen. Das Häuschen im Umland wird dagegen immer mehr an Attraktivität verlieren, sagen Experten.
Die Renaissance der urbanen Zonen stellt jedoch die Städte zugleich vor neue Herausforderungen: Dazu zählen die stetig wachsenden Ansprüche an Wohnraum, die demographischen Probleme mit Überalterung und Bevölkerungsrückgang sowie die Integration der Zuwanderer.

Dabei ist der Trend zu mehr Wohnraum nach Ansicht des Oldenburger Stadtsoziologen Prof. Walter Siebel unumkehrbar. Lag der Pro-Kopf-Wert in den 1950er Jahren noch bei 15 Quadratmeter, sind es nunmehr 40. Hinzu kommt, dass der Wohnraum in den Städten unter gut verdienenden Singles und beengt lebenden kinderreichen Familien sehr ungleich verteilt ist.

Flucht auf das Land "ist keine Lösung mehr"
Die Flucht in die Vorstädte ist nach Einschätzung des renommierten Wissenschaftlers jedoch kein Ausweg mehr. Einmal löse sich das klassische Leitbild des "kleinfamiliären Wohnens" im Umland angesichts neuer Lebensstile und Patchwork-Familien seit den 70er Jahren auf. Zum anderen werde ein Häuschen im Grünen auch aus ökonomischen Gründen zunehmend uninteressant, da Arbeitgeber von jedem beruflich immer mehr Flexibilität verlangen, stellte Siebel fest. Außerdem werde das Pendeln immer zeitaufwendiger und angesichts steigender Energiekosten auch teurer. "Natürlich werden Familien auch weiterhin ins Umland ziehen, der Trend wird jedoch nicht mehr so dominant sein", sagte der Soziologe, der zugleich fallende Immobilienpreise für die "Speckgürtel" prognostizierte.

Für die Städte stellt sich angesichts der vielfältigen Lebensstile in der heutigen Gesellschaft die Frage, wie die unterschiedlichsten Ansprüche ans Wohnen befriedigt werden können. Unstrittig ist, dass wegen des demographischen Wandels dabei den Älteren mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.

Gerade die Senioren haben wachsende Ansprüche ans Wohnen. Der Gerontologe Prof. Andreas Kruse sieht die Kommunen in der Pflicht: Alle öffentlichen Anlagen müssten an die Bedürfnisse des Alters angepasst werden, fordert er. Die Städte müssten den Älteren auch eine für sie gut erreichbare Dienstleistungsstruktur - zum Beispiel beim Einkaufen - bieten. Außerdem müssten die Kommunen verstärkt darüber nachdenken, an welchen Orten sich Mitglieder verschiedenster Generationen begegnen könnten, sagte der Heidelberger Altersforscher.

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